Japanischer Holzschnitt ist eine beeindruckende Kunst und der Taschen Verlag hat mit Japanische Holzschnittwunder dieser Kunst einen ebenso beeindruckenden Platz gegeben.
Eigentlich müsste jeder, der sich ein wenig mit Japan beschäftigt schon einmal darüber gestolpert sein. Denn Holzschnitte sind eine alte und immer noch beliebte Kunstform.
Holzschnitt in Japan eine alte Kunstform
Japanischer Holzschnitt entwickelte sich gegen Ende des 8. Jahrhundert. Er kam aus China nach Japan und erlebte seinen Höhepunkt in der Zeit vom 17. bis 19. Jahrhundert. Zu Anfang fertigten buddhistische Klöster Holzschnitte als Motivbilder an.
Im 17. Jahrhundert änderte sich dies allerdings und die japanischen Holzschnittkünstler fingen an Illustrationen klassischer und volkstümlicher Literatur und freie Motive anzufertigen. Mitte des 18. Jahrhundert entwickelte sich der japanische Farbholzschnitt. Dazu zählt auch der bekannteste Holzschnitt „die große Welle“ von Kanagawa, die zu den 36 Ansichten des Berges Fuji (Fugaku sanjūrokkei) von Katsushika Hokusei gehören.

Das Buch Japanische Holzschnittwunder des Taschen Verlags widmet sich dieser Kunstform und erklärt diese bei vielen Japan-Fans bekannte, aber eher selten verstandene Kunstform.
200 japanische Holzschnitte von 89 Künstlern
Es präsentiert 200 japanische Holzschnitte und erklärt ihren historischen Kontext.
Geister, Dämonen und Menschenfresser sind häufige Motive und beeinflussen die japanische Popkultur bis heute. Im Buch werden sie dementsprechend erklärt. Aber auch Landschaften, Blumenkompositionen und Sumo-Ringer findet man in diesem Buch.
Japanische Holzschnittwunder geht mit 622 Seiten, davon 17 Seiten zum Aufklappen, auf 89 Künstler ein, die für das Buch weltweit zusammengetragen wurden. Die Zeit reicht von 1680 bis 1938.

Zu jedem Holzschnitt gibt es eine umfangreiche Beschreibung, die bis ins kleinste Detail erklärt, was man sieht und in welchem Kontext es steht. Der Autor Andreas Marks hat es allerdings geschafft, die Texte so zu verfassen, dass sie sich spannend lesen und man vieles lernt, das man vorher so nicht erwartet hätte.
Japanische Holzschnittwunder – ein Schwergewicht
Gepaart mit dem Format des Buches (29 x 39,5 cm) und einem stolzen Gewicht, hat Taschen hier ein eindrucksvolles Werk für eindrucksvolle Werke geschaffen.
Zwar ist der Preis von 150 Euro erst einmal für viele abschreckend, aber da dieses Buch für sich schon ein Kunstwerk ist und für die Fülle an Inhalt, lohnt es sich für jeden, der tief in die japanische Kultur eintauchen möchte.

Es gibt allerdings auch zwei Mankos, die mir beim Lesen aufgefallen sind: Da man dieses Buch als Schwergewicht bezeichnen kann, ist es schwierig zu lesen, da die Schrift etwas klein geraten ist. Zudem stellt sich mir die ganze Zeit die Frage: „Wo stelle ich das Buch nun hin?“
Mein Fazit:
Wer tiefer in die japanische Kultur eintauchen möchte, ist bei Japanische Holzschnittwunder von Taschen sehr gut aufgehoben. Dieses Buch alleine ist bereits ein Kunstwerk für sich, aber der Inhalt entführt in die japanische Holzschnitzkunst und lässt einen nicht mehr so schnell los. Die Erklärungen sind sehr gut geschrieben und man muss kein „Experte“ sein, um sie zu verstehen, auch die Bilder beeindrucken.
Insgesamt ein Werk, dass mich absolut begeistert hat und mich stundenlang in Anspruch nahm.
Über den Autor:
Andreas Marks studierte ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität Bonn und hat an der Universität Leiden mit einer Dissertation in Japanologie zu Schauspielerdrucken des 19. Jahrhunderts promoviert. Von 2008 bis 2013 war Marks Direktor und Chefkurator des Clark Center for Japanese Art im kalifornischen Hanford. Seit 2013 ist er bei Mary Griggs Burke Curator of Japanese and Korean Art, Leiter der Abteilung für japanische und koreanische Kunst sowie Direktor des Clark Center for Japanese Art am Minneapolis Institute of Art. (Quelle: Taschen)
Info

Japanische Holzschnittwunder
Verlag: Taschen
Autor: Andreas Marks
Drehbuch: Shōgo Yasukawa
Seiten: 622
Preis: 150 Euro
ISBN: 978-3-8365-6336-9
Webseite des Buches