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Japan erleben Ein paar Hiragana in der „fremden“ Suppe

Ein paar Hiragana in der „fremden“ Suppe

Im Japanischen ist eigentlich festgelegt, dass fremde Wörter nicht mit Hiragana, sondern mit den Katakana zu schreiben sind. Doch einige Worte bilden eine Ausnahme. Warum ist das so?

Die grundsätzlichen Konventionen zur japanischen Schriftsprache existieren bei weitem nicht so lange wie die meisten Worte. Die Geschichte der japanischen Schrift und die Entwicklung der Hiragana und Katakana ist lang. Und vor allem zu Beginn gab es keine Trennung zwischen den beiden Schriftsystemen. Manch einer schrieb ausschließlich in Katakana (selbst ohne Kanji) manche nutzten beide, andere schrieben alles in Hiragana. Lange Zeit war nicht einmal festgelegt, wie die einzelnen Zeichen genau auszusehen hatten. So schrieb jeder in seiner ganz eigenen Version und es gab viele verschiedene Schreibweisen. Erst nach und nach begannen Gelehrte und Schriftsteller in ihren Texten fremdartige Worte herauszuheben. Jedoch weiterhin nicht gesondert nur in Katakana, auch wenn dies meist der Fall war. War ein Text grundsätzlich in Katakana und Kanji geschrieben, fielen die Hiragana mehr auf und so waren sie für fremde Worte reserviert.

Fremde Hiragana-Worte kommen oft aus der Edo-Zeit

In der Edo Zeit von 1603 bis 1868 gab es die heutigen Regeln zur Schriftsprache noch nicht. Es konnten auch noch längst nicht alle Japaner schreiben. Doch in dieser Zeit kamen viele fremde Worte in das Land. Die Portugiesen, die hauptsächlich zu Missionierungszwecken nach Japan kamen, brachten Worte wie たばこ (tabako, Zigarette), ぱん (pan, Brot), てんぷら (tenpura, Tempura) und かすてら (kasutera, Castella) mit. Viele dieser Worte sind einfach in Hiragana übernommen worden, lediglich „ぱん“ – „パン“ (Brot) schreibt man heute eher in Katakana.

Auch für fremde, exotische Früchte gilt die gleiche Regel mit ähnlicher Begründung. Beispiele hierfür sind とまと (tomato, Tomate), きゃべつ (kyabetsu, Kohl), れもん (remon, Zitrone) and ばなな (banana, Banane). Vor dem internationalen Handel waren all diese Obst- und Gemüsesorten nicht in Japan erhältlich, doch mittlerweile gehören sie zu lokalen Lebensmitteln. Die Früchte und ihre Namen sind in das Land und die Sprache integriert und scheinen sogar nicht mehr fremd oder exotisch. Außerdem ist eine eher einheimische Schrift für lokale Kunden ansprechender.

„Einheimische“ Schrift in Hiragana für engere Verbindung zwischen Kunde und Produkt

Teilweise kommt die Schreibung in Hiragana jedoch nicht nur aus der Geschichte der Wörter. Denn auch neue Worte und sogar Namen sind manchmal nicht in Katakana geschrieben. Sie erhalten die vertrauteren, „einheimischen“ Zeichen, um Verbindungen zu den Produkten oder Marken zu suggerieren. Denn Katakana unterstreichen immer wieder die Fremdartigkeit des Wortes und damit auch der Marke oder des Produktes, das dahintersteht. Sie heben sich aus Texten und somit aus der Masse ab, lassen keine enge Verbindung zu. Daher schreiben manche Marken ihre Namen eben nicht in Katakana. Aus dem gleichen Grund ist auch はろうきてぃ (harou kiti, Hello Kitty), die offensichtlich eine ausländische Marke mit sehr deutlich englischen Worten ist, in Hiragana geschrieben. Die Katakana-Schreibweise sieht fremd und unpassend aus. Daher ist fast nie, vor allem nicht wenn die kleine Katze japanische Kleidung trägt, die Katakana-Schreibweise (ハローキティ) verwendet.

Eine Mischung von Katakana- und Hiragana-typischen Schreibregeln findet sich im aus dem Englischen stammenden Namen des Comedy-Duos さまぁ~ず (samaāzu). In Hiragana ist ein langer Vokal durch das Anhängen desselben dargestellt. Ausnahmen bilden meist das „o“, bei dem ein „u“ zur Streckung angehängt wird, sowie oft das „e“, bei dem „i“ anzufügen ist. Die Längungen sehen dann zum Beispiel mit einigen Kombinationen mit Konsonanten wie folgt aus: さあ (saa)、ねえ (nee)/せい (see)、とう(too)、きい(kii). In Katakana gibt es dieses Anhängen eines Vokals nicht. Hier wird ein „-“angehängt. Bei さまぁ~ず (samaāzu) ist das a besonders gelängt. Auch solche Mischungen kommen manchmal vor. Vor allem kommerzielle Firmen- oder Markennamen haben eine solche ungewöhnliche Schreibweise.

Bekanntes und Fremdes vermischt

Manche Firmen setzen darauf zu zeigen, dass eine Vermischung von Hiragana und Katakana stattfand. Denn auch einige alltägliche Worte existieren als Mix zwischen beiden Schriftsystemen. Beispiele für die Vermischung sind らいふアシスト (raifu ashisuto, Life Assist), oder ein Badespielzeug für Kinder ころころスプラッシュあいらんど (korokoro supurasshu airando, Splash Island) oder auch das Wort für Radiergummi けしゴム (keshigomu). Auf diese Weise zeigt auch die Schreibweise, dass es nicht ganz fremd und trotzdem nicht komplett heimisch ist. Auch まいばすけっと (mai basuketto, My Basket), eine Kombination auch Convenience Store (24 Stunden geöffnete kleine Märkte) und Supermarkt.

All diese Vermischungen sind sehr verwirrend und vor allem für Nicht-Muttersprachler besonders kompliziert. Denn einige kommen nicht immer vor. Je nach Kontext wird ein fremdes Wort mal in Katakana, mal in Hiragana geschrieben. Doch ein paar Regeln gibt es schon. Zum Beispiel ist es sehr unwahrscheinlich eine ungewöhnliche Hiragana-Schreibweise oder sogar eine Kombination beider in professionellem Umfeld zu finden. Arbeits-E-Mails haben beispielsweise fast nie solcherlei Besonderheiten. Einige alltäglich gemischt geschriebene Worte oder bestimmte Firmennamen müssen jedoch einfach gelernt werden.

Quelle: JapanTimes

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