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Japan erleben Die Monster, die wir riefen: Yama-uba und Oni-baba

Die Monster, die wir riefen: Yama-uba und Oni-baba

Heute berichten wir euch von zwei Wesen der japanischen Mythologie, die den europäischen Hexen ähneln: Die oft ungefährliche Yama-uba (Berghexe) und die grässliche Oni-baba (Dämonische Alte). Ganz in Hänsel und Gretel-Manier gehören kleine Kinder nicht selten zu ihrer Leibspeise.

Ob es sich bei der Yama-uba und Oni-baba um dieselbe Art von japanischen Monstern (yōkai) handelt, ist umstritten. Die Namen werden oft synonym gebraucht und die beiden Hexen ähneln sich tatsächlich in Aussehen und Verhalten. An der jeweiligen Gestalt hängen aber andere Geschichten und Überlieferungen, wie ihr sehen werdet.

Ihre Namen

Der Name Yama-uba (山姥), auch Yamamba oder Yamanba, bedeutet übersetzt „Berghexe“ oder „die Alte in den Bergen“. Je nach ihrer Erscheinungsform ist sie regional auch als Yama-hime (Bergprinzessin), Yama-haha (Bergmutter) oder Kawa-joro (Flussdame) bekannt. Die Namenswahl impliziert, dass es sich bei dieser Gestalt nicht immer um eine gefährliche Kreatur handelt. Der Name Oni-baba (鬼婆), der „Dämonische Alte“ oder „Alte Dämonin“ bedeutet, entspricht in den meisten Fällen dem bösartigen Wesen, das den Hexen aus den grimm’schen Märchen ähnelt.

Ihr Aussehen

Yama-uba Oni-baba
Yamauba “Ouni” von Toriyama Sekien © Wikimedia Commons

Da die Yama-uba und Oni-baba zu den Kijo (鬼女), den Dämoninnen oder Hexen, gehören und die alten und mächtigsten Kijo sind, gleicht sich ihr Aussehen:

Sie sind oft den Menschen ähnlich, aber werden als besonders wild und Furcht einflößend beschrieben. Ihr Haar ist zumeist lang und wirr, ihre Kleidung zerschlissen und alt. Sie haben oft garstige Augen und einen übermenschlich großen Mund mit hässlichen Zähnen. Ihre Hände und Füße ähneln Klauen und Pranken.
Viele Yama-uba und Oni-baba können ihre wahre Gestalt verbergen und erscheinen als harmlose, schwächliche Greisinnen, die sich ihren Opfern freundlich und hilfesuchend offenbaren. Außerdem können einige Yama-uba als schöne junge Frauen erscheinen.

Ihr Lebensraum

Als alte Kijo leben sie ebenso in ländlichen Gebieten Japans. Zumeist sind sie in den Bergen oder dichten Wäldern und Sümpfen anzutreffen und hausen in alten Hütten oder Höhlen. Einige Yama-uba und Oni-baba leben in der Nähe von Dörfern und schleichen sich des Nachts in die Siedlungen, um Essbares – unter anderem auch Kinder – zu stehlen.

Ihre Ursprünge

Als eine Art von Kijo waren viele Yama-uba und Oni-baba einst menschliche Frauen, die in jungen Jahren in die Wildnis flüchteten, weil sie schlechte Taten begangen haben. Über viele Jahre allein in den Wäldern und Bergen, ihrer eigenen Verbitterung ausgesetzt, verwandeln sich die Frauen in Kijo (Hexen, Dämoninnen) und werden in hohem Alter zu Yama-uba oder Oni-baba.

Viele dieser Frauen haben eine tragische Geschichte durchlebt und hegen auch in ihrer Form als Yōkai keine bösen Absichten. Dies sind meist Yama-uba, während die Oni-baba eher ein bösartiges und rachsüchtiges Naturell an den Tag legen.

Ein weiterer, trauriger Grund für die Entstehung dieser beiden Hexen-Arten ist der Ritus des Obasute. In früheren Zeiten war es für große Familien oft nicht mehr möglich, die Großeltern, die selbst nichts mehr zum Wohle der Familie beitragen konnten, mit zu ernähren. So wurden viele ältere Menschen in der Wildnis ausgesetzt oder von einem Abhang geworfen. Diese armen Seelen konnten sich dann in eine Yama-uba oder eine bösartige Oni-baba verwandeln.

Die Oni-baba von Adachigahara

Onibaba
Die Oni-baba von Adachigahara mit ihrem Opfer © Wikimedia Commons

Eine wohlhabende Familie in Kyoto hatte eine fünfjährige Tochter, die stumm war. Die Familie wusste sich nach vielen Arztbesuchen keinen Rat mehr, bis ein Medium ihnen die Lösung des Problems verriert: Die Tochter müsse die Leber eines ungeborenen Kindes essen, dann würde sie sprechen können. Da die Mutter selbst diese Gräueltat nicht übers Herz brachte, beauftragte sie die Amme ihrer Tochter mit der Aufgabe, eine schwangere Frau zu finden, die die Leber ihres ungeborenen Kindes zu opfern bereit wäre.

Die Amme willigte dieser Aufgabe schweren Herzens zu und verabschiedete sich von ihrer eigenen kleinen Tochter, die sie für unbestimmte Zeit zurücklassen musste. Ihrem Kind schenkte sie einen Talisman als Abschied. Lange streifte die Amme umher auf der Suche nach einer schwangeren Frau, bis sie in Adachigahara ankam und sich erschöpft und mutlos dort in einer Höhle niederließ. Sie entschloss sich dazu, abzuwarten.

Nach vielen Jahren in der Höhle war die Amme alt und grau geworden. Die Menschen in den nächst gelegenen Dörfern fürchteten diese merkwürdige Alte und trauten ihr nicht über den Weg. Eines Tages kam eine schwangere Reisende an der Höhle vorbei. Die Amme nutzte die Gelegenheit, lockte die junge Frau zu sich herein und tötete sie in der Nacht.

Sie riss das Kind aus dem Leibe der Frau, und die Leber aus dem Leibe des Kindes. Plötzlich entdeckte sie einen ihr bekannten Talisman an der Kleidung der Frau: Sie hatte ihre eigene Tochter und ihr Enkelkind getötet. Durch diese Tat wurde die Amme wahnsinnig und verwandelte sich in die Oni-baba von Adachigahara. Fortan tötete sie jeden Menschen, der bei ihr Zuflucht suchte, und fraß sie mit Haut und Haar.

Weitere Geschichten von bösen Yama-uba

Eine weitere Geschichte wird im Nô-Theaterstück Kurozuka erzählt: Zwei reisende Priester werden von einer alten Dame in ihrer Waldhütte vor der hereinbrechenden Nacht gerettet. Sie warnte jedoch, dass niemand von ihnen in die Privaträume der Frau hineingehen dürfe. Als sie kurz fort war, schaute einer der Priester nach und erblickte menschliche Skelette und verfaulende Leichen, sowie einen riesigen Kochtopf auf dem Feuer. Als die Frau des Nachts wiederkommt und ihr Geheimnis gelüftet fürchtet, verwandelt sie sich in ihre grässliche Form und versucht, die Mönche zu fangen. Diese retten sich in letzter Minute durch ihre Gebete und schlagen die Hexe in die Flucht.
Eine kurze Erzählung beschreibt ein Treffen eines tugendhaften Reisenden mit einer Yama-uba. Das ausgemergelte Wesen nimmt die Verfolgung des Reisenden auf. Er rennt um sein Leben, und gerade als er die Klauen der Yama-uba an seinem Nacken spürte, erschien eine Leiter vom Himmel. Sofort ergreift er diese Chance und klettert hinauf in Sicherheit. Die Yama-uba steigt ebenfalls auf die Leiter, doch unterhalb des Reisenden reissen die Stricke und die Yama-uba stürzt in ihren Tod.
In Shizuoka gibt es den Aberglauben, dass die Geräusche, die der Wind aus den Bergen in die Dörfer trägt, die Schreie und die Flüche der Yama-uba seien.
Es gibt auch Berghexen, die sich als eine „Yama-hime“ (Bergprinzessin) zeigen. In dieser Form sind sie wunderschöne, junge Mädchen, die sich Reisenden an Flüssen oder anderen Quellen zeigen. Sie waschen ihr bezauberndes Haar und locken die Reisenden zu sich, ehe sie sich wieder in ihrer garstigen Gestalt zeigen und ihr Opfer verschlingen.

Die guten Seiten der Yama-uba

Yama-uba
Yamauba mit einem Kind, von Kitagawa Utamaro © Wikimedia Commons

Neben diesen grauenhaften Überlieferungen wird gerade von der Yama-uba auch als Yama-haha (Bergmutter) gesprochen. Zusammen mit einem Kind und ihrem Mann, dem Yama-jiji (Alter aus den Bergen), der auch Yama-chichi (Bergvater) genannt wird, lebt sie abgeschieden in den Bergen und wird nur selten in nebligen Morgenstunden gesehen. Wenn jemand auf sie trifft, ist sie stets hilfsbereit. Nicht selten hilft sie jungen Müttern beim Nähren ihrer Kinder, indem sie diese selbst stillt.

In Kagawa ist die Yama-uba als Kawajoro bekannt, die bei jeder Flut an den Flüssen sitzt und beklagt, dass ihr Haus bald überschwemmt werde. Sie ist hier eine Vorbotin dieses gefährlichen Wetterphänomens.

Die Yama-uba wird in einigen Region als „Bergfee“ bezeichnet. Sie sei diejenige, die den Schnee im Winter und die Blüte im Frühling bringt. In Aichi gilt die Yama-uba zudem als Glücksbringerin und Schutzgottheit.

Quellen: Wikipedia, The night parade of one hundred demons

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