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Die Asiatische Riesenhornisse – so gefährlich wie ihr Ruf?

Wenn Asiatische Riesenhornisse schon gruselig klingt, wie wäre es dann mit Yak-killer? So nennen sie die Amerikaner. Der japanische Name Ōsuzumebachi (オオスズメバチ) bedeutet Große Spatzenbiene. Klingt doch schon netter. Aber was hat es denn nun auf sich mit diesem Killerspatzen?! Spatzenkiller?!

Ein beliebtes Prosieben Wissenmagazin hat sich letztes Jahr mit einem japanischen Hornissen-Experten auf die Jagd begeben und sogar Deutschlands namhafteste Boulevardzeitung hat sich mittlerweile eine Meinung gebildet. Keine Frage, die Asiatische Riesenhornisse ist längst auch bei uns bekannt. Kein Wunder, denn mit ihrer Größe von 4,5cm ist sie daumengroß und damit die größte Hornissenart der Welt. Und wenn ich ehrlich sein soll, ist das eine (viel zu) stattliche Größe für alles was mehr als zwei Beine hat und fliegen und dann auch noch stechen kann!

Die Riesenhornissen leben ähnlich wie Bienen in sozialen Systemen organisiert und bauen große Nester. Pro Nest gibt es eine Königin, sie wird sogar noch größer als das „gemeine Fußvolk“, aber verlässt zum Glück auch seltener das Nest.

Wo tauchen Asiatische Riesenhornissen auf?

Das Verbreitungsgebiet der Vespa mandarinia ist Ost- und Südasien. Die Ōsuzumebachi bevorzugen ländliche Regionen, da sie ihre Nester in Löchern unter der Erdoberfläche bauen. In Ausnahmefällen nisten sie auch über der Erde, maximal in einer Höhe von ein bis zwei Metern. Die leckeren Abfälle locken sie aber auch zunehmend an die Ränder der Städte. Sogar in Randbezirken Tokyos wurden schon Riesenhornissen gesichtet.

Für wen sind die Riesenhornissen gefährlich?

Sehr gefährlich sind Ōsuzumebachi für Käfer, Bienen und kleinere Hornissenarten. Ein Merkmal der Riesenhornissen sind die sehr stark ausgeprägten Mundwerkzeuge, mit denen sie auch feste Insektenpanzer durchdringen können. Käfer sind deshalb das Leibgericht der Riesenhornissen und füllen 60 bis 70% ihres Speiseplans. Wenn der natürliche Käferreichtum gegen Herbst allerdings abnimmt, machen sich die Riesenhornissen daran, eine neue Nahrungsquelle zu finden und greifen Nester von Bienen und kleineren Hornissenarten an. Dabei werden sie ihrem Ruf als Killer ziemlich gerecht. Hat eine Riesenhornisse ein passendes Nest gefunden, hinterlässt sie eine Duftmarkierung und kommt mit Verstärkung zurück. Zusammen können Ōsuzumebachi ein Bienennest in wenigen Minuten auslöschen, indem sie alle Bienen nach und nach töten. So erräubern sie sich köstlichen Honig und nahrhafte Bienenlarven für sich und ihren Nachwuchs.

Europäische Honigbienen wären solchen Angriffen schutzlos ausgeliefert. Anders die Japanischen Honigbienen. Sie haben eine erstaunliche Abwehrstrategie entwickelt. In Japan erkennen die Bienen, wenn eine Kundschafter-Riesennhornisse ihr Nest markiert. Sie können das Sekret riechen und blitzschnell handeln. Über eine bestimmte Bewegung koordinieren sie einen gleichzeitigen Angriff auf die Riesenhornisse. Dieser sieht aber ganz anders aus, als man es sich vielleicht vorstellt:

In der Hitzekugel der japanischen Honigbiene wird es über 46 Grad heiß – zu viel für Riesenhornissen. by Takahashi via wikimedia commons

Hunderte von Bienen bilden eine große Kugel rund um die Riesenhornisse und umschließen sie völlig. Dann erzeugen sie durch Muskelkontraktion eine große Hitze im Inneren. Diese Hitzekugel erreicht mindestens 46 Grad, denn das überlebt die Riesenhornisse nicht. Bienen sind was das angeht zäher und können Temperaturen bis zu 50 Grad trotzen. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Taktik nur funktioniert, wenn nur ein- oder zwei Ōsuzumebachi ein Bienennest ausfindig machen. Um ihre Kolonien vor größeren Angriffen zu schützen, stellen japanische Imker daher im Spätsommer Hornissenfallen auf.

Kommen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt: Was haben wir Menschen von den Asiatischen Riesenhornissen zu befürchten? Davon abgesehen, dass sie es auf unsere süßen puscheligen Honiglieferanten abgesehen haben, geht natürlich auch eine direkte Gefahr von ihnen aus. Sie ist aber lange nicht so groß, wie die vielen Horrorberichte es erscheinen lassen. Die meisten Gestochenen spüren nur einen sofortigen blitzartigen Schmerz. Er soll furchtbar sein, verfliegt aber nach einigen Minuten. Zur Einordnung: Nach dem Schmidt-Sting-Pain-index liegt der Stich der Ōsuzumebachi „nur“ im Mittelfeld, weit abgeschlagen hinter tropischen Ameisenarten. Der Stich schwillt wie ein Stich unserer heimischen Wespe stark an und ist heiß. In sehr seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Diese reichen von Schwellungen an anderen Stellen als der Einstichstelle über Gewebeauflösung an der Einstichstelle bis hin zum anaphylaktischen Schock, der allergischen Reaktion des gesamten Körpers. Die bekannten Todesfälle durch Stiche der Riesenhornisse sind entweder auf diese Reaktionen oder auf eine große Menge des injizierten Giftes zurückzuführen. Um solche großen Mengen aufzunehmen, müsste man mindestens sechzig Mal gestochen werden. In fast allen Fällen kann eine Behandlung im Krankenhaus das schlimmste abwenden. Ab dreißig Stichen sollte ohnehin unbedingt ein Notarzt gerufen werden! Die Riesenhornisse ist also auch für uns gefährlich, doch alles in allem sterben jährlich mehr Menschen an einer Penicillinallergie, als an Stichen der Ōsuzumebachi.

Was aber tun, um der Gefahr zu entkommen?

Schädlingsbekämpfer empfehlen sich Nestern keinesfalls zu nähern, im Ernstfall ruhig zu bleiben, sich nicht hektisch und am besten gar nicht zu bewegen, die Hornissen erkennen dann kein Lebewesen in uns. Wer instinktiv weg läuft, kommt aber häufig auch unversehrt davon, wenn die Tiere nicht besonders aggressiv sind. Auf jeden Fall ist es eine gute Idee, alle potentiell bedrohlich wirkenden Bewegungen zu vermeiden und den Kopf so gut wie möglich zu schützen. Für Allergiker gibt es ein Sting-Kit, das unter anderem Adrenalin enthält, um eine allergische Reaktion aufzuhalten.

Solltet ihr einmal ein Nest entdecken, dann könntet ihr zum Beispiel die landesweit operierenden Hachibusters („Bienenbusters“, großartig nicht?) zu Hilfe rufen. In Japan ist es verboten Nester selbst zu vernichten und kann mit hohen Geldstrafen belegt werden.

Aber wer wöllte schon selbst ein Nest vernichten, es sei denn vielleicht mit einem Flammenwerfer oder noch stärkeren Waffen?

Also keine Panik und einen schönen riesenhornissenfreien Sommer!

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