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Übersetzerin Yuko Keller (u. a. Tokyo Ghoul) im Interview

Auf der Leipziger Buchmesse 2019 konnten wir die Manga-Übersetzerin Yuko Keller antreffen, welche unter anderem für die Manga Tokyo Ghoul(:RE) sowie Wolf Girl & Black Prince zuständig war. Dabei stand sie unseren Fragen Rede und Antwort.

Sumikai: Vielen Dank für die Möglichkeit des Interviews Yuko. Man kennt Ihre Übersetzungen unter anderem aus Manga-Serien wie Wolf Girl & Black Prince, The Legend of Arslan oder Tokyo Ghoul. Wie begann Ihre Karriere als Übersetzerin und welche Qualifikationen sind nötig, um zu übersetzen?

Yuko: Ich bin in Japan aufgewachsen und habe angefangen mit 18 Jahren Deutsch zu lernen. Als ich 22 Jahre alt war, bin ich nach Deutschland gezogen. Mein Studium beendete ich in germanistischer Linguistik und Japanologie als Hauptfächer. Schon als Kind habe ich mehrere Shonen-Manga wie Dragon Ball oder City Hunter gelesen. Shojo-Titel eher weniger.

Als ich dann nach Deutschland gezogen bin, wurde mir erst klar wie beliebt Anime und Manga, aber auch generell die japanische Kultur hier ist. Deshalb war mein Wunsch bzw. Interesse groß, darin mitzuwirken. Nach dem Studium habe ich erst einige Jahre bei einer japanischen Fernsehproduktion in Berlin als TV-Koordinatorin gearbeitet und bei den Aufnahmen in den deutschsprachigen Ländern gedolmetscht. Nach zwei Jahren gab ich das dann auf, da ich zu Hause arbeiten wollte, damit ich bei meinem Kind sein kann.

Nach einem Übersetzungstest bei einem Manga-Verlag, den ich erfolgreich bestanden habe, durfte ich meinen ersten Oneshot übersetzen.

Sumikai: Ist es als Übersetzerin schwierig, den privaten Geschmack und die Arbeit zu trennen?

Yuko: Natürlich gibt es auch Übersetzungsaufträge, die ich lediglich als Arbeit sehe. Allerdings, bei Serien wie Tokyo Ghoul oder Wolf Girl & Black Prince bin ich selbst privat ein großer Fan der Reihen. Dementsprechend war ich gerade bei Tokyo Ghoul sehr glücklich, dass KAZÈ Manga mir die Übersetzung von Tokyo Ghoul:RE anvertraut hat.

Sumikai: Wie lange dauert denn eine Übersetzung vom Japanischen ins Deutsche? Gibt es Zeitvorgaben seitens der Verlage?

Yuko: Die Zeitvorgaben variieren je nach Verlag. Bei KAZÉ Manga habe ich bis zu einem halben Jahr im Voraus Zeit, um die Titel zu übersetzen – bei einem anderen Verlag ist das dann schon mal etwas knapper gesetzt. So kann es schon mal sein, dass ich dann eine Übersetzung in drei Wochen abgeben muss.

Für eine Übersetzung brauche ich in der Regel ein bis zwei Wochen. Das variiert allerdings stark, da eine Reihe wie Tokyo Ghoul zum Beispiel immer etwas dicker vom Inhalt ist, wofür ich dann natürlich etwas länger brauche. Für den letzten Band von Tokyo Ghoul:RE, der über 300 Seiten besitzt, habe ich knapp zwei Wochen benötigt.

Sumikai: Kann man sich diese Zeit zum Übersetzen einteilen? Wie sieht denn der Tagesablauf bei Ihnen aus?

Yuko: Mein Arbeitstag beginnt um 9 Uhr und endet um 16 Uhr. Da ich aber neben dem Manga-Übersetzen auch andere Aufträge habe, kann es schon mal passieren, dass ich überziehe oder am Wochenende bis Mitternacht arbeite.

Sumikai: Die Arbeit als Übersetzerin ist mit Sicherheit auch anstrengend, oder?

Yuko: Total! Da ich auch andere Aufträge mache, wie zum Beispiel das Übersetzen von Werbung für Toilettensitze, ist die Aufgabe, einen Manga zu übersetzen, wesentlich angenehmer. *lacht* Aber generell macht mir das Manga-Übersetzen eine Menge Spaß! Wenn ich also mehrere Aufträge gleichzeitig bekomme, mache ich die Manga-Aufträge als erstes.

Sumikai: Manga-Übersetzer, die vom Japanischen ins Deutsche übersetzen sind bestimmt gefragt. Können sie uns dazu etwas erzählen?

Yuko: Ich glaube, dass es mittlerweile viele Übersetzer gibt – gerade im Vergleich von vor ein paar Jahren sind es mehr geworden. Mir ist aufgefallen, dass es viele Kinder gibt, die japanisch-deutsch aufgezogen werden. Diese könnte man dann in ein paar Jahren als mögliche Konkurrenz sehen.

Sumikai: Wie ist das generell mit den anderen Übersetzern – sieht man sich denn als Konkurrenz?

Yuko: Da ich normalerweise alleine arbeite, habe ich relativ wenig Kontakt mit anderen Übersetzern. Ergibt sich aber auf Events wie der Manga-Comic-Con die Möglichkeit, sich mit anderen Manga-Übersetzern beruflich auszutauschen, freut mich das riesig. Da spricht man dann auch darüber, welche Titel man übersetzt hat.

Ergibt sich aber auf Events wie der Manga-Comic-Con die Möglichkeit, sich mit anderen Manga-Übersetzern beruflich auszutauschen, freut mich das riesig.

Sumikai: Professionelle Manga-Übersetzer sehen sich oft der Kritik ausgesetzt, etwas anders zu übersetzen als Fanübersetzer. Wie sehen Sie das?

Yuko: Natürlich muss man solche Kritik auch in Kauf nehmen. Sowas gehört aber auch zum Beruf irgendwie dazu. Für mich zählt allerdings, dass ich beauftragt werde, professionelle Übersetzungen zu machen. Das Gefühl, dass das übersetzte Buch im Buchhandel aufzufinden ist, ist unbeschreiblich – und das können Fanübersetzungen nicht.

Sumikai: Sie haben bereits erwähnt, dass sie großer Fan von Sui Ishida sind und sich auch privat mit ihm beschäftigen – welchen Eindruck konnten Sie von seiner Person gewinnen?

Yuko: Sui Ishida ist ein total mysteriöser Typ. Er lebt zwar in Fukuoka, allerdings weiß man praktisch nichts von ihm. Im letzten Band von Tokyo Ghoul:RE hat er zwar ein bisschen über sich erzählt – trotzdem sind die Informationen spärlich.

Mein größter Wunsch wäre es ja, wenn er mal nach Deutschland kommen würde – was leider unwahrscheinlich ist, wenn man schaut, wie bedeckt er sich hält. Ich habe einige Fragen an ihm, woher zum Beispiel seine Zuneigung zu Deutschland entstanden ist. Er nutzt viele Charaktere, die entweder aus Deutschland kommen oder Deutsch sprechen können. Die Hauptfigur von Tokyo Ghoul:RE zum Beispiel, Haise, hat ihren Ursprung aus dem Deutschen “ich heiße”. Ich möchte unbedingt wissen, woher er die Inspiration für solche Dinge nimmt.

Sie haben auch schon mehrere Light Novels übersetzt – welche Unterschiede im Gegensatz zur Manga-Übersetzung gibt es?

Yuko: Ich war auch für die Übersetzung der Light Novels von Tokyo Ghoul zuständig, was eine sehr schwierige Aufgabe war. Im Gegensatz zur Light Novel haben Manga ja Sprechblasen, wodurch man sich immer sehr kurz halten muss, damit die Sätze darin passen. Das haben Light Novels nicht – der Satzbau wird dann komplett anders geschrieben und das ist für jemanden, der Deutsch nicht als Muttersprache beherrscht, teilweise sehr schwer. Dadurch hat das Übersetzen der Light Novels auch länger gedauert als bei den Manga. Ein weiterer Unterschied ist, dass ein Manga mehr direkte Dialoge besitzt – Light Novel umschreiben diese mehr.

Sumikai: Zu guter Letzt: Da Sie mittlerweile an der deutschen Übersetzung mehrerer Manga beteiligt waren, was macht allgemein betrachtet den Reiz von japanischen Manga aus? Was fasziniert Sie an Manga-Erzählungen?

Yuko: Gute Frage. Dadurch, dass es so viele Manga gibt, gibt es trotz wiederkehrender Geschichten oder Elemente Dinge, die komplett neu sind. Auch finde ich es immer wieder schön, wie teilweise komplett verschiedene Manga sich gegenseitig inspirieren lassen. So ist zum Beispiel Sui Ishida jemand, der ein Fan von Yoshihiro Togashi (Mangaka von Hunter x Hunter) ist. Tokyo Ghoul hat viele Dinge übernommen, die in Yu Yu Hakusho aufgetreten sind. Und genau solche Entdeckungen machen für mich der Reiz aus.

Wir bedanken uns bei Yuko Keller und Kazé Manga für das Interview!

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