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Eine Reise auf den Spuren der Charlotte Perriand

Charlotte Perriand – Ihr außergewöhnliches Leben und ihr Wirken in Japan

Paris, 1940. „Ich verstehe sie einfach nicht“, murmelt er, um sich dann wieder seinen alltäglichen Geschäften zu widmen. Charlotte Perriand, gebürtige Pariserin, macht sich 1940 ins ferne Tokyo auf, um dort eine Ausstellung zu entwickeln. Mittlerweile ist sie nämlich trotz Krieg über die Grenzen der Länder hinaus bekannt.

In der von Charles Berberian gezeichneten Graphic Novel wird eine Seite während des Zweiten Weltkriegs gezeigt, die vielen bestimmt bislang verborgen geblieben ist…

Das außergewöhnliche Wirken der Charlotte Perriand

Charlotte Perriand ist eine Ikone in der Welt der Möbeldesigner, die schon zu ihren Lebzeiten große Wellen schlug. Ihre Idee, Gegenstände und Möbel einfach, funktionell und zum Zweck eines Raumes zu erschaffen, war damals bahnbrechend und revolutionierte die Branche. Ihre berühmte „Bar unterm Dach“ (Bar sous le toit) war legendär und erregte überall unglaubliches Aufsehen. Die vollständig aus vernickeltem Kupfer und eloxiertem Aluminium erbaute Bar setzte neue Maßstäbe und brachte letzten Endes den Stein ihrer Reise nach Japan ins Rollen.

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Charles Berberian hat es sich zur Aufgabe gemacht, Charlottes Reise nach Japan und ihre Abenteuer dort zeichnerisch einzufangen und den Leserinnen und Lesern näherzubringen. Dies gelingt ihm mit beschwingten Linien und unterschiedlichsten Stilmitteln: Sei es der helle Tag, der die gesamte Seite in cremefarbenes Licht taucht oder die Abendbegegnung auf dem Deck in dunklen, gedeckten Blautönen – der Zeichner schafft es immer, die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen. Dazu gehören auch die unberührte, freiere Natur im krassen Kontrast zu der feinen Gesellschaft mit klaren, deutlichen Linien, in der Charlotte Perriand ihre Auftraggeber trifft.

„Ich bin nicht Designerin, ich bin Architektin.“

In sich sinnige, zweckmäßige Möbel zu entwerfen war stets ihr großes Ziel.

In Japan hat Charlotte kaum eine Verschnaufpause und wird direkt an das Projekt herangeführt: Sie soll Möbel designen und damit eine Ausstellung machen. Die Vorstellungen ihrer Auftraggeber unterscheiden sich erheblich voneinander. Mit klaren, eindrücklichen Worten und Bildern fängt der Zeichner eines ihrer berühmtesten Zitate ein:

„Ich entwerfe ein Möbelstück niemals als Möbelstück an sich, sondern für einen architekturalen Raum und einen präzisen Zweck unter Berücksichtigung von Nutzung, Technik und Harmonie.“

Das Land der aufgehenden Sonne liefert der jungen Star-Architektin allerdings in kürzester Zeit eine Menge Ideen, was ihre Inspiration und Schaffenskraft schürt.

Zweigeteiltes Buch: Erst Graphic Novel, dann Gespräch

Das Gespräch gibt viele weitere, spannende Hintergrundinformationen und ist zudem noch durch schöne, großflächige Aquarelle aufgelockert.

Das Buch ist in zwei große Bereiche aufgeteilt: Die ersten 68 Seiten zeigen Charlottes Reise nach Japan und ihre Zeit danach, während der sogenannte „Anhang“ im Umfang von ungefähr 40 Seiten ein Gespräch zwischen dem Zeichner Charles Berberian und Charlottes Tochter Pernette Perriand enthält.

Dieses ist durch zahlreiche großflächige Aquarelle aufgelockert und zeigt eindrucksvoll etliche erschaffene Möbelstücke von Charlotte Perriand, aber auch persönliche Einblicke in ihr Leben. An dieser Stelle kann der Zeichner einem auch mit Worten begreiflich machen, wie viel Hintergrundwissen er über die berühmte Architektin besitzt und wie unglaublich faszinierend und facettenreich sie war. Abgerundet wird der Anhang mit einer zweiseitigen Übersicht der Lebensdaten von Charlotte Perriand.

Fazit

Wer ohne Vorkenntnisse an dieses Werk herangeht, kann seinen Horizont erweitern: Neue, ungeahnte Seiten Japans und deren Denkweise der damaligen Zeit werden schön inszeniert und auch mit Tuschezeichnungen unterstrichen, die an typische japanische Tuschemalereien erinnern. Dennoch muss ganz klar gesagt sein, dass der Löwenanteil der Graphic Novel zwar in Japan spielt, aber einen klaren Fokus auf das Schaffen und Wirken einer jungen Französin in Japan hat.

Wer sich daran nicht stört oder mehr über die Anfänge moderner Architektur und damit einhergehend Designs von Möbeln erfahren möchte, ist hier genau richtig. Kombiniert mit der japanisch-minimalistischen, aber gewinnbringenden Denkweise wird hier ein ganz besonderes Werk geschaffen, das einen über die Nützlichkeit des Designs von Dingen nachdenken lässt.

Das A4 große Buch hat einen leicht rauen, griffigen Einband, der ihn sehr hochwertig wirken und angenehm in der Hand liegen lässt. Der Druck der Zeichnungen ist auf festerem Papier und trägt maßgeblich zur Wertigkeit des Buches bei. Das blaue Lesebändchen ermöglicht es, vor allem beim Anhang eine Stelle geschickt einzumerken.

InfoVerlag: REPRODUKT
Erscheinungsjahr: 2020
Autor: Charles Berberian
Seiten: ~110
Preis: 20 EuroBei Amazon kaufen

REVIEW OVERVIEW

Gesamteindruck
98 %
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