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StartJapan entdeckenBücherEin literarischer Meilenstein der Architekturgeschichte: Werner Blasers „Tempel und Teehaus in Japan“

Den Geist der japanischen Architektur verstehen

Ein literarischer Meilenstein der Architekturgeschichte: Werner Blasers „Tempel und Teehaus in Japan“

In „Tempel und Teehaus in Japan“ treffen die Architekturwelten des Ostens und des Westens aufeinander. Der schweizerische Architekt und Publizist Werner Blaser lernte während seiner Studienzeit in Japan, eine Baukunst zu lieben und zu verstehen, die so ganz anders ist als die unsere.

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Blaser veröffentlichte 1953 nach einer Japanreise sein erstes Werk: „Tempel und Teehaus in Japan“. Nach seinem Tod im Jahre 2019 trat sein Sohn Christian W. Blaser an den Birkhäuser Verlag heran und initiierte eine Neuauflage von „Tempel und Teehaus in Japan“, die nun in diesem Jahr erschien. Ergänzt wird die Neuauflage durch einen Text von Christian W. Blaser selbst über die Entstehung des Buches und das Leben seines Vaters, einen Beitrag von Inge Andritz über Mies van der Rohe sowie ein persönliches Nachwort von Tadao Ando.

In aller Form richtungsweisend

Blasers „Tempel und Teehaus in Japan“ bezeugt sein hohes Verständnis bezüglich des Wesens der klassischen japanischen Architektur. Seinem Erstwerk fügte er eine Vielzahl von eigens aufgenommenen Fotos bei. Sogar einige Aufnahmen in Farben sind darunter. Insgesamt sind die Bilder auffallend scharf und bieten den Lesenden einen tiefen Einblick in die Welt der japanischen Baukunst.

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Einigen der Bilder hat er darüber hinaus einen beschreibenden Kommentar beigefügt. Diese Erläuterungen sind allesamt sehr prägnant und helfen dabei, die Konzepte hinter den Bauwerken besser verstehen zu können. Des Weiteren findet man in „Tempel und Teehaus in Japan“ einige von Blasers eigenen Strichzeichnungen, die die Strukturen der fotografierten Gebäude sowie ihre Raumkonzeptionen aufschlüsseln.

Wandelgang und steinernes Handwaschbecken in Manju-in
Ein Buch wie ein Tor zu einer anderen Lebenswirklichkeit…

„Tempel und Teehaus in Japan“ befeuerte den Einfluss der japanischen Ästhetik auf die westliche Kultur hinsichtlich ihrer eigenen Architektur- und Grafikstile und ist auch heute noch hoch angesehen. Die vielen Jahrzehnte, die seit seiner Entstehung vergangen sind, konnten ihm nichts anhaben.

Ein Fachbuch für Fachkräfte? Auch, aber nicht nur.

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Allerdings wäre es falsch, anzunehmen, dass dieses Werk, welches den Status eines angesehenen Fachbuches genießt, nur für Fachkräfte geeignet wäre. Der Inhalt von „Tempel und Teehaus in Japan“ ist zwar alles andere als unterkomplex, aber Blasers Texte sind dennoch verhältnismäßig leicht zu lesen. Seine Texte sind klar strukturiert und dadurch sehr übersichtlich, weswegen sie sich sicherlich auch gut als Grundlage für Hausarbeiten und weitere Studien in diesem Bereich eignen.

Blaser beschreibt den Geist der japanischen Architektur zumeist in einem direkten Vergleich zur westlichen Architektur. Dabei kommen auch die Lehren der Religion und Philosophie nicht zu kurz, die unmittelbar mit den Strukturen der Gebäude verbunden sind. Diese Lehren wiederum heben beispielsweise auch die tiefe Bedeutung des annähernd leeren Raumes für die traditionellen japanischen Meditationspraktiken hervor.

Teezeremonie
Ein Teemeister bei der Teezeremonie.

Auch Fans traditioneller japanischer Teezeremonien dürfte dieses Buch begeistern, denn die Fotografien fangen einige Räume ein, die extra für die Durchführung dieser Zeremonien konzipiert wurden. Außerdem erläutert Blaser in seinem Werk die Bedeutung der Raumgestaltung für die Teezeremonie.

Fazit

Strichzeichnung von Werner Blaser
Plan der Katsura Villa angefertigt von Werner Blaser

Blasers „Tempel und Teehaus in Japan“ lässt sich hinsichtlich seiner Wirkungskraft durchaus als ein Meilenstein innerhalb der Architektur- und Literaturgeschichte bezeichnen. Selten war ein Fachbuch so gehaltvoll und doch gleichzeitig so umgänglich in seinem Ausdruck.

Trotz seiner Fachgebundenheit ist es für eine breite Leserschaft geeignet, da es sowohl lehrreich als auch verhältnismäßig leicht zu lesen und zu verstehen ist. Es ist in jedem Fall eine Bereicherung für Kultur-, Architektur-, Fotografie-, Geschichts- sowie Japanfans im Allgemeinen. Und lasst euch von dem faszinierenden, wenn auch gleichsam eher abstrakten Cover nicht abschrecken. Es ist kein Verweis auf eine eventuelle Unnahbarkeit des Inhalts, vielmehr scheint es ein Hinweis auf die komplexen Konzeptionen hinter den Bauten zu sein, die nach den Maßstäben der klassischen japanischen Architektur geschaffen worden sind und das Moderne mit dem Alten vereinen.

Info

Cover Tempel und Teehaus in Japan
„Tempel und Teehaus in Japan“ Cover. Bild: Birkhäuser Verlag

Tempel und Teehaus in Japan
Verlag: Birkhäuser Verlag
Erscheinungsjahr: 2021
Autor: Werner Blaser
Zusatztexte: Christian W. Blaser; Inge Andritz; Tadao Ando
Seiten: ~172
Preis: 42,00 Euro
Sonstiges: Paperback; Softcover; Fotografien und Strichzeichnungen von Werner Blaser
ISBN-13: 978-3035623482
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Unsere Meinung

Preis
96 %
Coverdesign
98 %
Gesamteindruck
99 %

Fazit

„Tempel und Teehaus in Japan“ von Werner Blaser ist der Inbegriff eines guten Fachbuches. Gehaltvoll, anspruchsvoll, inspirierend, authentisch und prägnant formuliert. Er beschreibt tiefgreifend das Wesen klassisch japanischer Bauten und klärt über ihre Konzeptionshintergründe auf. Religion, Philosophie und Architektur laufen in einem Spiel aus alt und neu zusammen und verbinden so längst vergangene Geschichte mit der heutigen Moderne. Eine Muss für alle großen Kultur-, Architektur-, Fotografie-, Geschichts- sowie Japanfans im Allgemeinen.
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