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Die soziale Stellung der Frau in Japan – ein Hürdenlauf

Seit Jahren sagt man über Japan, dass dort eher eine patriarchale Gesellschaft herrscht. Inwieweit kann man dem zustimmen? Und was sind die Gründe dafür? Hat das sich mittlerweile doch ein bisschen geändert? Oder sind das wieder einmal nur Klischees denen man sich bedient? Wie genau sieht nun die soziale Stellung der Frauen in Japan aus?

Klare Rollenverteilung der Geschlechter
Im Weltrang ist Japan auf dem 104. Platz – 40 Plätze nach Bangladesch – was die Gleichberechtigung von Mann und Frau angeht. Dies ist zugleich erschreckend und besorgniserregend. Ein Land, das sich auf den dritten Platz der Wirtschaftsmächte hochgearbeitet hat und sich auf allen Ebenen weiter zu entwickeln scheint, außer bei der Emanzipation ihrer Frauen.

Berufstätige Mutter mit Kind by Japan Daily Express

Auch wenn das japanische Frauenbild sich immer weiter verändert, kann man sagen, dass gewisse Klischees bestehen bleiben: japanische Frauen sind tüchtig, gehorsam, ausgesprochen nett und zart, zierlich und süß. Sie besuchen die Schule- schreiben gute Noten, heiraten danach in ihren 20ern einen berufstätigen Mann und kümmern sich dann den Rest des Lebens um das Aufziehen der Kinder, den Haushalt und ihren Mann. Der Mann hingegen ist der „Versorger“, er geht arbeiten, um mit dem Geld, das er verdient die Familie zu versorgen. Außerdem darf er auch auf Geschäftsreise gehen und wenn er für einen längeren Zeitraum (ein paar Jahre) ins Ausland muss, dürfen Frau und Kinder mit, oder die Frau bleibt mit den Kindern zurück und muss sich so oder so wieder wie gewohnt um alles andere kümmern. Ein Haushalt mit Kindern, wo beide Partner berufstätig sind, ist eher ungewöhnlich. Selbst wenn die Frauen nicht früh heiraten, sondern vorher erst einmal arbeiten steht fest: sobald Kinder unterwegs sind, hören sie auf mit der Arbeit und der spätere Berufseinstieg ist nur schwer zu schaffen. Also bleiben die meisten Frauen ohne Arbeit nach der Familiengründung.

Dentsu Inc. Hauptgebäude © by Wiiii (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Dentsu Inc. Hauptgebäude
© by Wiiii (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Karriere oder Familiengründung
Diese Rollenverteilung passt den japanischen Frauen jedoch immer weniger. Deshalb entscheiden sich viele für die berufliche Karriere, aber gegen Heirat oder Kinder oder beides. Familiengründung und Karriere ist für die Frauen Japans nur schwer unter einen Hut zu bringen. So sind sie dazu gezwungen sich für entweder das Eine oder das Andere zu entscheiden, nur wenige finden einen Weg beides zu vereinen. Es gibt nicht genügend Unterstützung weder seitens der Arbeitgeber noch seitens der Gesellschaft und am allerwenigsten gibt es Vorbilder für junge Japanerinnen, denen gezeigt wird, dass man in Japan berufstätig und Mutter sein kann. Vor allem sind die wenigsten Arbeitgeber nachsichtig und haben oftmals kein Verständnis dafür, wenn die Angestellte in Mutterschaft geht und wieder in das Unternehmen einsteigen möchte. Hinzu kommt noch, dass Frauen für dieselbe Tätigkeit im Schnitt ca. 27 % weniger Gehalt als Männer erhalten. Von Gleichberechtigung also keine Spur. Außerdem fallen immer Überstunden zu den festgelegten 40-Wochenstunden an, die ein Hindernis für Berufstätige mit Familie sein können. Jedoch gibt es noch eine weitere Option: sich selbständig zu machen. Dies bietet den Frauen flexiblere Arbeitszeiten und mehr Perspektive, sodass man Kinder doch noch in seinem Alltag unterbringen kann. Kinderlose Frauen hingegen gelten als „Verlierer“ und so werden selbst die Japanerinnen, die sich für die Karriere entschieden haben, als schlecht angesehen. Zusätzlich steht Japan auch mittlerweile vor einem problematischen demografischen Wandel: die Geburtenrate nimmt konstant ab und die Bevölkerung besteht aus immer mehr älteren Menschen. Bis 2050 wird die Einwohnerzahl laut dem Berliner-Institut für Bevölkerung und Entwicklung um circa 12 % zurückgehen.
Zu wenige Frauen in Führungspositionen
Auf Papier, also im japanischen Gesetz gilt eine Gleichberechtigung der Männer und Frauen, doch die Realität sieht da ganz anders aus. Besonders auffällig ist, dass gerade mal 1 % der Frauen in Führungspositionen tätig sind und somit auch als Arbeitskräfte zweiter Klasse gelten. Vor allem das Steuersystem begünstigt diese Lage nur noch mehr: verdient die Ehefrau weniger als der Mann, steht ihr eine staatliche Rente zur Verfügung, in die sie nicht einzahlen muss und der Mann hat Anspruch auf eine Steuererleichterung. Männer deren Frauen überhaupt nicht berufstätig sind, erhalten auch vom Unternehmen Zuschuss auf das Gehalt. Als Volkswirtschaft ist Japan auf Platz 4. Was die Emanzipation der Frauen angeht,  hängt das Land jedoch noch ein wenig hinter her. Trotz eines neuen Programms, das die Unternehmen mit finanziellen Mitteln anregen will, mehr Frauen in Führungspositionen einzusetzen, gibt es kaum Anfragen. Es zählen nun mal die Jahre, die man dem Unternehmen „treu“ und zuversichtlich bleibt. Deshalb passt es den meisten Unternehmen einfach nicht ins Schema eine verheiratete Frau in eine führende Position einzustellen, da sie womöglich früher oder später in Mutterschutz geht und somit dem Betrieb nicht dauerhaft „treu“ sein kann. Hoffnung ist in Sicht: Mittlerweile gibt es ein japanisches Abteil des Women Corporate Directors (WCD), das Frauen in Führungspositionen unterstützt und einen kulturellen Wandel der Gleichberechtigung der Frau sowohl in Japan als auch international bewirken soll.

Quellen:

Japan Communist Party Die Zeit   Women Corporate Directors

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Kommentare

2 Kommentare

  1. Abe hat auch seinen Teil mit den Womanomics beigetraen. Zwar sind sie, genau wie die Abenomics, gescheitert 30% an Frauen in Führingspositionen in großen Firmen hat auch nicht ganz geklappt aber immerhin hat es einen kleinen Trampelpfad frei gemacht. Immerhin ist der jetzige Bürgermeister Toykos zum ersten mal eine Frau! Immerhin eine kleine besserung.

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