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Die Präfektur Tochigi – Beeindruckende Natur und Kultur unweit von Tokyo

Die Präfektur Tochigi befindet sich nur ungefähr 100 km nördlich von Tokyo. Hier gibt es nicht nur eine vielseitige, atemberaubende Natur, sondern zugleich auch einen authentischen Einblick in die Edozeit, die hier teilweise noch heute hautnah zu erleben ist.

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Ob man nun über die Pfade des Ohira Bergs wandern und dabei einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Ländereien erhaschen möchte, oder sich in der Altstadt von Kuranomachi in die Vergangenheit versetzen lassen will, in Tochigi ist das Motto vieler Werbeplakate: It’s slow time.

Das alte Tochigi

Das Gebiet der heutigen Präfektur Tochigi war bis zur Meiji-Restauration als die Provinz Shimotsuke bekannt. Im 15. Jahrhundert wurde in dieser Region die Ashikaga Gakkou eröffnet. Diese Schule für höhere Bildung hatte im 16. Jahrhundert bereits über 3000 aktive Studenten. Zu dieser Zeit präsentierte der christliche Missionar und Wegbereiter in Ostasien, Franz Xaver, die Ashikaga Gakkou der Welt als die beste Universität in ganz Japan. Heute ist das Gebäude dieser Schule das älteste noch bestehende Schulgebäude des Landes. Sie ist daher auch in die Liste der historisch wichtigen Orte von Japan eingetragen worden.

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Im frühen 17. Jahrhundert vereinigte der Shogun Tokugawa Ieyasu Japan. Angesichts dessen wurde nach seinem Tod der Tosho-gu Schrein in Nikko auf dem von den Shogunen als heilig angesehenen Boden errichtet, um Ieyasu zu schützen und zu verehren. Durch die Errichtung des Nikko Tosho-gu im Jahr 1617 erlangte Nikko zum ersten Mal nationale Aufmerksamkeit.  Auch wenn es in ganz Japan verschiedene Tosho-gu Schreine gibt, ist der Nikko Tosho-gu Schrein in Tochigi eine der beliebtesten Touristenattraktionen des Landes. In der Edo Zeit gab es darüber hinaus ungefähr ganze 500 Tosho-gu Schreine in Japan, die alle Tokugawa Ieyasu gewidmet waren. Viele von ihnen wurden allerdings mit der Zeit zerstört, sie gerieten in Vergessenheit und zerfielen im Laufe der Jahre.

Tochigi Landscape
Manchmal wirkt alles ein wenig vergessen in Tochigi. Foto: Hoang Dang, Unsplash

Auch errichtete das Tokugawa Shogunat die Nikko Kaido, die ein wichtiger Teil der Hauptstraße war, welche Nikko mit der Hauptstadt Edo verband. Um Tokugawa Ieyasu zu ehren, wurden auf dieser Straße regelmäßig aufwendige Feste veranstaltet.

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Die Nikko Suginamiki Kaido ist eine 35 km lange Straße, die vollständig mit Zedern an beiden Seiten der Straße bepflanzt ist. Sie ist heute die längste, von Bäumen gesäumte Straße der Welt. In der Edo Zeit sind hier innerhalb von 20 Jahren 200.000 Bäume gepflanzt worden, von denen heute noch ungefähr 12.500 Bäume vorhanden sind.

Als im späten 19. Jahrhundert das Tokugawa Shogunat seine Macht verlor, entwickelte die neue Regierung das Präfekturen-System. Zur Hauptstadt wurde nach einem Zusammenschluss der Regionen Tochigi und Utsunomiya die Stadt Tochigi im Jahr 1873. Jedoch nur wenig später, im Jahr 1884, wurde die Hauptstadt der Präfektur jedoch in die Stadt Utsunomiya verlegt.

Stadt Land Fluss in Tochigi

Die Hauptstadt Utsunomiya

Die Hauptstadt Utsunomiya gilt zwar als eine Großstadt und ist die am dichtesten bevölkerte Region in der Präfektur Tochigi, doch sind es auch hier vordergründig die ruhigen kulturellen Aspekte, welche es zu entdecken gilt. Die Stadt selbst gilt darüber hinaus sogar innerhalb von Japan als die Hauptstadt der Gyoza. Hier befinden sich unzählige Restaurants, die sich auf die leckeren Teigtaschen spezialisiert haben, weswegen sie zu einem Synonym dieser Stadt geworden sind.

Doch nicht nur wegen des Essens sollte man einen Abstecher in die Stadt wagen. In Utsunomiya befindet sich nämlich außerdem das Oya Geschichts-Museum, das einen der interessantesten Orte dieser Stadt darstellt. Oya ist ein Stein, der in dieser Region abgebaut werden kann. Hier gibt es nicht nur beeindruckende Felswände aus Oya zu bestaunen, sondern auch ein weitläufiger ehemaliger Steinbruch, der im Detail erkundet werden kann. Die Ausleuchtung und stimmungsvolle Musik innerhalb der Anlage kann dabei schon einmal das Gefühl aufkommen lassen, man würde sich in einer alten ägyptischen Grabanlage befinden.

Sehenswert ist zudem der beeindruckende Bambuswald auf dem Gelände der Wakayama Farm. Dieser Wald ist vor über einem Jahrhundert von einem Farmer erstmals angelegt worden, der sich in dieser Region niedergelassen hat. Auf einer Fläche von ungefähr 24 Hektar bietet sich hier viel Raum für entspannende Spaziergänge inmitten der zahlreichen Bambusarten. Er hat sich mit der Zeit zu einem beliebten Ort für Fotos entwickelt. Nicht nur bei Freunden der Natur, sondern auch bei Cosplayern, die ihre Kostüme mit einem besonderen „Rahmen“ versehen möchten. An den Abenden am Wochenende werden einzelne Bereiche dieser Anlange außerdem stimmungsvoll ausgeleuchtet, was ihnen einen weiteren Zauber innerhalb der Abendstunden verleiht.

Im Zentrum von Ustsunomiya befindet sich der Futaarayama-Schrein, dessen Geschichte weit zurückreicht. Dieser Schrein dient der Verehrung von Toyoki-irihiko no Mikoto, dem ersten kaiserlichen Prinzen von Kaiser Sujin, welcher der zehnte Kaiser von Japan war. Besucher, die an shoden-sanpai, einem Gebetsopfer im äußeren Schrein, teilnehmen, dürfen sogar den Hauptschrein betreten. Mit etwas Glück kann man die zahlreichen Schätze sehen, die von Tokugawa Ieyasu, dem Gründer des Tokugawa-Shogunats, gestiftet wurden. Da dies eine seltene Chance ist, bietet sich diese Möglichkeit vor allem für Freunde der japanischen Schreine an.

Die Stadt mit viel Geschichte, Nikko

In der Stadt Nikko treffen alte Traditionen und beinahe unberührte Natur aufeinander. Die Region Nikko selbst befindet sich inmitten einer heiligen Bergregion, welche seit über 800 Jahren schon Verehrung im Buddhismus und im Shintoismus genießt. Das Weltkulturerbe Nikko umfasst ganze 103 kulturell bedeutsame Strukturen und Gebäude, aufgeteilt auf drei große Komplexe.

Einer der beeindruckendsten Orte ist hier der Nikko Tosho-gu Schrein, welcher der bekannteste und wichtigste Tosho-gu Schrein des Landes ist und auch als Mausoleum für Tokugawa Ieyasu dient. Die aufwendigen farbenfrohen Verzierungen kommen besonders bei Sonnenschein richtig zur Geltung und können einem bei genauerem Hinsehen schon einmal den Atem rauben.

Der beinahe 800 Jahre alte Futarasan Schrein gilt darüber hinaus der Verehrung der drei heiligsten Berge in dieser Region. Im Gegensatz zum Gelände des Tosho-gu, kann der Futarasan Schrein ohne Gebühr frei erkundet werden und bietet besonders im Winter, wenn der Schnee gefallen ist, eine zauberhafte Szenerie aus Traditioneller Baukunst und Symbolen innerhalb der schroffen, aber gleichzeitig majestätischen Natur.

Brücken gibt es in Japan viele, und die meisten von ihnen haben auch einen Namen. In Nikko jedoch gibt es eine ganz besondere Brücke, welche zu überqueren schon auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken lässt. Die Shinkyo Brücke ist ein Teil des Futarasan Schrein.

Tochigi Nikko Bridge
Das überqueren der Brücke soll Glück bringen. Foto: Sunil Naik, UnsplashAC

Nach der Legende stellte sich dem Priester beim Versuch, den heiligen Berg Nantai zu besteigen, zunächst der Fluss Daiya in den Weg. Als er für eine sichere Überquerung betete, ließ der Gott des Flusses gigantische Schlangen erscheinen, aus denen die Brücke entstand. Während der meisten Zeit ihres Bestehens konnten nur Gemeindemitglieder des Futarasan Schreins und der kaiserliche Hof die Brücke überqueren. Jetzt wird sie jedoch allgemein als das Tor zu den großen Schreinen und Tempeln von Nikko angesehen und kann von jedem überquert werden.

Die wunderschöne Landschaft von Tochigi

Natürlich sollte ein Besuch von Tochigi nicht ohne einen ausgiebigen Besuch der weiten und abwechslungsreichen Natur enden. Wer in Nikko ist, hat mit einem kleinen Fußmarsch schon die Möglichkeit, die Wälder der Umgebung zu besuchen und kann dabei auch den Kanmangafuchi Abgrund besuchen. Diese kleine Schlucht ist vor ungefähr 7000 Jahren bei dem Ausbruch des Berg Nantai entstanden und folgt dem Verlauf des Daya Fluss. Entlang des Weges findet man zahlreiche Jizo Statuen. Diese Statuen stehen für den Schutz von Kindern und sind mit roten Mützen und Tüchern eingekleidet. 70 Stück stehen hier, doch wird gesagt, dass sich ihre Anzahl jedes Mal verändert, wenn man neu zu zählen beginnt.

Weiter den Fluss hinauf finden sich auch einige Sankrit Inschriften, denen man nachsagt, dass sie vom Gründer des Shingon Buddhismus, Kobo Daishi persönlich dort eingekratzt worden sind.

Ein weiterer erwähnenswerter Ort für die Besichtigung des natürlichen Reichtums der Präfektur Tochigi sind die Azaleen von Yahata im Nasu-Hochland. Dieses erstreckt sich bis in den nördlichsten Teil der Präfektur. Dieses Hochland ist ein beliebtes Urlaubsgebiet mit einer Fülle von Naturschutzgebieten und einem Dorf mit Heißwasserquellen. An der östlichen Grenze des 1.915 Meter hohen Berges Chausu befindet sich eine große Ebene mit etwa 200.000 Azaleen in einer Höhe von etwa 1.000 Metern über dem Meeresspiegel.

Tochigi Sakura Nature
Die Natur von Tochigi hat zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten. Foto: Akira Deng, Unsplash

Der Ashikaga Flower Park ist ein Blumenerlebnispark im Stadtgebiet von Ashikaga im Süden der Präfektur Tochigi. Auf dem 100.000 m2 großen Areal des Parks gibt es mehr als 350 Glyzinien, die von April bis Mai abwechselnd in unterschiedlichen Farben wie Rosa, Lila, Weiß und Gelb erstrahlen. Im Ashikaga Flower Park gibt es eine purpurfarbene Glyzinie, die über 160 Jahre alt ist und ein über 1.000 m2 großes Rankgitter aus Glyzinien bildet. Die während der Blütezeit entstehenden zahllosen Blüten scheinen den Himmel zu bedecken, wenn man unter ihnen hindurchgeht und gelten als die schönsten Glyzinien der Welt.

Ashikaga Tochigi Park
Sanfte Schönheit im Ashikaga Park. Foto: Aki Nakazawa, Unsplash

Die Präfektur, in der man es etwas langsamer angehen lässt.

Egal, ob man die Ruhe der Natur sucht, die Spiritualität der alten Schreine oder sich für die aufregende Geschichte des Landes interessiert. In Tochigi heißt es ganz offiziell „It’s slow time“ und ebenso sollte man die Erlebnisse, welche man hier macht, auch in sich aufnehmen. Es lohnt sich, für einen Aufenthalt einige Tage mehr einzuplanen, sodass man als Besucher wirklich verstehen kann, warum die Präfektur und ihre Zeugnisse aus der Vergangenheit so wichtig für die Menschen ist. Das Erbe ist dabei nicht nur auf die Präfektur beschränkt, sondern geht auf Personen und Ereignisse zurück, die das Land in der Vergangenheit entscheidend geprägt haben.

Mehr über die Präfektur und wie man eine Reise gestalten kann, findet man auf der offiziellen Tourismusseite der Präfektur Tochigi

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