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Ein Neujahrsgruß mit vielen Möglichkeiten

Zu Beginn des neuen Jahres ist es in Japan üblich, Karten mit Neujahrsgrüßen zu versenden. Wie bei uns auch, begrüßt man sich bei den ersten Treffen im Jahr ebenfalls mit einer entsprechenden Floskel. Doch welche ist die richtige für den Chef, gute Freunde, Kollegen oder eine trauernde Person?

Im Japanischen ist es für Ausländer oft schwierig, die richtige Floskel mit der passenden Höflichkeit und intendierten Stimmung auszuwählen. Denn es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, die alle irgendwie unterschiedlich sind. Das ist natürlich auch bei den Floskeln vom Neujahrsgruß nicht anders. Einige sind sehr höflich und formell, haben jedoch eine definitiv fröhliche Intention. Andere dagegen sind vollkommen informell und werden fast nur von Schülern gegenüber engen Freunden genutzt. Welcher Ausdruck ist also wann zu wählen und wie sieht die Auswahl überhaupt aus?

Der Neujahrsgruß steht in einigen Ausdrücken in Verbindung mit dem Frühling

Bevor es die Auswahl der möglichen Neujahrsgruß-Floskeln gibt, kommt zunächst eine kleine Lektion über die Geschichte dieser Ausdrücke. Sie alle stammen – wie es mit Floskeln nun mal üblicherweise so ist – noch aus der Historie des Landes. Traditionell sind diese dadurch mit dem 春 (haru, Frühling) verbunden. Das klingt zunächst vielleicht erstmal seltsam, denn diese Jahreszeit ist noch recht weit entfernt, hat jedoch seinen Grund. Wir nehmen es als ganz selbstverständlich hin, dass Neujahr am 1. Januar und damit mitten im Winter stattfindet. Aber ist das wirklich so?

Die Antwort für beides stammt aus dem Jahr 1872. In diesem Jahr entschied die Meiji-Regierung ziemlich plötzlich, das Kalendersystem umzustellen. Zuvor hatten sie nach dem in Ostasien verbreiteten Mondkalender die Zeit gemessen. Einige Überbleibsel davon sind in der Sprache erhalten geblieben. Beispielsweise ist das Kanji mit dem Monate gezählt und Monatsnamen geschrieben werden 月 (getsu, Monat) das gleiche, wie das für Mond 月 (tsuki). Die Tage 日 (nichi/hi) haben das gleiche Kanji wie Sonne. Und die Floskeln für den Neujahrsgruß aus der Zeit des 旧暦 (kyūreki), des damals benutzten Kalenders, sind weiterhin erhalten geblieben.

Nach dem alten Kalendersystem kamen die お正月(o-shōgatsu, die Neujahrsferien) im Februar. In dieser Zeit war es zwar noch kalt, doch der Frühling stand bereits vor der Tür. Die 梅の花 (ume no hana, Pflaumenknospen) sollten kurz darauf zu blühen beginnen. Daher stammt die Verbindung des neuen Jahres mit dem 立春 (risshun, ersten Tag des Frühlings). Aus dieser Zeit stammen somit die Redewendungen zum neuen Jahr 新春 (shinshun, neuen Frühling), 迎春 (geishun, den Frühling willkommen heißen) oder 初春 (hatsuharu, erster Frühling).

Das Neujahrsfest und damit auch die Ausdrücke für den Neujahrsgruß wandeln sich

In den letzten Jahren berichteten japanische Medien vermehrt davon, dass das お正月(o-shogatsu, neue Jahr) immer lockerer und trivialer wurde. Wo es früher eine ganz besondere und bewusst gefeierte Zeit war, ist es mittlerweile vor allem in den jüngeren Generationen eine Nacht des Feierns. Eine Tradition hat sich jedoch weiterhin nicht geändert. 元旦 (gantan, der erste Tag des neuen Jahres) ist weiterhin ein Feiertag mit großem Gewicht. Vor allem in diesem Jahr kommt noch dazu, dass er das letzte neue Jahr der Heisei-Zeit markiert, da Kaiser Akihito bald abdankt und sein Sohn zum nächsten Kaiser wird.

Auch wenn es ein wenig so klingt, als sei die Tradition an diesem Tag verloren gegangen – auch wenn man an die immer weniger geschriebenen Neujahrskarten denkt – so hat der Neujahrstag immernoch eine ganz besondere und große Bedeutung in Japan. Es ist die vielleicht wichtigste Feier des Jahres. Auch weil in dieser Zeit der perfekte Moment für einen Neuanfang geboten wird. Alles Alte kann entsorgt und Neues erworben werden. Auch diese Praktik ist eine alte Tradition. In der späten Edo-Periode (etwa von 1750 bis 1860) war es üblich, dass wohlhabende Händler alle Tatami- (Bambus-) Matten und Fusuma (Papier-Schiebetüren) ihres Ladens erneuern. Dies machten auch die, die es sich eigentlich kaum leisten konnten, um ein flourierendes Geschäft zu präsentieren. Die Überbleibsel dieser Praktiken zeigen sich eher im Kaufrausch vieler, die alte Gegenstände durch neue ersetzen wollen.

Nicht nur in gelockerten Traditionen, sondern auch im Neujahrsgruß an sich zeigen sich Veränderungen

Viele der älteren Japaner stecken noch mehr Anstrengung in die Traditionen zum neuen Jahr. Heutzutage ist es für viele schon zu anstrengend, den angemessenen Neujahrsgruß auszusprechen. Aus “明けましておめでとうございます.” (“Akemashite omedetō gozaimasu.”, “Gratulation zum Start des neuen Jahres”) wurde bei vielen “アケオメ” (“Akeome”), eine Verkürzug des ursprünglichen Ausdrucks, oder sogar “ハッピーニューイヤー” (“Happii nyū iyā,” “Happy New Year”). Lediglich gegenüber dem Chef und auf Grußkarten an Kollegen oder die Großeltern bleibt es bei dem ursprünglichen Gruß.

Generell sollte man auf Karten besser den traditionellen Neujahrsgruß “明けましておめでとうございます.” (“Akemashite omedetō gozaimasu.”) verwenden. Es gibt jedoch eine Ausnahme. Sowohl die Gesprochene als auch die Geschriebene Floskel, mit der man sich an trauernde wendet, ist eine andere. Denn im traditionellen Neujahrsgruß steckt “おめでとう” (“omedetō”), also Glückwünsche. Dies ist eher unpassend. Daher gibt es für diesen Anlass eine neutralere Version. “明けまして.” (“Akemashite”) allein ist zwar auch in Ordnung, besser jedoch eignet sich “謹んで新年のご挨拶を申し上げます.” (“Tsutsushinde shin’nen no go-aisatsu o mōshiagemasu.” “Ich setze respektvoll meine Grüße für das neue Jahr fort”). Das Verb 謹む (tsutsushimu, rücksichtsvoll sein) ist generell ein sehr höfliches und angemessenes Wort, auch gegenüber dem Chef oder anderen Höhergestellten. “謹賀新年” (“kinga shin’nen”, “respektvoll das neue Jahr willkommen heißen”) ist eine perfekte und überall passende Phrase, die in jeder Situation vollkommen unbedenklich ist.

Alle wichtigen Floskeln im Überblick:
Um nun nochmal bei all den vielen Infos zum eigentlichen Kern zurück zu kommen, folgt eine Übersicht über alle möglichen Floskeln und den Kontext der Verwendung, sowie No-Go’s.

新春 (shinshun, neuer Frühling)
お正月(o-shogatsu, die Neujahrszeit)
迎春 (geishun, den Frühling willkommen heißen)
初春 (hatsuharu, erster Frühling)
„明けましておめでとうございます.” (“Akemashite omedetō gozaimasu.”, “Gratulation zum Start des neuen Jahres”) auf Neujahrskarten, nicht gegenüber Trauernden
“明けまして.” (“Akemashite”) weniger höflich, gegenüber Trauernden in Ordnung
“アケオメ” (“Akeome”), eine Verkürzug des ursprünglichen Ausdrucks, nur gegenüber Freunden
“ハッピーニューイヤー” (“Happii nyū iyā,” “Happy New Year”) nur gegenüber Freunden
„謹んで新年のご挨拶を申し上げます.” (“Tsutsushinde shin’nen no go-aisatsu o mōshiagemasu.” “Ich setze respektvoll meine Grüße für das neue Jahr fort”) perfekt in jedem Kontext
“謹賀新年” (“kinga shin’nen”, “respektvoll das neue Jahr willkommen heißen”) perfekt in jedem Kontext

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