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Buddhismus in Japan: Die Geschichte

Entwicklung der Religion in Japan

Die Geschichte des Buddhismus betrifft auch Japan, denn neben dem Shinto ist der Buddhismus die zweithäufigste Religion in Japan. Tatsächlich bekennen sich viele Japaner zu beiden zugehörig. Wir wollen ein Überblick von den Anfängen bis zur Gegenwart wagen.

Ursprung des Buddhismus

Der Buddhismus hat seinen Ursprung im Grenzgebiet vom heutigen Nepal und Indien. Dort soll Siddharta Gautama in der Fürstenfamilie der Shakya geboren worden sein.

Desillusioniert vom Luxusleben und im Bewusstsein der Vergänglichkeit aller Dinge machte sich der Fürstensohn auf, um als Asket einen Weg zu finden, wie das ewige Leiden durch Anhaftungen an materielle Güter, Wünsche und Gefühle zu finden ist.

Doch der Weg der Askese brachte ihn nicht voran und er erkannte, das weder Luxus noch Askese die Lösung sind – er entdeckte den „Mittleren Weg“ jenseits der Extreme. Auf diese Weise gelangte er schließlich zum Erwachen, er erkannte die Ursache des Leidens und wie es zu überwinden ist.

Diese Lehre fand der Legende nach durch den Mönch Bodhidharma nach China, wo seine Schüler das Shaolin-Kloster gegründet haben sollen und gelangte, zum Teil über Korea, auch in das Inselreich Japan.

Wie die Entwicklung dort verlief und welche Faktoren diese Vorgänge beeinflussten, fassen wir nun in einem Crashkurs zum Thema „Buddhismus in Japan“ zusammen.

Früher Buddhismus in Japan

Nachdem für das Jahr 552 erste Kontakte mit dem Buddhismus belegt sind, wurde er 594 durch den mythologischen Kronprinzen Shōtoku (shōtoku taishi 聖徳太子 ) zur Staatsreligion erklärt.

741 verfügte Kaiser Shōmu ( 聖武天皇 ), dass in jeder Provinz (kuni 国) ein Provinz-Mönchskloster (kokubunji 国分寺) und ein Provinz-Nonnenkloster (kokubunniji 国分尼寺) errichtet werden müsse, in denen für das Wohl des Staates gebetet wird.

Diese Bezeichnung aus der Frühzeit des Buddhismus in Japan findet sich daher heute noch teilweise bei Ortsteilen moderner Städte.

Nachdem die ersten Überlieferungen, die über China und Korea nach Japan gelangten, noch stark philosophisch durch die indischen Denkschulen des Buddhismus geprägt waren, änderte sich dies in der Heian-Zeit.

Heian-Zeit und Staatsbuddhismus

Ab dem Jahr 804 führten der Mönch Saichō ( 最澄 ), auch bekannt als Dengyo-Daishi ( 伝教大師 ) die Tendai-Tradition (tendaishū 天台宗) und der Mönch Kūkai ( 空海 ), besser bekannt als Kōbō-Daishi ( 弘法大師 ) die Shingon-Tradition (shingonshū 真言宗 ) und damit zwei Formen des so genannten „esoterischen Buddhismus“ nach Japan ein.

Diese beiden Schulen festigten ihre Machtstrukturen und erhielten Förderung vom kaiserlichen Hof. Sie hatten erheblichen politischen Einfluss und unterhielten sogar eigene Armeen von Kriegermönchen (sōhei 僧兵 ) um ihre machtpolitischen Interessen durchzusetzen.

Religiöse Posten wurden an politische Günstlinge vergeben und Rituale zum Wohl des Staates spielten eine wichtige Rolle. Diese Institutionalisierung führte schließlich zur Entwicklung religiöser Gegenbewegungen im Buddhismus

Kamakura-Zeit und Umbrüche

Zeuge der japanischen Geschichte: Der große Buddha des Kōtoku-in in Kamakura (Foto: flickr, kazuletokyoite cc-by)
Zeuge der japanischen Geschichte: Der große Buddha des Kōtoku-in in Kamakura (Foto: flickr, kazuletokyoite cc-by)

Die Kamakura-Zeit war das Ergebnis gesellschaftlicher Umbrüche – der Kaiserhof in Heian-kyo (dem heutigen Kyoto) wurde in seiner politischen Bedeutung durch das Shogunat in Kamakura abgelöst.

Dieser Umbruch hatte auch Auswirkungen auf das buddhistische Weltbild der damaligen Zeit. So kam die Vorstellung auf, das letzte der vier Zeitalter der Menschheit, das „Zeitalter der Zerstörung“ (mappo 末法 ) sei angebrochen.

In der Volksfrömmigkeit wurde die Verehrung des Buddha Amida populär – denn auch wenn nach buddhistischer Vorstellung in diesem Zeitalter niemand mehr die „Erlösung durch eigene Kraft“ (jiriki 自力) erlangen kann, so blieb immer noch die „Erlösung durch dir Macht des Anderen“ (tariki 他力), also durch die Gnade des Buddha Amida.

Dadurch erhielten die Traditionen des Amida-Buddhismus, – die „Schule des Reinen Landes“ (jōdoshū 浄土宗 ) nach Honen und die „Wahre Schule des Reinen Landes“ (jōdo shinshū 浄土真宗 ) nach Shinran ( 親鸞 ) zahlreiche Anhänger, da sie vor allem Laienbewegungen waren.

Der Zen-Buddhismus der Rinzai-Tradition ( 臨済宗 ) sprach mit seiner strengen Disziplin dagegen vor allem den Stand der Samurai an, die sich von der Meditation positive Auswirkungen auf Selbstkontrolle und die Befreiung von Ängsten versprachen.

Doch der Mönch Dōgen ( 道元 ) war unzufrieden mit diesem Zen, da es sich höfisch institutionalisiert hatte und reiste nach China. Von dort brachte er die Lehre mit, die heute als „Sōtō-Schule“ (sōtōshū 曹洞宗 ) des Zen-Buddhismus bezeichnet wird.

(Ob diese Reisen tatsächlich stattfanden, darüber ist man uneins. Dies soll jedoch nicht Teil dieser geschichtlichen Zusammenfassung sein).

Mit seiner neuen Lehre erregte Dōgen zunächst den Unmut der etablierten Schulen und nach einem Brand verlegte er sein Hauptkloster aus der Hauptstadt in die heutige Präfektur Fukui.

Auch der Mönch Nichiren ( 日蓮 ) war ein Aufrührer. Er erklärte, die Ablehnung der buddhistischen Schriften durch den Volksbuddhismus sei falsch und die Hoffnung auf die Wiedergeburt im Reinen Land unnötig. Durch Verehrung des Lotossutras könne die Befreiung bereits in diesem Leben realisiert werden.

Im Nichiren-Buddhismus (nichirenshū 日蓮宗 )  entwickelten sich verschiedene Schulen, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte im Bezug auf die Verehrung der bildlichen Darstellung des Lotossutra und der Verehrungsformel „Namu Myōhō Renge Kyō“ legen.

Muromachi-Zeit und Zen-Blüte

Geschichte des Zen in Stein: Der Karesansui des Ryōanji(Foto: flickr, Kentaro Ono cc-by)
Beispiel für die Bedeutung des Zen in der japanischen Geschichte: Trockenlandschaftsgarten des Tempels Ryōanji (Foto: flickr, Kentaro Ono cc-by)

Während der Muromachi-Zeit war das Ashikaga-Shogunat an der Macht und förderte die Zen-Traditionen, was einer der Gründe ist, weshalb diese Schule des Buddhismus bis heute einen wesentlichen Einfluss auf die japanische Kultur hat.

Tempel wie der Kinkakuji ( 金閣寺 ) und der, zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Trockenlandschaftsgarten des Ryōanji ( 龍安寺 ) entstanden in dieser Zeit.

Auch vom Zen inspirierte Konzepte der Ästhetik, wie das wabi-sabi fanden während dieser Zeit in Kunstformen wie dem Blumenstecken (kadō 花道 ) und dem Teeweg (chadō 茶道 ) des Sen no Rikyū ( 千利休 ) ihren Ausdruck.

Edo-Zeit und Stagnation

Japanische Geschichte: Einschmelzen von Tempelglocken während anti-buddhistischer Aktionen (Bild: Wikimedia Commons. Public Domain)
Buddhismus in der japanische Geschichte: Komuso-Mönch der Fuke-Tradition (Grafik: Wikimedia Commons, Public Domain)

Nachdem sich die Zeit der militärischen Auseinandersetzungen zu legen begann und das Tokugawa-Shogunat nach der entscheidenden Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 das Land einte, sank auch die Bedeutung des Buddhismus, der durch die Förderung der Samurai erblüht war.

Während der Abschottung gegenüber dem Ausland gab es, mit Ausnahme von 1661, als die Ōbaku-Schule (ōbakushū 黄檗宗 ), eine Form des Zen, die dem Rinzai nahe steht und heute von eher untergeordneter Bedeutung ist, eingeführt wurde, praktisch keine Veränderungen im Buddhismus.

Tatsächlich wurden in dieser Epoche der Geschichte nicht nur die Christen verfolgt, sondern es gab auch Buddhisten-Verfolgungen, mit dem Ziel, zu engagierte Bewegungen, insbesondere im Amida-Buddhismus und Nichiren, einzudämmen.

Die Edo-Zeit war daher vor allem durch die strenge Gesellschaftsordnung des Konfuzianismus bestimmt – und der Buddhismus wurde Teil eines staatlichen Kontrollapparats. So musste sich jede Familie bei einem Verwaltungstempel registrieren lassen und das Zertifikat in einem Hausaltar (butsudan 仏壇 ) aufbewahren.

Die Reisefreiheit war zudem stark eingeschränkt und lediglich die Mönche der Fuke-Tradition (fukeshū 普化宗 ), mit ihren bienenkorbartigen Strohhüten, die ihr Flötenspiel als Meditation übten, bekamen Reisepapiere – weshalb diese Mönche auch als Spione eingesetzt wurden.

Meiji-Restauration und Niedergang

Japanische Geschichte: Einschmelzen von Tempelglocken während anti-buddhistischer Aktionen (Bild: Wikimedia Commons. Public Domain)
Japanische Geschichte: Einschmelzen von Tempelglocken während anti-buddhistischer Aktionen (Bild: Wikimedia Commons. Public Domain)

Die Unruhen der Meiji-Zeit ( 明治時代 ), bei der das Shogunat bekämpft wurde, richteten sich auch gegen den Buddhismus, der als ideologisches Rückgrat der alten Militärregierung (bakufu 幕府 ) galt.

Nun wurde der Shintō zur offiziellen Staatsreligion erhoben und es kam zu einer anti-buddhistischen Strömung (haibutsu kishaku 廃仏毀釈 ), die den Buddhismus als „fremde Lehre“ brandmarkte und die bis heute von einigen nationalistischen Hardlinern gefördert wird.

Zerstörungen von Tempeln und Statuen waren üblich und Mönche wurden zur Aufgabe ihrer Gelübde und zur Führung eines weltlichen Lebens gezwungen.Schließlich wurde 1872 das Edikt 133 erlassen, das das Zölibat und das Fleischverbot für Mönche aufhob (nikujiku saitai 肉食妻帯)

Dadurch wurden Mönche und Nonnen praktisch dazu genötigt zu heiraten, weil man davon ausging, dass familiäre Verpflichtungen sie an anderen Aktivitäten hindern würden und es ihren Sonderstatus untergrub.

Pazifikkrieg und Nationalismus

Japanische Geschichte: Propaganda-Artikel zum Pazifikkrieg (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)
Japanische Geschichte: Propaganda-Artikel zum Pazifikkrieg (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)

Um nicht als gänzlich anti-japanisch zu gelten und so zum Opfer des Staats-Shinto zu werden, passten sich praktisch alle verbliebenen Schulen der Zeit an. So entgingen sie einer größeren Verfolgung.

Ähnlich wie kurz nach der Einführung des Buddhismus wurden nun vermehrt Zeremonien zum Wohle des Staates und der Gesundheit des Tenno durchgeführt.

Insbesondere die verbliebenen Zen-Traditionen (Sōtō, Rinzai, Ōbaku) und der Nichiren-Buddhismus förderten den Patriotismus und trugen zur Propaganda bei.

Vergleichbar zur Zeit der Samurai wurde Zen als geistige Disziplin betrachtet, mit der sich Opferbereitschaft und Selbstbeherrschung geradezu trainieren ließen und es wurde verbreitet, durch „Soldaten-Zen“ könne man außergewöhnliches leisten.

Religiös motivierten Widerstand oder Pazifismus-Bewegungen gab es kaum, es waren lediglich wenige Einzelpersonen die Widerstand leisteten.

Zu den kriegskritischen Gruppen gehörte die linksgerichtete „Jugendliga zur Neubelebung des Buddhismus (shinkō bukkyō seinen dōmei 新興仏教青年同盟 ) und eine der wenigen, dokumentierten Fälle des Einzelprotests war der Mönch Takenaga Shōgan ( 竹中彰元 )

Die Mehrheit der buddhistischen Organisationen und Gelehrten äußerten sich aber eindeutig nationalistisch, oder zumindest sehr indifferent. Letzteres wird auch dem bekannten Philosophen D.T. Suzuki angelastet.

Die Förderung des japanischen Nationalismus durch buddhistische Institutionen und Lehrer, wie etwa Harada Daiun Sogaku wird seit einigen Jahren auch außerhalb Japans kontrovers diskutiert,

Buddhismus der Nachkriegszeit

Die Entwicklungen während der Meiji-Restauration und der Nationalismus während des Pazifikkriegs setzten der Rolle des Buddhismus in der japanischen Gesellschaft stark zu.

Die „Verweltlichung“ durch das Edikt 133 und das nationalistisch motivierte „Edikt zur Trennung von Buddhismus und Shinto“ ( 神仏分離の令 ) hatten den Buddhismus schwer getroffen und tatsächlich gelangte der Buddhismus nie wieder zu voller Blüte.

Bislang haben fünf buddhistische Schulen offizielle Entschuldigungen für ihre Beteiligung an der Kriegspropaganda eingereicht.

Die beiden zweige des Jōdo-Shinshū – der Higashi-Honganji-Zweig ( 東本願寺派 ) und der Nishi-Honganji-Zweig ( 西本願寺 派) veröffentlichten 1987 bzw. 1992 ein Schuldeingeständnis.

Der Dachverband der Sōtō-Schule (Sōtōshū Shūmucho) veröffentlichte 1992 ihr Reuebekenntnis. Im August desselben Jahres forderte eine Reformbewegung innerhalb der Nichiren Shōshū ( 日蓮正宗 ) eine Entschuldigung der Bewegung für die Unterstützung des Krieges.

Beim Rinzai-Zen entschuldigten sich bislang der Myōshinji-Zweig ( 妙心寺派 ) und der Tenryuji-Zweig ( 天龍寺派 ) im Jahr 2001. Die Jōdoshū bekannte sich 2008 zu den Aktivitäten während des japanischen Nationalismus.

Geschichte und Gegenwart

Geschichte und Gegenwart: Zeremonie zum Totenfest Obon (Foto: Photozou kontenten cc-by)
Gegenwart: Zeremonie zum Totenfest Obon (Foto: Photozou kontenten cc-by)

Heutzutage herrscht in Japan mehrheitlich die Vorstellung eines „Begräbnis-Buddhismus“ (sōshiki bukkyō 葬式仏教 ) vor.

Der Kontakt zu Geistlichen beschränkt sich häufig auf die Durchführung von Gedenkzeremonien für Verstorbene.

Die Tohoku-Katastrophen 2011 führten zu einem verstärkten Bedarf an seelsorgerischer Betreuung und Gemeinschaft, sodass einige Experten die tragischen Ereignisse sogar als Möglichkeit für ein Wiedererstarken des Buddhismus in Japan sehen.

Unterdessen sind sowohl die buddhistischen Organisationen, als auch Mönche und engagierte durchaus daran interessiert, diese Religion wieder attraktiver zu machen – gerade auch für junge Menschen.

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