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Einblick in das Studienfach Japanologie

Habt ihr euch auch schon einmal überlegt, eure Leidenschaft in Zukunft zum Beruf zu machen? Auch, wenn es andere Wege gibt, ist für Viele in diesem Fall ein Japanologie-Studium die erste Wahl. Doch ist dieses auch wirklich so, wie ihr es euch vorstellt? Sumikai liefert euch in diesem Special einen Blick hinter die Kulissen der Studienwelt Deutschlands.

Mehr als nur Sprachunterricht… und noch mehr Sprachunterricht

Falls ihr euch für das Studium Japans im Hauptfach entscheidet, solltet ihr euch auf jeden Fall darüber im Klaren sein, dass eine große Menge an Sprachunterricht auf euch zukommen wird. Und damit meine ich eine sehr große Menge. Je nach Universität könnt ihr mit 10-20 Stunden Sprachunterricht pro Woche im ersten Semester rechnen – hierbei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass zusätzlich dazu noch einmal Zeit für Hausaufgaben sowie dem Lernen von Vokabeln und dem Vor- und Nachbereiten des Unterrichtsstoffes dazu kommen. Und auch das Lesen und Schreiben von Kanji darf nicht vergessen werden – hieran kommt kein Japanologe vorbei. Aus 10-20 Stunden werden deshalb oftmals 20-40 Stunden, die ein Student der Japanologie pro Woche mit der japanischen Sprache beschäftigt ist – und dies ist noch längst nicht alles.

Zusätzlich dazu kommen je nach Universität und Studiengang noch weitere Lehrveranstaltungen hinzu, für die man ebenfalls nochmal Vor- und auch Nachbereitungszeit einrechnen muss. Darunter fallen z.B. Vorlesungen zur Geschichte und Kultur Japans, der Politik und auch der Literatur – in den meisten Fällen sind dies Pflichtveranstaltungen, an denen man nicht vorbei kommt. Die wissenschaftliche Arbeit steht auch in der Japanologie im Vordergrund, auch, wenn es im ersten Moment vielleicht anders erscheint.

Weiterhin müsst ihr dazu bereit sein und auch darauf hinarbeiten, mindestens ein halbes Jahr oder besser noch ein ganzes Jahr in Japan zu verbringen, sei es durch ein Praktikum, ein Auslandssemester oder Work and Travel – Auslandserfahrung ist in diesem Bereich die Pforte zu einem Beruf. Was sonst wollen potentielle Arbeitgeber von euch, wenn nicht gute Sprachkenntnisse und Erfahrungen mit der Kultur und dem Land vor Ort? Diese kann man sich nur schlecht bis gar nicht hier in Deutschland aneignen, selbst dann, wenn man hier oft mit Japanern zu tun hat.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass man an den meisten Universitäten nicht allein Japanologie studiert – ihr werdet zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch ein Nebenfach oder ein zweites Hauptfach haben, mit dem ihr euch abmühen müsst – weshalb noch eine ganze Menge weiterer Stunden pro Woche auf euch zukommen werden, die nichts mit Japan am Hut haben.

Hohe Abbruchquoten

„Schaut einmal nach rechts und einmal nach links – die Leute, die ihr hier seht, werden nächstes Semester vermutlich schon wieder weg sein.“ Dies war das erste, was uns zu Beginn des Studiums in der Einführungsveranstaltung gesagt wurde; im Nachhinein kann ich dieses Zitat nur bestätigen.

Viele Studenten gehen an dieses Studienfach mit der Annahme heran, dass sie durch ihr Interesse beflügelt schon irgendwie durch das Studium durchkommen werden; ein Trugschluss, wie sich später oft herausstellt. Wie bereits oben erwähnt, kommt auf Studenten der Japanologie eine sehr große Menge an Arbeit zu – und auch, wenn die Anzahl der Stunden pro Woche in späteren Semestern abnimmt, wird die Arbeit gefühlt trotzdem noch mehr: Bereits nach kurzer Zeit wird man als Student nicht mehr „an die Leine genommen“, wie es in der Schule immer der Fall war – es wird erwartet, dass man sich selbst weiterbildet, selbst lernt – spätestens bei Klausuren fällt man demnach mächtig auf den Hintern, wenn man sich über das Semester hinweg nicht durchgängig mit der Materie beschäftigt hat, auch ohne regelmäßige Aufforderung. Bulimie-Lernen mag zwar in Vorlesungen noch drin sein, spätestens beim Sprachkurs bringt einen dieses jedoch oftmals nicht mehr weiter, da der Kurs im nächsten Semester auf dem Vorgängerkurs aufbaut und man deshalb früher oder später den Anschluss verliert.
Doch nicht nur dies trägt zu den teils hohen Abbruchquoten (bei meiner Universität ungefähr 70%) bei: Überfüllte Kurse in den ersten Semestern nötigen Unis ohne eine Begrenzung für Erstsemester dazu, vor allem in den Sprachkursen auf heftigste Art und Weise auszusieben. Der hohe Ansturm auf das Fach Japanologie, das zumeist in kleineren Instituten beheimatet ist, muss immerhin irgendwie bewältigt werden. Dies mag jetzt vielleicht hart klingen – aber wer in den ersten beiden Semestern nicht am Ball bleibt und sich einen ordentlichen Lernrhythmus antrainiert, ist in den meisten Fällen raus. Wiederholen ist zwar eine Option, aber oftmals bei dem vor allem japanisch-stämmigen Lehrpersonal nur ungern gesehen.

Japanologie – eine gute Erfahrung?

Natürlich kann man damit argumentieren, dass jedes angefangene Studium eine gute Erfahrung im Leben ist – dem möchte ich hier auch nicht widersprechen. Dennoch möchte ich mit diesem Artikel noch einmal betonen, dass man es sich genau überlegen sollte, ob man denn diesen Weg auch wirklich einschlagen und diese ganze Arbeit auf sich nehmen möchte – und auch kann.

Wenn man z.B. nicht völlig auf Freizeit verzichten möchte und auch nicht vorhat, die Regelstudienzeit zu überschreiten, wird man es schwer haben, besonders zu Beginn des Studiums Uni und Nebenjob unter einen Hut zu bringen. Bafög als staatliches Fördermittel ist in diesem Fall die bessere Lösung, wird aber leider nicht jedem bewilligt – und existiert auch leider nur in Deutschland.

Dennoch kann man sagen, dass es sich durchaus lohnt, ein Studium der Japanologie auf sich zu nehmen. Die Erfahrung, eine Sprache wie Japanisch zu lernen, kann niemals verkehrt sein; dadurch zeigt man auch potentiellen Arbeitgebern, dass man durchaus die Ausdauer hat am Ball zu bleiben, selbst, wenn man es mit so einem komplexen Thema wie der japanischen Sprache zu tun hat. Dies ist im Übrigen auch der Fall, wenn man nach einem abgebrochenen Studium mit Sprachkursen nebenher am Ball bleibt, falls einem das Studium am Ende doch nicht liegen sollte.

Schlussendlich kann man also sagen, dass Japanologie ein schwieriges Studienfach ist, das einem als Student mehr abverlangt, als man es als zu Beginn vermutet. Wenn man jedoch dazu bereit ist am Ball zu bleiben und eine Menge Zeit zu investieren, bekommt man auch viel zurück – auch jobtechnisch, obwohl man oftmals Anderes hört. Man wird zwar nur selten das Glück haben schlussendlich bei der Traumfirma zu landen, aber bei einem einigermaßen guten Abschluss stehen einem viele Türen offen – vor allem bei mittelständigen und auch japanischen Unternehmen in Deutschland. Macht euch dennoch auf die wohl meistverhasste Frage aller Japanologen gefasst, die ihr sehr häufig hören werdet: „Du studierst Japanologie? Und was macht man dann damit?“

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3 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel. Mich würde noch interessieren auf welcher Uni du bist und welches Nebenfach bzw. zweites Hauptfach kann man nehmen (welches macht am meisten Sinn)?

  2. Mir gefällt der Artikel sehr gut, da mich das Thema seit langer Zeit interessiert. Ich würde mir das gleiche zum Thema “Japanische Kultur“ (also das Studienfach) wünschen und einen 2. Part zum Japanologie-Artikel, in dem ausführlich die Frage „Du studierst Japanologie? Und was macht man dann damit?“ beantwortet wird. 🙂

    Mfg

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