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Ein vergangenes, doch niemals vergessenes Königreich

Die Präfektur Okinawa – die Inseln des alten Ryukyu Königreich

Die Präfektur Okinawa ist die südlichste aller Präfekturen des Landes. Insgesamt besteht die Inselgruppe aus 160 Inseln, von denen einige bewohnt, andere wiederum als unbewohnte Inseln gelten. Neben der Lage, die der Region ein tropisches Klima verleiht, ist es vor allem auch die Geschichte des Ryukyu Königreich, weswegen Okinawa als besonders und für manche auch als so ganz und gar nicht japanisch gilt.

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Die gleichnamige Hauptinsel weit südlich des japanischen Festlands ist nur eine von mehr als 160 Inseln, aus denen die Präfektur Okinawa besteht – ein Archipel, das sich wie eine Perlenkette in Richtung des Nachbarn Taiwan erstreckt. Viele der Inseln sind unbewohnt und bestehen nur aus unberührtem weißem Sand, der von azurblauem Meer umspült wird, während andere mit Luxusresorts am Ufer von beinahe unberührten Tauchplätzen übersät sind. Wieder andere, wie die weit abgelegenen Yaeyama-Inseln, sind dicht mit Dschungel, üppigen Mangrovensümpfen, Flüssen und Wasserfällen überzogen.

Ein Paradies für Taucher, auch im Winter

Während der Rest Japans im Winter friert, kann es hier in den kälteren Monaten immer noch tropische 20 °C erreichen. Auch die Wassertemperaturen sind gleichermaßen angenehm, und die Sicht im Wasser ist kristallklar. Ungeachtet der Nebensaison – ist es möglich, eine Schnorchelausrüstung zu mieten und Tauchreiseveranstalter zu finden, die einem bei gutem Wetter mit aufs Meer nehmen.

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Dank seiner turbulenten Geschichte ist Okinawa ein wahrer Schmelztiegel der Kulturen und der Kochkunst. Aufgrund des lokalen chinesischen Einflusses trifft man auf der Speisekarte seltener auf Sushi und dafür häufiger auf Schweinefleisch. Außerdem gibt es Soba-Nudeln, die aus Weizen und nicht wie üblich aus Buchweizen hergestellt werden, und Taco-Reis, den man den Amerikanern verdankt. Diese Region zeichnet sich zudem durch eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung aus, und man sagt, dass die Ernährung mit Tofu, Seetang und Süßkartoffeln zur Langlebigkeit der Einheimischen beiträgt.

Katze Okinawa Susann Schuster, Unsplash
Auch Katzen lassen es auf Okinawa gern mal ein wenig ruhiger angehen. Foto Susann Schuster, Unsplash
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Im Jahr 2018 wurde der Iriomote-Ishigaki-Nationalpark auf den Yaeyama-Inseln zum International Dark Sky Park ernannt. Das Gebiet ist bekannt für seinen Mangel an vom Menschen verursachter Lichteinwirkung. Mit bis zu 84 Sternbildern, die in klaren Nächten zu sehen sind, ist Ishigaki einer der weltweit besten Orte für Sternenbeobachtungen.

Bis zum Anschluss Okinawas an Japan im Jahr 1609 wurden die Inseln vom unabhängigen Königreich Ryukyu regiert. Einen Einblick in die kaiserliche Vergangenheit geben Festivals wie das Naha Great Tug-of-War Festival, das im Oktober stattfindet. In jüngerer Zeit war die Insel Schauplatz einer der blutigsten Kampagnen des Zweiten Weltkriegs und auch heute noch sind die US-Streitkräfte (Japan) stark auf den Inseln vertreten. Das sorgt auf der einen Seite zwar für einen lebhaften kulturellen Austausch. Auf der anderen Seite ist dies aber auch immer wieder ein Auslöser für Probleme und darauffolgende Demonstration in der Präfektur Okinawa.

Die Inseln von Okinawa

Die Hauptinsel Okinawa

Sie ist die größte und am dichtesten besiedelte der zahlreichen Inseln. Sie erstreckt sich über mehr als 100 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und ist von vielen kleinen Inseln umgeben, von denen einige über Brücken zu erreichen sind. Von den beeindruckenden Karstlandschaften und dichten Wäldern im Norden bis hin zu den eleganten Promenaden von Chatan.

Auch die Festungsmauern ehemaliger Burgen an Orten wie dem Shuri Schlosspark im Süden variieren die Landschaft der Hauptinsel von Region zu Region. Der Norden ist bekannt für den Yambaru-Nationalpark und die vielen erstklassigen Ferienhotels, die sich vom Dorf Onna aus entlang der Küste erstrecken. Die zentrale Region bewahrt das Töpfererbe Okinawas. Der Süden beherbergt das Erbe der Ryukuan, zahlreiche Schauplätze der Schlachten des Zweiten Weltkriegs und Okinawas Hauptstadt Naha.

Ishigaki

Ishigaki ist eine der Yaeyama-Inseln, die sich im äußersten Südwesten Japans befinden. Die Insel ist mit einer reichhaltigen subtropischen Vegetation bedeckt und von wunderschönen Korallen umgeben, die im klaren blauen Wasser liegen. Auf der Insel Ishigaki befinden sich einige der schönsten Strände Okinawas.

Ganz gleich, welchen Strand man bevorzugt, ob man im weißen Sand faulenzen, ein Bad im Meer nehmen oder in ein Korallenparadies hinabtauchen möchte, die Strände auf Ishigaki bieten alles, was man sich vorstellen kann.Von den fünf Hauptstränden der Insel liegt der Maeza Beach am nächsten zum Flughafen. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel mit herrlichem Sand und Meer, aber es gibt noch mehr aufregende Aussichten, wenn man bereit ist, eine kurze Fahrt zu unternehmen

Der Keramashoto Nationalpark

Die Kerama-Inseln befinden sich etwa 40 km westlich von Naha City in der Präfektur Okinawa und bestehen aus mehr als 30 kleinen Inseln und einer Reihe von Felsenriffen. Die Inseln wurden am 5. März 2014, dem Korallentag, zum 31. japanischen Nationalpark erklärt. Die Kerama-Inseln bieten eine große Vielfalt an Landschaften, die sich vom Land bis zum Meer erstrecken. Dazu gehören Meereslandschaften mit außergewöhnlich transparentem Wasser, Riffe, die dicht mit verschiedenen Korallenarten bewachsen sind, Gewässer, in denen Buckelwale brüten, Sandstrände, Meeresklippen, die für windige Regionen typische Vegetation und der Archipel selbst.

Ursprünglich waren die Kerama-Inseln ein Teil eines Gebirges, das sich von der nördlichen Hauptinsel Okinawa aus erstreckte, doch eine Reihe von Katastrophen führte dazu, dass das Land sich absenkte und eine Ansammlung von kleinen Inseln entstand, wie sie heute zu sehen sind. Das Binnenmeer der Inseln weist die geografischen Merkmale einer überfluteten Küstenlinie auf und bildet eine vielseitige Archipellandschaft.

Okinawa beach Susann schuster unsplash
Wunderschönes Inselparadies. Foto: Susann Schuster, Unsplash

Tokashiki-jima ist die größte Insel der Kerama-Inseln und erstreckt sich von Norden nach Süden in einem schmalen Streifen, der ein sanftes, hügeliges Gelände bildet. Die Umgebung von Kap Aharen besteht aus Sandsteinklippen, auf denen die für eine windige Region typische Vegetation herrliche Landschaften schafft.

Das alte Ryukyu Königreich

Wie bereits angedeutet, war die Präfektur Okinawa nicht immer ein Teil von Japan und ist erst im Jahr 1871 in den Rest des Landes offiziell integriert worden. Dennoch sind die Zeichen des alten Königreichs noch heute überall zu erkennen, und zwar nicht nur in den Festen, sondern auch in der Küche sowie der religiösen Eigenheiten der Präfektur.

Ryukyu Laternenfest Okinawa Susann Schuster, Unsplash
Ryukyu Laternenfest. Foto: Susann Schuster, Unsplash

Die Geschichte des Ryukyu-Königreichs vor der Meiji-Restauration zeichnet in vielerlei Hinsicht das Bild eines Inselkönigreichs, das ein hohes Maß an nationaler Souveränität bewahrte, die schließlich durch die Kolonialherrschaft der Satsuma-han im 17 gebrochen wurde.

Seit jeher nahm das Ryukyu-Königreich eine privilegierte Stellung im Süden Japans ein, vor allem wegen seiner Handels- und kulturellen Beziehungen zu China. Zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert unterhielt Japan kurzzeitige Kontakte mit dem Königreich, aber seine Versuche, sich in die inneren Angelegenheiten des Königreichs einzumischen, endeten im 17. Jahrhundert. In dieser Zeit hatte das Königreich Ryukyu seine stärksten wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen zu China und stand durch China in ständigem Kontakt mit dem asiatischen Kontinent.

Ab Ende des 14. Jahrhunderts entwickelte das Ryukyu-Königreich eine Lehnsbeziehung zu China. Diese Beziehung drückte zwar symbolisch den Status des Ryukyu-Königreichs unter China aus, wahrte aber im Grunde den unabhängigen Status des Ryukyu-Königreichs als Nation. China versuchte in keiner Weise, sich in die inneren Angelegenheiten der Ryukyu einzumischen. Es bemühte sich vielmehr um die Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu dem Königreich, das im 16. Jahrhundert alle Inseln des Archipels unter eine zentralisierte monarchische Herrschaft gestellt hatte, deren Hauptstadt die Burg Shuri auf der Insel Okinawa war.

Die Vormachtstellung Chinas hatte mehrere wichtige Auswirkungen auf die Bewohner von Ryukyu. Damit wurde der ryukyuanischen Monarchie Legitimität verliehen, und es wurde festgelegt, auf welche Weise sich chinesische Ethik und kulturelle Bräuche auf den Ryukyus durchsetzen konnten. Vor allem aber verschaffte der Lehensstatus dem Ryukyu-Königreich Zugang zum Handel mit China, wodurch der Status der Inseln in Handelsangelegenheiten gestärkt wurde.

Die wichtigste Veränderung in dieser Zeitspanne war die Invasion der japanischen Satsuma-han auf den Inselgruppen des Ryukyu Koenigreichs im Jahr 1609. Weil sich das Ryukyu Koenigreich nicht auf Seiten Japans in einen Krieg mit China stellen wollte, übernahm Satsuma die Kontrolle über das Königreich und unterstellte die nördlichen Inseln von Amami direkt der Herrschaft von Satsuma. Der Rest des Königreichs verblieb vorerst unter einer Art halbkolonialer Gerichtsbarkeit.

In vielerlei Hinsicht unterschieden sich die Erfahrungen der Amami-Inseln stark vom Rest des Königreichs. Die Amami-Inseln, die heute ein teil der heutigen Präfektur Kagoshima waren, wurden schnell zu einem integralen Bestandteil des Wirtschaftswachstums von Satsuma und damit auch der wachsenden militärischen Stärke des Landes. Durch die rasante Verbreitung der Zuckerindustrie auf den Inseln und die zunehmende politische Härte, mit der die Führung der Domäne Satsuma den Bewohnern ihre Arbeitskraft abverlangte, durchlebten die Inselbewohner eine Zeit, die sie als Sato jigoku, zu deutsch Zuckerhölle, bezeichnen.

Der übrige Teil des Ryukyu Königreichs konnte jedoch den Anschein von Souveränität aufrechterhalten, obwohl er eigentlich direkt von den Satsuma beherrscht wurde. Im Wesentlichen blieb die Sho-Dynastie, die zuvor das Ryukyu-Königreich regiert hatte, mitsamt ihren Verwaltungsstrukturen bestehen. Der Grund dafür war primär, dass es in Satsumas politischem und wirtschaftlichem Handelsinteresse lag, den Anschein zu wahren, dass das Ryukyu-Königreich immer noch eine unabhängige Nation war.

Angesichts der Tatsache, dass das Ryukyu-Königreich in der Lage war, wirtschaftliche Handelsbeziehungen mit China aufrechtzuerhalten, während Japan ebendiese Beziehungen abgebrochen hatte. Satsuma hatte ein persönliches Interesse daran, die Handelsaktivitäten Ryukyus mit China aufrechtzuerhalten, um so wirtschaftlich weiterhin erfolgreich zu sein.

Diese Beziehung änderte sich jedoch mit der Ankunft westlicher Kolonialmächte, die durch die Ankunft der Schwarzen Flotte von Commodore Matthew Perry im Jahr 1854 zum Ausdruck gebracht wurde. Die Amerikaner, die Perry vertrat, machten zunächst in Okinawa Halt, bevor sie die Bucht von Tokio ansteuerten, und wurden so zur ersten kolonialen Bedrohung, der sich Japan nach Hunderten von Jahren der Isolation ausgesetzt sah. Angesichts dieser Bedrohung sah sich Japan gezwungen, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um sich vor kolonialen Übergriffen zu schützen, wie sie in China, Indochina und anderen kolonialisierten asiatischen Ländern zu beobachten waren.

Schnell begann Japan mit einem groß angelegten Entwicklungsprogramm nach dem Vorbild des modernen westlichen Nationalstaates. So begann Japan einen schnellen Industrialisierungsprozess, stärkte sein Gefühl der nationalen Einheit und festigte seine Grenzen. Um herauszufinden, wie man diesen Reformprozess bewältigen kann, schickte Japan eine Reihe von Gesandten in verschiedene westliche Länder, um aus deren Modellen zu lernen. Doch hierbei lernte es ebenfalls zum Ende der Hauptzeit des westlichen Imperialismus und schloss sich schnell dem Modell der kolonialistischen Expansion und des Aufbaus von Weltreichen an.

Der erste Kontakt von Perry mit Okinawa war jedoch nicht nur der Beginn des Kontakts zwischen den Vereinigten Staaten und Okinawa, sondern auch das erste Mal, dass die US-Militärs Verbrechen gegen die Bevölkerung Okinawas begingen. Kurz nach dem Anlegen brach ein amerikanischer Matrose in das Haus einer okinawanischen Frau ein und vergewaltigte sie. Als er die Schreie der Frau hörte, nahmen mehrere Dorfbewohner die Verfolgung auf. Nach diesem Vorfall wurden die beteiligten Dorfbewohner für ihre Rolle beim Tod des Seemanns bestraft, und Perry überreichte der vergewaltigten Frau einige Meter Stoff als Entschädigung für den Überfall. Dieser Vorfall von Gewalt gegen okinawanische Frauen war eines der Themen, die später, als Okinawa von den Vereinigten Staaten besetzt wurde, wieder auftauchen sollten.

Die vollständige Integration des Ryukyu Königreichs war ein Schritt in Richtung Legitimität, da der Zuwachs an Land und Ressourcen auf den Ryukyu-Inseln die Macht in der nationalen Politik stärkte. Doch darüber hinaus wurde es für Japan, das die Meiji-Restauration als Mittel zur Verteidigung gegen den westlichen Imperialismus ansah, immer wichtiger, sich als Nation mit klar definierten Grenzen zu verstehen.

Die Ryukyu Inseln waren aufgrund der „doppelten Unterordnung“ Japans und Chinas zu einer unerträglichen Grauzone innerhalb der japanischen Grenzen geworden, und die japanische Führung sah sich gezwungen, ihre Grenzen im Lichte des westlichen Völkerrechts zu rechtfertigen. Außerdem bestand die dringende Notwendigkeit, eine geopolitische Pufferzone zu schaffen, um das Land vor der militärischen Aggression der Westmächte zu schützen.

Die Ryukyu-Inseln waren ein idealer Kandidat für diesen Zweck, da sie Japans Südfront bis zu einem gewissen Grad sichern würden und das Bedürfnis nach militärischer Sicherheit Vorrang vor den Handelsbeziehungen mit China hatte. Um seine Interessen in der Region umfassend zu schützen, annektierte Japan 1879 gewaltsam das Königreich Ryukyu, wodurch die vollständige Kontrolle über die Ryukyus in japanische Hände überging und seine Scheinsouveränität beendet wurde.

Die Kultur des Ryukyu Koenigreich im heutigen Okinawa

Die Nachkommen des Ryukyu Koenigreich gelten heute Zahlenmaßessig als die größte Minderheit in Japan, von denen 1,2 Millionen allein in Okinawa leben. Die japanische Regierung sieht die Menschen jedoch nicht als Angehörige einer eigenen Volksgruppe, sondern bezeichnet sie als eine Untergruppe der Japaner. Dennoch findet sich die Zeichen dieses alten Königreichs überall auf den Inseln von Okinawa und in ganz Japan und die Menschen sind stolz auf ihre Herkunft, weswegen sie ihre Traditionen bis heute bewahren.

Hanagasa Okinawa Susann Schuster, Unsplash
Eine Frau mit einer traditionellen Hanagasa genannten Kopfbedeckung. Foto: Susann Schuster, Unsplash

Shisa

Eine der bekanntesten Symbole aus dem alten Okinawa sind wahrscheinlich die Shisa. Die meisten Menschen haben die Shisa oder Löwenhunde, die ein fester Bestandteil der okinawanischen Kultur sind, entweder schon gesehen oder zumindest davon gehört. Diese kleinen Statuen, die auch als shi-shi bekannt sind, stehen auf Dächern oder an den Eingängen von Häusern, Unternehmen und Geschäften in ganz Okinawa Wache.

Nach Okinawa wurden die Shisa erstmals im 14. Jahrhundert aus China gebracht. Es heißt, dass diese Figuren böse Geister abwehren und ursprünglich als Wächter für Häuser und Schreine verwendet wurden. Shisa gibt es in allen Formen, Farben und Größen, und in den meisten Häusern werden zwei Shisa aufgestellt – eine mit offenem Mund, um böse Geister abzuwehren, und die andere mit geschlossenem Mund, um die guten Geister im Haus zu halten.

Eine besondere Variante ist ein Shisa, der eine goldene Kugel unter einer Pfote hält. Dies symbolisiert eine Konzentration des Guten, Wohlstand und reiche Ernten.

Es gibt viele Geschichten über den Ursprung der Shisa. Eine Legende besagt, dass ein Junge von einem okinawanischen Adligen ein Shisa geschenkt bekam. Als eines Tages ein Drache auftauchte, der das Dorf des Jungen zerstören wollte, erwachte die leblose Shisa zum Leben und rettete das Dorf.

Einer anderen Geschichte zufolge kam die Shisa vor vielen Jahren als Geschenk für einen Ryukyuan-König nach Okinawa. Sie wurde berühmt, weil sie die Dorfbewohner von Madanbashi vor einem Drachen beschützte, der in der Bucht von Naha lauerte. Als der König die Shisa gegen den Drachen antreten ließ, brüllte die Shisa wie ein Löwe, woraufhin ein großer Felsen vom Himmel auf den Drachen fiel und ihn in das verwandelte, was heute die Insel Ganna-mui ist.

Kumiodori

In der Zeit des Ryukyu-Königreichs entwickelten sich Theater, Musik und angewandte Kunst in der herrschenden Klasse, deren Zentrum die Burg der Hauptstadt des Königreichs in Shuri, dem heutigen Naha, war. Diese Kunstformen entwickelten sich nicht nach den Vorlieben und dem Geschmack einzelner Künstler und Mäzene, sondern wurden von der königlichen Regierung beaufsichtigt und geleitet. Die lokale Elite war für die Pflege der darstellenden traditionellen Künste verantwortlich, und alle Tänzer waren Männer.

Im Jahr 1719 wurde im Schloss Shuri eine Aufführung zur Unterhaltung eines wichtigen Gesandten aus China gegeben, der gekommen war, um die Thronbesteigung des neuen Königs zu bezeugen und anzuerkennen. Dies war die erste Aufführung dessen, was später zum Kumiodori wurde, dem traditionellen okinawanischen Musiktheater, das heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Das Tanzdrama Kumiodori entwickelte sich weiter und nahm schließlich die stolze Position ein, die es heute als Okinawas traditionelle dramatische Kunstform innehat. Kumiodori besteht aus Musik, Schauspiel, Text und Tanz. Es basiert auf alten Legenden aus Japan, China und Ryukyu Volksmärchen. Es enthält auch Elemente aus benachbarten Traditionen wie nō, kyōgen und kabuki sowie der „Min-Opera“-Tradition von Fujian.

Ryukyu Mura

Ryukyu mura befindet sich im Dorf Onna im Norden Okinawas und ist bei Touristen äußerst beliebt. Ryukyu mura ist vor allem ein Ort, an dem man die Atmosphäre des Okinawa der 1800er-Jahre genießen kann. Hier kann man alte okinawanische Häuser besichtigen, sich selbst am Glashandwerk versuchen und den dynamischen Eisa Tanz beobachten. Überall können Sie den Klang okinawanischer Instrumente unter anderem Sanshin und Okinawa Taiko hören. Die Klänge und die Kulisse geben einem das Gefühl, in die Vergangenheit zu reisen.

Das Dorf ist in einen freien und einen kostenpflichtigen Bereich unterteilt. Dabei lohnt es sich auf jeden Fall, im Zuckerrohrgebiet vorbeizuschauen, da dies eine wichtige und zugleich schwere Zeit in der frühen Showa-Ära widerspiegelt. Die Büffel zogen das Rad, um den Zucker zu pressen, der anschließend gekocht wurde, um braunen Zucker herzustellen. Im Jahr 1623 wurde der erste braune Zucker aus Zuckerrohr hergestellt. Mit etwas Glück kann man den Büffel bei dieser traditionellen Arbeit beobachten.

Hier kannst du auch Shisas anmalen und Ryusou-Kostüme anprobieren. Ryusou-Kostüme sind besondere Kleidungsstücke für Hochzeiten, vor allem für die Braut. Beim Shisa anmalen können nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene teilnehmen und ihre eigenen  einmaligen Shisa designen.

Okinawa Karate

Das heutige okinawanische Karate hat sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt und ist nicht das Ergebnis eines einzigen Gründers.Es ist eine Kombination traditioneller chinesischer Kampfkünste. Es ist auch bekannt als Quan-fa, Kung Fu, Gong Fu, chinesisches Boxen und einer Vielzahl anderer Namen, je nach verwendetem chinesischen Dialekt und phonetischer Transkriptionsmethode.

Zu beginn wurde es allerdings noch nicht Karate genannt. Es wurde als „te“ oder „bushi no te“ und „bushi nu tii“ im Hogen bezeichnet; letzteres kann man frei als die Hände des Gentleman-Kriegers übersetzen. Im Okinawanischen bezeichnete der Begriff „bushi“ einen Gentleman-Krieger, der ein Experte im „te“ war. Der Hauptzweck der okinawanischen Kampfkunst bestand darin, in erster Linie ein Gentleman und in zweiter Linie ein Krieger zu sein. Die „Bushi“ von Okinawa waren keine militärische Kraft des Königreichs. Tatsächlich gab es aufgrund des Waffenverbots, das 1507 nach der Vereinigung der Staaten des Ryūkyu Königreichs verhängt wurde, keine richtige militärische Organisation, und so wurde der Begriff „leere Hände“ gefördert.

Karate war jahrhundertelang geheimnisumwittert. Daher gibt es nur sehr wenige schriftliche Aufzeichnungen über die eigentliche Entwicklung dieser Kunst. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Erzählungen darüber, wie es die Kampfkunst am Ende in das Ryukyu Königreich und somit auch in die Kultur des heutigen Japans geschafft hat. Auch wenn Karate heute offiziell zu den japanischen Martial Arts Formen gezählt wird, sollte man hierbei jedoch nicht außer Acht lassen, dass die diese Kampfkunst vom Ryukyu Koenigreich aus auf die Hauptinseln Japans gebracht wurden.

Die heute bekannte Übersetzung, Leere Hand, ist ebenfalls nicht die originale Bezeichnung, welche ursprünglich aus dem chinesischen Kanji die Übersetzung, Chinesische Hand hatte. Ein weiterer Beleg dafür ist, dass Okinawa Karate nicht nur ausschließlich mit leeren Händen vollführt wurde. Sondern man in Zeiten des Ryukyu Königreichs verschiedene Werkzeuge, wie z. B. für die Farmarbeit als Waffen verwendet hatte.

Speisen in Okinawa

Die Präfektur Okinawa unterscheidet sich in Kultur, Atmosphäre, Sprache und Küche stark von der Hauptinsel Japans. Die Inseln von Okinawa liegen in unmittelbarer Nähe zu China und Tawain, und sie sind auch der Hauptstützpunkt für eine Reihe von US-Streitkräften in Japan. Diese Tatsachen haben die lokale Küche stark beeinflusst und sie zu etwas Einzigartigem gemacht.

Sushi Okinawa Susann Schuster, Unsplash
Auch Sushi gibt es natürlich in Okinawa. Foto: Susann Schuster, Unsplash

Agu Schweinefleisch

Schweinefleisch ist seit jeher ein unverzichtbarer Bestandteil der okinawanischen Küche. Man sagt sogar, dass die Menschen in Okinawa alle Teile des Schweins essen. Von allen verfügbaren Schweinefleischsorten ist das in Okinawa heimische Agu die beliebteste, aus der durch Züchtungen viele weitere Sorten – jede mit eigenen Merkmalen entstanden sind. Nicht nur hat das Agu Schweinefleisch lediglich einen viertel des Cholesterin von anderen Schweinefleischsorten, auch der Anteil von Umami ist weit höher, sowie der Fettschmelzpunkt viel geringer, sodass es sprichwörtlich auf der Zunge zergeht. Das Fleisch ist z. B. beliebt für Shabu Shabu oder auch Yakiniku.

Beni Imo – die violette Süßkartoffel

Sueskartoffeln findet man fast überall in Japan, doch in Okinawa ist es primär die Beni imo Süßkartoffel mit ihrer violetten Farbe unter der Schale.

Das gleiche Molekül, das in Blaubeeren krebshemmende Eigenschaften hat, ist auch in diesen violetten Süßkartoffeln enthalten, weshalb sie gerne auch als Superfood eingestuft werden. Beni imo enthält außerdem Anti-Aging- und antioxidative Eigenschaften sowie eine Vielzahl von Vitaminen und Mineralstoffen.

Eine violette Süßkartoffel enthält das Vierfache der minimalen Tagesdosis an Vitamin A und die Hälfte des täglichen Bedarfs an Vitamin C. Weitere Vitamine und Mineralstoffe in der Süßkartoffel sind Kupfer, Vitamin B6, Kalium und Eisen. Die Süßkartoffel ist auch eine ausgezeichnete Quelle für Ballaststoffe. Das Gemüse hilft auch, den Blutzuckerspiegel zu verbessern und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Der kräftige Geschmack der Beni Imo ist in Okinawa vorrangig in Snacks oder Tarts zu finden und verleiht vielen Gerichten darüber hinaus dank seiner Farbe ein interessantes Aussehen.

Okinawa Soba

Normalerweise bezieht sich das Wort Soba auf Nudelgerichte aus Buchweizen. In Okinawa ist diese Art von Soba jedoch nicht sehr beliebt und wird oftmals als japanische Soba oder schwarze Soba bezeichnet. Okinawa Soba erinnern an Ramen und bestehen aus dicken Weizennudeln in einer würzigen Brühe. Die Brühe wird traditionell mit Seetang namens Konbu, Bonitoflocken und Schweinefleisch zubereitet. Eine weit verbreitete Variante ist Soki Soba. Soki ist das okinawanische Wort für geschmorte Schweinerippchen. Sie werden in dieser Soba-Variante oft zusammen mit eingelegtem Ingwer und Frühlingszwiebeln als Topping verwendet.

Taco Reis

Die Geschichte des Taco-Reis ist ein Paradebeispiel für den Einfluss des amerikanischen Militärs auf kulinarische Kreationen in der ganzen Welt, der seit dem Zweiten Weltkrieg in der japanischen Präfektur Okinawa zu spüren ist. Es wird angenommen, dass das Gericht in den 1980er Jahren von dem Restaurantbesitzer Matsuzo Gibo erfunden wurde, um das wachsende Klientel des US-Militärs zu bedienen. Mit den Amerikanern, die ihre Liebe zu Tacos mitbrachten, fand Gibo einen erschwinglichen Weg, diese vertrauten Aromen mit etwas zu verbinden, das in Japan allgegenwärtig ist: einer Schüssel Reis. Taco Reis ist Okinawas typisches Reisgericht, das mit Hackfleisch, Käse und Salsa belegt ist. Mittlerweile ist es auch außerhalb Okinawas ein beliebtes Gericht.

Goya Champuru

Goya champuru ist ein okinawanisches Pfannengericht. Die traditionelle Basis besteht aus Ei, Tofu, Goya und einer Form von Fleisch, oft Schweinebauch oder Spam. Champuru wird in okinawanischen Haushalten häufig zur Verwertung von übrig gebliebenem Gemüse und Fleisch verwendet. Das Wort Champuru bedeutet in der okinawanischen Sprache „etwas miteinander vermischen“. Goya ist eine art Bittermelone. Ein Gemüse, das häufig in Okinawa-Gerichten verwendet wird. Goya ist nicht nur reich an Vitaminen und Mineralien, sondern wird auch seit Langem als Medikament für eine Reihe von Krankheiten, darunter Typ-2-Diabetes, verwendet. Goya enthält einen Phytonährstoff, Polypeptid-P, der den Blutzuckerspiegel im Körper senken kann. Ferner enthält Goya eine einzigartige Substanz namens Charantin, die den Glukosestoffwechsel im Körper ankurbelt.

Leben Natur Okinawa Susann Schuster, UNsplash
Ein Leben mit der Natur. Foto: Susann Schuster, Unsplash

Eine Präfektur ganz anders als der Rest des Landes

Okinawa ist eine Präfektur, die auf der einen Seite so anders ist und auf der anderen Seite die Menschen, die sie besuchen, sofort willkommen heißt. Eine ganz eigene Geschichte vermischt sich mit verschiedensten nationalen und Internationalen Einflüssen, sodass zusätzlich zur geografischen Lage eine ganz besondere Atmosphäre entsteht. Zwar wird Okinawa oftmals als das Hawaii von Japan bezeichnet, bietet aber so viele manchmal schrullige Eigenschaften, dass es auch ohne diesen Vergleich für sich selbst stehen kann.

Weitere Informationen und Reiseideen findet man auf der Tourismus-Seite der Präfektur Okinawa.

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