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Die Japanische Teezeremonie

Mittlerweile kann man sie auch hier in Deutschland erleben: Teezeremonien. Doch was macht eine echte japanische Teezeremonie aus? Welche Abläufe und Regeln müssen von Gästen und Gastgeber beachtet werden?

Bedeutung:
Die Regeln der Teezeremonie, japanisch „Chanoyu“ oder „Chado“, die zunächst nur das Verhalten in und um das Teehaus sowie die korrekte und harmonisch-fließende Durchführung der rituellen Teezubereitung und das Reglement für das Teetrinken der Gäste betreffen, sollen auf das gesamte Alltagsverhalten des Menschen ausstrahlen. Das Ziel ist es, sein ganzes Leben nach den vier Prinzipien des Teewegs; Harmonie, Respekt, Reinheit und Stille; auszurichten. Harmonie betrifft das Miteinander der Menschen unter sich und mit der Natur um sich herum. Dies wird während der Zeremonie symbolisiert durch die Zusammenstellung der Teeutensilien und die typischerweise im Raum platzierten Blumengestecke.

Der Respekt bezieht sich sowohl auf die anderen Gäste und den Gastgeber, als auch auf die Teeutensilien selbst. Es handelt sich also auch um eine gewisse Form der Wertschätzung. Reinheit ist das zentrale Element der Zeremonie, bei dem es vor allem um eine innere, eine spirituelle Reinigung des Geistes geht. Dies spiegelt sich in verschiedenen Säuberungsritualen wieder.

Mit Stille ist nicht gemeint zu Schweigen, sondern innerlich zur Ruhe zu kommen und sich gemeinsam mit den anderen Gästen vom Stress des Alltags zu befreien. Nach jahrelanger Übung und Wiederholung soll es dem Menschen dann möglich sein, ein „Teemensch“ (chajin) zu werden.

Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er gelernt hat, sich selbst zurückzunehmen, das Wohl der anderen zu fördern, seinen Mitmenschen mit Respekt und Achtsamkeit zu begegnen, und dass er sich in seiner eigenen Lebensführung der Schlichtheit und Genügsamkeit verschrieben hat.

Schulen:
Viele Schulen in Japan beschäftigen sich mit dem Beschreiten des Teeweges. Die drei bekanntesten sind die Sansenke-Schulen, deren Gründer Nachfahren des berühmten Sen no Rikyu, einer bedeutenden Person der japanischen Sengoku-Zeit mit wesentlichem Einfluss auf die Entwicklung der Teezeremonie, waren. Doch obwohl alle drei zusammen gehören, gibt es ein paar kleine Unterschiede in der Durchführung der Teezeremonie. Auch beziehen sich ihre Namen auf den jeweiligen Standort.

Die größte der Schulen ist die Urasenke- Schule. Ihr Name bedeutet „Haus des Sen an der hinteren Straße“. Sie ist bekannt dafür, dass sie nur Löffel aus hellem Bambus verwendet, um zu symbolisieren, dass sie nur die edelsten Utensilien verwendet. Des weiteren wird der Matchatee an dieser Schule während des Rituals komplett schaumig geschlagen.
Die zweitgrößte ist die Omotesenke-Schule. Ihr Name bedeutet „Haus des Sen an der Hauptstraße“. Sie verwendet dunklen Bambus und einfachere Utensilien um ihre Schlichtheit zu betonen. Außerdem wird hier der Tee nur zu einem Teil schaumig geschlagen. In der Mitte der Tasse wird der sogenannte „See“ freigelassen.

Die letzte und kleinste ist die Mushanokojisenke-Schule. Übersetzt bedeutet das „Haus des Sen an der Musha no Koji Straße“.

Vorbereitung:
Bevor eine Teezeremonie überhaupt stattfinden kann, hat der Gastgeber, der „Teishu“, einiges zu tun. Zuerst müssen Einladungen an die Gäste versendet werden. Außerdem muss der Garten um das Teehaus gesäubert, die Teeutensilien herausgesucht und der Teeraum selbst gereinigt werden. Hierbei werden sogar das Shoji-Papier an den Schiebetüren und alte Tatami-Matten ausgetauscht. Wichtig ist auch vorher ein Treffen mit dem Hauptgast, dem „Shoukyaku“, und dem Helfer, dem „Hantou“ zu vereinbaren, um alle Details der Veranstaltung zu besprechen. Die Speisen für das sogenannte „Kaiseki“ sollten einen Tag vorher oder am frühen Morgen vorbereitet werden. Des weiteren muss der Gastgeber sicher gehen, dass er so gut wie möglich auf unvorhersehbare Ereignisse jeglicher Art vorbereitet ist.

Ablauf:
Die Teezeremonien variieren in ihrem Ablauf je nach Schule, Jahreszeit, Uhrzeit und Grund des Rituals. Allerdings haben alle ein ähnliches Grundprinzip, was hier einmal grob am Beispiel der Hakobi-Temae erläutert werden soll. Hakobi bedeutet ‚etwas tragen‘, während Temae die Vorbereitung des Tees während einer japanischen Teezeremonie beschreibt. Dies ist die einfachste Form dieses Rituals.

Der erste Teil der Teezeremonie beginnt bereits, bevor man überhaupt das Teehaus betreten hat. Der Weg durch den Garten, dem „Roji“, dient schon als „erste Stufe der Erleuchtung“. Die Person, die dort wandelt, soll durch ihn vom Alltag weg geführt werden. Ist man nun am Haus angekommen, erfolgt die Begrüßung durch den Gastgeber oder den Helfer mit heißen Wasser. Danach wird man gebeten, sich zurück in den Garten auf eine Wartebank am Weg, die „Machiai“, zu begeben, welche meist als kleiner Pavillon ausgestaltet ist.

Das dort vorhandene Steinbecken wird nun mit frischem Wasser aufgefüllt und eine Kelle bereit gelegt. Mit diesem Wasser sollen sich die Gäste Hände und Mund abwaschen, um symbolisch alles Böse, was gesagt und getan worden ist, abzuwaschen. Dies ist die erste symbolische Reinigung innerhalb des Rituals. Danach wird die Tür zum eigentlichen Teeraum geöffnet.

Blick auf den Roji des Adachi-Kunstmuseums in Yasugi.
Blick auf den Roji des Adachi-Kunstmuseums in Yasugi. © By Bjoernord – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25990048, via Wikimedia Commons

Auch dieser Vorgang verläuft nach bestimmten Regeln.
Der Teemeister kniet im Inneren des Raumes vor der Tür, welche den Kriechgang verschließt. Diese lässt sich zumeist nach links öffnen. Mit der linken Hand stößt er die Tür nun um ca. ⅔ auf. Das letzte Stück wird mit der rechten Hand aufgeschoben. Jetzt ist der Weg frei, damit die Gäste den Teeraum betreten können.

Das Passieren des Kriechgangs ist ein Symbol von Demut und Respekt. An dieser Stelle sollen alle Unterschiede zwischen den Menschen abgelegt werden.

Im Inneren bekommen die Gäste nun verschiedene leichte Speisen gereicht. Dieses Vorgang bezeichnet man als „Kaiseki“. Hierbei handelt es sich meist um Süßigkeiten, welche dem bitteren Geschmack des Tees entgegen wirken sollen. Diese nimmt der Hauptgast mit einer stummen Verbeugung an.

Zu diesem Zeitpunkt legt der Teemeister im Beisein der Gäste die Kohle für den Tee auf und bittet sie danach zurück in den Warteraum. Im Winter erfolgt das Auflegen der Kohle allerdings bereits vor dem Eintreffen der Gäste, um den Raum genügend aufzuheizen.

Das fünfmalige Ertönen eines Gongs verkündet nun den Beginn des Kernrituals der Teezeremonie, woraufhin sich alle Gäste zurück in den Teeraum begeben.
Der letzte schließt die Tür mit einem Geräusch. Dies ist das Zeichen für den Teemeister um anzufangen.

Als nächstes werden die Teeutensilien in einer festgelegten Reihenfolge und mit bestimmten Regeln hereingetragen. Zu erst wird der „Mizusachi“, ein Behälter für kaltes Wasser, geholt. Dabei wird der Beginn der Vorbereitungen für den Tee angekündigt. Danach werden die „Chawan“, die Teetasse, in der linken Hand und die „Natsume“, die Teedose, in der rechten Hand herein getragen. In der Tasse liegen ein Hanftuch zum Säubern, das „Fukin“, ein Teelöffel, der „Chashaku“, und ein Teebesen aus Bambus, der „Chasen“. Zum Schluss kommt der „Kensui“,ein Behälter für benutztes Wasser, welcher mit der linken Hand transportiert wird. In ihm befinden sich eine lange Kelle, die „Hishaku“, und eine Ablage für diese, die „Futa-oki“. Sobald alle Utensilien im Raum sind und an ihrem vorgesehenen Platz stehen, erfolgt eine gegenseitige, stille Verbeugung zwischen Gästen und Teemeister. Danach ordnet der Teemeister in Ruhe seine Kleider und beginnt mit der symbolischen Reinigung der Utensilien.

Traditionelle Utensilien für die Teezeremonie
Traditionelle Utensilien für die Teezeremonie © Rainer Halama (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Als erstes wird die Teedose gesäubert. Dafür wird nun die Teetasse mit der rechten Hand aufgehoben, in die linke Hand gelegt und mit der rechten Hand wieder vor den Knien des Teemeisters abgelegt.

Hierbei ist zu beachten, dass zwischen den Knien und der Tasse noch genügend Platz für die Teedose bleibt. Die Teedose selbst wird nun auch mit rechts aufgehoben und dort abgestellt. Danach wird das „Fukusa“, ein Seidentuch in ihrem Inneren, heraus genommen und gefaltet. Daraufhin wird die Teedose mit links angehoben und mit diesem Tuch gereinigt.

Als nächstes folgt die Reinigung des Teelöffels. Das Seidentuch befindet sich noch immer in der rechten Hand des Teemeisters und wird neu gefaltet. Nach dem Falten wird es in die linke Hand gelegt und der Löffel mit rechts aufgenommen. Danach wird der Löffel auf das Tuch in der linken Hand gelegt, von allen Seiten abgewischt und auf der Teedose abgelegt. Nun wird der Teebesen aus der Tasse gehoben und neben die Dose gelegt. Das Seidentuch wird vom Teemeister auf dem Boden hinter sich platziert oder an seiner Kleidung befestigt. Mit der rechten Hand zieht er die Tasse näher an sich heran.

Jetzt wird die Kelle mit der linken Hand angehoben und auf Brusthöhe gehalten. Daraufhin wird das Kesselbett, das „Futa“, aus dem Kessel, dem „Kama“, herausgenommen und auf der Ablage platziert. Danach wird das Hanftuch aus der Tasse genommen und auf dem Kesselbett abgelegt. Nun nimmt der Teemeister die Kelle in die rechte Hand und gießt heißes Wasser in die Tasse. Die Kelle legt er in den Kessel.

Die Tasse mit dem heißen Wasser wird jetzt zum Reinigen des Teebesens genutzt. Sie wird mit der linken Hand angehoben, während der Teebesen bestimmte Muster in das Wasser zeichnet. Nach der Reinigung wird er wieder neben die Dose gelegt. Das benutze Wasser landet im Schmutzwassertopf. Da nun alle Reinigunsrituale abgeschlossen sind, kann die eigentliche Zubereitung des Tees erfolgen.

Zuerst wird die Tasse über den Kohlen erhitzt. Danach werden 1½ Löffel Matchatee in die Tasse gegeben. Hierbei ist es wichtig, dass der Bambuslöffel am Rand der Tasse gut abgeklopft wird, damit auch wirklich alles Pulver im Inneren landet.
Nun werden ca. 1½ Kellen Wasser hinzugefügt.
Wasser, welches zu viel ist, wird zurück in den Kessel gegeben, dann wird der Tee mit dem Teebesen schaumig geschlagen.

Ist der Matcha fertig, wird die Tasse ein Stück vor dem Hauptgast abgestellt. Dieser läuft oder kriecht nun vorwärts, um sich die Tasse an seinen Platz zu holen. Ist er dort angekommen, entschuldigt er sich dafür vor allen anderen Gästen zu trinken und nimmt ungefähr 3 Schlucke unter hörbarem Schlürfen zu sich.

Wichtig ist nun, genug Tee für die anderen Gäste in der Tasse zu lassen. Für gewöhnlich sind das zwei weitere Personen. Bevor die Tasse jedoch übergeben wird, wischt der Hauptgast den Rand der Tasse vorsichtig ab. Währenddessen kann es unter den Gästen zu einer leichten Unterhaltung kommen, die allerdings keine Themen aus dem Alltag beinhalten darf.

Früher wurde das Gespräch von einer ausgebildeten Geisha geleitet, welche sich besonders auf den Gebieten Kunst und Kultur sehr gut auskannte. Außerdem wird es als besondere Höflichkeit angesehen, wenn die Gäste die Schönheit der Teeutensilien loben. Besonders das Porzellan wird meist über mehrere Generationen genutzt.

Ist die Tasse leer, stellt der Hauptgast sie an exakt der selben Stelle ab, an welcher der Teemeister sie vorher platziert hatte. Dieser nimmt die Tasse wieder auf, reinigt sie mit Wasser und trocknet sie mit dem Hanftuch. Währenddessen hat der Hauptgast Zeit, alle anderen Gäste zu fragen, ob sie genug Tee hatten. Ist dies nicht der Fall, wird der Teemeister weiter Tee zubereiten. Sollten jedoch alle zufrieden sein, fordert der Hauptgast den Gastgeber auf, die Teezeremonie zu beenden. Dieser verbeugt sich leicht während des Reinigens, um zu zeigen, dass der Wunsch respektiert wird.

Sobald die Tasse fertig gereinigt ist, folgt eine vollständige Verbeugung vor allen Gästen und die Ankündigung, dass die Teezeremonie nun beendet wird. Nun folgt auch die Reinigung von Löffel und Teebesen. Des weiteren wird neues Wasser in den Kessel gefüllt und dieser geschlossen. Abschließend werden alle Utensilien in umgekehrter Reihenfolge weggeräumt.

Chasen und Matchatee © By Christopher Michel - Samovar Tea House, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24809991, via Wikimedia Commons
Chasen und Matchatee © By Christopher Michel – Samovar Tea House, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24809991, via Wikimedia Commons

Quellen:  japanese-tea-ceremony, Wikipedia

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2 Kommentare

  1. Darf ich fragen, an welcher Schule sich die Autorin orientiert? Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen „dickem Tee“ („Koi-cha“) und „dünnem Tee“ („Usu-cha“). Nach de Tradition der Urasenke ist es bei Koi-cha ist es in der Tat so, dass mehrere Gäste aus derselben Schale trinken. Koi-cha ist aber dickflüssig, und wird nicht schaumig geschlagen. Vor Koi-cha wird bei einer formellen Teezusammenkunft zunächst eine leichte „Kaiseki“-Mahlzeit serviert; diese ist herzhaft. Danach werden „Omo-gashi“ (Hauptsüßigkeiten) serviert, und im Anschluss der „dicke Tee“ getrunken. Danach dann folgt der „dünne Tee“, vor dem einfachere, trockene Süßigkeiten serviert werden. Der Usu-cha wird für jeden Gast in einer einzelnen Schale zubereitet, d.h. jeder Gast trinkt den Inhalt seiner Schale aus und gibt sie dann dem Gastgeber zurück (vereinfacht gesagt).

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