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Japan erleben Das Japanische Neujahrsfest

Das Japanische Neujahrsfest

Das japanische Neujahrsfest ist ein Event, das am ehesten mit dem christlichen Weihnachten zu vergleichen ist. Familien finden sich zusammen, es wird viel gegessen und man verbringt einige entspannte Tage gemeinsam mit seinen Liebsten. Was man in Japan an den Neujahrstagen macht und welche Gebräuche damit verbunden sind, erzählen wir euch in den folgenden Abschnitten.

Die Neujahrszeit (お正月) spannt sich, wie der Advent bei uns, über mehrere Tage oder Wochen hinweg. Üblicherweise beginnt die Festivität am 01. Januar eines Jahres und endet am 07. Januar. In manchen Gegenden in Japan wird das Neujahr jedoch bis zum 15. oder 20. begangen. Die Zeit bis zum 07. bzw. 15. wird „Matsu no uchi“ (松の内) oder „Kadomatsu“ (門松) (zwischen den Kiefernbäumen) genannt, die Tage bis zum 20. tragen den Namen „Koshōgatsu“ (小正月) (kleines Neujahr). Unterschiede bezüglich des Ende des Neujahres haben einen geschichtlichen Grund: Ursprünglich war landesweit der 20. Tag des ersten Monats der letzte Tag des Neujahrs, da jedoch der Shōgun Tokugawa Iemitsu (徳川家光) vor mehreren hundert Jahren an jenem Tag verstarb, wurde dieser zum Trauertag erklärt. Da dieser Trauertag aber nicht von allen Landesteilen offiziell begangen wurde, verlegten nur manche Regionen ihr Neujahrsfest auf ein anderes Datum.

Traditionell nehmen sich die Japaner an den Tagen frei, um in Ihre Heimat zurück zu kehren. In konservativen Familien besuchen Ehepaare die Familie des Mannes. Da Frauen ursprünglich in die Linie des Mannes einheirateten und so nicht mehr Teil der Familie ihres Vaters waren, wurden diese aus dem Koseki (戸籍)(Familienregister) gestrichen. Deshalb war es lange weit verbreitete Praxis, dass Frauen das Neujahrsfest nicht mehr mit ihren Eltern verbringen konnten. In den letzten Jahrzehnten änderte sich dies jedoch dahingehend, dass viele Paare die Familien abwechselnd besuchen. Japanische Firmen sind in den Dezemberwochen immer sehr beschäftigt, da nicht nur das Wirtschaftsjahresende ansteht, sondern auch die Angestellten für mehrere Tage nicht erreichbar sind. Viele Unternehmen stehen deswegen über die Feiertage still.

Die religiösen Gebräuche der Neujahrszeit haben wenig mit ausgelassenen Feiern zu tun. Das Oshōgatsu genannte Neujahr wurde ursprünglich mit großem Ernst begangen. Die meisten Bräuche im Zusammenhang mit dem Neujahr gehen auf den Shintoismus zurück. Auch wenn die meisten Bräuche früher bereits ab dem 13. Dezember begonnen wurden, gilt heute meist der 28. Dezember als idealer Tag für die rituellen Maßnahmen der Neujahrszeit. Aus numerologischen Gründen gilt der 29. als unglückverheißend, so dass keine Neujahrsbräuche vorgenommen werden sollten. Die Neujahrsbräuche enden in der Regel am 7. Januar. Einen Überblick über einige der Vorstellungen und traditionellen Sitten dieser Zeit, die sich bis in das moderne Japan gehalten haben, möchten wir im Folgenden bieten.

Ursprung des Neujahrsfestes
Seit frühester Zeit besteht der Glaube, dass am Neujahrsmorgen der Gott des Neujahrs „Toshigami sama“ (年神様) (auch 歳徳神 “Toshitokujin“) in die Häuser der Familien kommt, um großes Glück zu bringen. Toshigami sama vereint viele positive Dinge in sich, so ist er ein Geist der Ahnen, Gott des Feldes und Gott der Berge. Er bringt Kindersegen, eine reiche Ernte, Gesundheit und Glück. Wenn man zu diesem Gott betet und ihm die Möglichkeit gibt in sein Haus einzukehren, so wird man besonders gesegnet. „Toshigami sama“ wird also wie ein besonderer Gast im eigenen Heim willkommen geheißen, worin Traditionen wie z.B. der Neujahrsputz ihren logischen Ursprung finden.

Bräuche vor Neujahr

Kadomatsu (門松) oder Matsu no Uchi (松の内): Ab dem 13. Dezember können die Neujahrsdekorationen aus drei Bambusschößlingen, Kiefer- und Pflaumenzweigen paarweise an der Tür angebracht werden. Auch bei der Aufstellung der Kadomatsu sollen die eingangs genannten numerologischen Vorschriften eingehalten werden. Die drei Materialen dieser Neujahrsdekoration – Bambus, Kiefer und Pflaume – stehen für Langlebigkeit, Wohlstand und Standhaftigkeit. Am 7. Januar wird die Neujahrsdekoration verbrannt und die daran gebundenen Geister entlassen. In einigen Gegenden erfolgt die Verbrennung erst am 19. Januar.

Shimekazari (しめ飾り): Während die Kadomatsu positive Eigenschaften für das neue Jahr bringen sollen, ist es die Aufgabe der seilförmigen Shimekazari, Unglück und böse Geister fernzuhalten. Dieses Amulett geht auf die Shimenawa genannten Seile aus Reisstroh zurück, die sich an vielen Shinto-Schreinen finden. Das Amulett wird ebenfalls bereits vor Neujahr angebracht.

Susuharai (煤払い) oder Osōji (お掃除) : Die Reinigung der Wohnung vom Schmutz des vergangenen Jahres ist das japanische Äquivalent zum Frühjahrsputz. Traditionellerweise werden auch neue Tatami-Matten verlegt und Schäden an der Papierbespannung von Shoji-Elementen repariert. Ursprünglich sollte mit dem Großreinemachen am 13. Dezember begonnen werden. Mittlerweile wird dies jedoch entspannter gesehen und die einzige Regel lautet, bis zum 28. Dezember fertig zu sein. Auch in Tempeln und Schreinen werden zeremonielle “Hausputze” durchgeführt, an denen man sich (teils erst nach einer Anmeldung) beteiligen kann.

Die Neujahrskarten (年賀状) (Nengajō): Das sind Postkarten, die in den Wochen davor an alle Bekannten, Verwandten und Freunde geschrieben werden. Mit dieser Karte drückt man dem Empfänger aus, dass man auch im kommenden Jahr weiterhin gerne mit ihm Kontakt haben möchte. Sie sind ein Zeichen des Respekts, das Vergessen einer Karte kann da schon einmal zu herben Enttäuschungen führen. Das Austragen der Nengajō ist jedes Jahr eine logistische Meisterleistung. Schon vor dem Neujahrstag werden diese auf der Post (郵便局) (Yūbinkyoku) vorsortiert. Am Neujahrsmorgen fahren dann die Postautos bereits ab 4 Uhr (in Tokyo manchmal schon ab 3 Uhr) morgens los, um bis pünktlich mittags um 14 Uhr alle Karten verteilt zu haben. Die Postboten werden oft bei ihrer Abfahrt von Kamerateams begleitet, die die Austräger als kleine Helden feiern.

Neujahrsessen

Osechiryōri (お節料理): Das traditionelle Neujahrsessen ist in Japan das Osechiriyōri (kurz auch „Osechi“), das, von Kindern meist verpönt, den Eltern ein bisschen Ruhe ermöglicht, da mehrmals davon gegessen wird. Osechi wird bereits mehrere Tage zuvor zubereitet. Um es besonders haltbar zu machen, wird viel Zucker, Mirin und Salz (Soyasauce) verwendet. Typischen Zutaten sind unter anderem: schwarze Sojabohnen (黒豆) „kuro mame“ (symbolisiert das gute Gelingen einer Aufgabe nach einem kurzen Weg des Leids „kurō“ (苦労) und gewissenhafter Arbeit („mame ni yaru マメにやる“), Meerbrasse (鯛) (die Lesung „tai“ steht für „medetai“ めでたい [glücksverheißend]) und Konbu (昆布) (Seetang, der mit dem Wort Freude (喜び) „Yorokobi“ in Verbindung steht). Jede einzelne Zutat steht für ein gutes Schicksal, das man gerne auch im neuen Jahr in sein Haus lassen möchte.

Kagami-Mochi (鏡餅): Die aufeinandergestapelten Kuchen aus gestampftem Klebereis mit der orangenartigen Daidai-Frucht an der Spitze sind ein klassisches Neujahrssymbol und werden mindestens seit dem 17. Jahrhundert aufgestellt. Der symbolische “Spiegel” aus Klebereis wird am 11. Januar mit einem hölzernen Mallet zerbrochen und gemeinsam gegessen. Die Mochi dürfen nicht vor dem besagten Tag verspeißt werden, da sie den Körper des Toshigama-sama darstellen und es sehr respektlos wäre, die Mochi zu essen während der Gott im eigenen Haus zu Gast ist. Dadurch könnte das neue Jahr aus Monaten des Unglücks bestehen. Reis und Reisprodukte wurden in Japan seit frühester Zeit mit Göttern in Verbindung gesetzt, weshalb auch ein Neujahrsbrauch mit dem Grundnahrungsmittel nicht ungewöhnlich ist. Reis an sich ist etwas sehr wertvolles und wurde früher auch als Zahlungsmittel verwendet. In der Form des „Mochi“ wird er seit der Yayoi-Zeit (弥生時代 )(500 bis 300 v. Chr.) besonders an Festtagen gegessen. Über die Gründe gibt es viele Spekulationen. Eine wahrscheinlicher Grund hängt mit der Zubereitung der Mochi zusammen. Diese ist nämlich sehr aufwändig und so ist es logisch, dass man diese nur an Festtagen oder bei Besuch auftischen konnte. Im Zusammenhang mit dieser Tradition wird jährlich über tödlich verlaufende Erstickungsfälle zum Neujahrsfest berichtet. Besonders ältere Leute verschlucken sich an den Mochi, weshalb auch auf allen Packungen eine entsprechende Warnung angebracht worden ist.

Toshikoshi Soba (年越し蕎麦): Kurz vor Mitternacht werden diese Buchweizennudeln gegessen. Die langen Nudeln sollen den Übergang vom alten zum neuen Jahr symbolisieren. Da sie aufgrund ihrer Konsistenz leicht brechen, stehen sie auch dafür, mit all den negativen Dingen des alten Jahres zu brechen und genüsslich das neue Jahr beginnen kann. In dem Namen „Soba“ versteckt sich auch ein kleines Wortspiel. „Soba“ heißt auch „neben“ und „in der Nähe“. Das bedeutet, dass man die Personen, mit denen man Soba isst, auch im kommenden Jahr an seiner Seite haben möchte. Wie man die Soba zubereitet, ist dem persönlichen Geschmack überlassen.

Brauch in der Neujahrsnacht:

Joya no Kane (除夜の鐘): Der bekannteste religiöse Brauch der Neujahrsnacht sind die 108 Glockenschläge, die an buddhistischen Tempeln im ganzen Land erfolgen und über Mitternacht hinaus das neue Jahr einläuten. Nach buddhistischer Vorstellung verfügt der Mensch über 108 Bonnō (煩悩), oder menschliche Schwächen. Nach japanischem Volksglauben reinigen diese Glockenschläge von den Verfehlungen des vergangenen Jahres.

Glaube und Gebräuche nach Neujahr

Hatsuyume (初夢): Der erste Traum des neuen Jahres soll Auskunft über den Verlauf des kommenden Jahres geben. Bereits seit der Edo-Zeit gelten Träume vom vom Berg Fuji, einem Falken und einer Aubergine als besonders glückverheißend. Da die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar aber vielfach durch den Tempelbesuch und feiern ohne Schlaf verbringt, gilt auch die Nacht vom 1. auf den 2. Februar als gültiger Neujahrstraum.

Hatsumode (初詣): Der erste Schreinbesuch des neuen Jahres, findet in der Regel am Neujahrstag statt. Die Besucher tragen dabei häufig traditionelle Tracht, so dass dies eine der seltenen Gelegenheiten ist, sowohl Damen als auch Herren in traditioneller Gewandung zu sehen.

Engimono (縁起物): Der Kauf von Schutzamuletten ist zu Neujahr ebenfalls üblich. Dabei geht es dann auch nicht nur um persönliche Glücksbringer, sondern die Amulette sollen in der Regel den ganzen Haushalt schützen.Typisch dafür sind Shinsatsu (神札) die meist aus beschriftetem Papier, Holz oder Metall bestehen und die Hamaya (破魔矢) genannten Schutzpfeile gegen böse Geister.

Dondo Yaki (どんど焼き): Um Platz für die Glücksbringer des neuen Jahres zu schaffen, gilt es nach Shinto-Glauben natürlich, die spirituellen Helfer des Vorjahres mit angemessenem Respekt zu entsorgen. Dafür werden große Neujahrsfeuer genutzt, in denen sowohl die Neujahrsdekorationen, als auch alte Glücksbringer verbrannt werden können. Dieser Brauch findet, je nach Region, am 15. oder 18. Januar statt. Die Verbrennung der als Glücksbringer beliebten Papiermaché-Figuren des indischen Mönches Daruma, findet im Rahmen des Daruma Goma (ダルマ護摩) an Tempeln im ganzen Land statt

Die Sumikai-Redaktion wünscht euch ein frohes und erfolgreiches Jahr des Affen! 明けましておめでとう!

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1 Kommentar

  1. Ein sehr, sehr schöner Artikel. Danke dafür.

    In Kyoto hat unser Hotel zum 31.12. “Nishin Soba” (Soba Nudeln mit getrocknetem Hering) als “Toshikoshi Soba” angeboten. Sehr, sehr lecker. 🙂
    Eine andere Neujahrstradition die mir auch gefallen hat, ist Hatsuhinode (初日の出). Dabei betrachtet man gemeinsam den ersten Sonnenaufgang des Jahres. Je nach Wohnort, geht man dazu vor Sonnenaufgang zu einem Aussichtspunkt mit guter Sicht in Richtung Osten. Für Leute, die am frühen Morgen noch nicht so weit/lange laufen wollen oder in den Großstädten wohnen gibt es auch eine Variante: einige Sehenswürdigkeiten wie der Tokyo Tower, Sky Tree oder Kyoto Tower öffnen am 1.1. schon eher. Die Eintrittskarten sollte man allerdings schon ein paar Tage vorher besorgen, da der Andrang entsprechend groß ist.

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