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Positive und negative Auswirkungen der Besetzung

75 Jahre nach der Kapitulation Japans – Geschichte der Besetzung des Landes

Am 2. September 1945 markiere die Kapitulation Japans mit einer Unterschrift an Bord des Schlachtschiffes USS Missouri in der Bucht von Tokyo das Ende des Pazifikkriegs.

Damit begann eine Zeit der Besetzung Japans, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes.

Angeführt von den Vereinigten Staaten unter dem Oberbefehlshaber der Alliierten Mächte, General Douglas MacArthur, haben das Vereinigte Königreich, Indien, Australien und Neuseeland unterstützende Rollen in der alliierten Besatzung gespielt, die bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags von San Francisco am 8. September 1951 andauerte. Der Vertrag trat am 28. April 1952 in Kraft.

Was war der Zweck der Besatzung Japans nach der Kapitulation?

Die Besatzung hatte in der Nachkriegszeit zwei unmittelbare Ziele.

Das erste Ziel war, sicherzustellen, dass Japan nie wieder zu einer Bedrohung für die USA oder den Rest der Welt werden würde. Das zweite Ziel war die letztendliche Einsetzung einer friedlichen und verantwortungsbewussten Regierung, die die Rechte anderer Staaten respektieren und die USA und die Vereinten Nationen unterstützen würde.

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Um diese Ziele zu erreichen, unterstand die Autorität des Kaisers und der japanischen Regierung MacArthur, der über weitreichende Befugnisse verfügte, um die Kapitulationsbedingungen durchzusetzen und eine neue politische und wirtschaftliche Politik einzuführen.

Die Besetzung Japans dauerte sechs Jahre lang an.

Besatzungssoldaten besuchen einen Nachtclub
Besatzungssoldaten besuchen einen Nachtclub, Bild: Yokosuka City Council / Wikimedia

Welche Reformen wurden verfolgt?

Entmilitarisierung und die Zerschlagung der großen japanischen Industriekonzerne, bekannt als Zaibatsu, waren zwei Hauptziele.

Die Besatzung führte auch Landreformen durch, die den Bauern und Kleinbauern mehr Rechte einräumten. Gewerkschaften wurden erlaubt und durch Bildungsreformen ein Schulsystem nach amerikanischem Vorbild geschaffen. Außerdem wurde die  Vermittlung demokratischer Werte gefördert.

Die Besatzungsbehörden arbeiteten auch mit Kaiser Hirohito, posthum Kaiser Showa genannt, zusammen, nachdem sie sich darauf geeinigt hatten, dass er nicht abdanken oder als Kriegsverbrecher verfolgt werden würde, um die Japaner zu ermutigen, ihn eher als konstitutionellen Monarchen nach dem Vorbild des britischen Systems zu betrachten.

(Video: Universal Studios Audio/Visual: sound, b&w)

Die Besatzung zwang Japan auch eine neue Verfassung auf, die das Vorkriegsdokument ersetzen sollte, das dem Kaiser weit mehr politische Macht gegeben hatte. Sie wurde 1946 verkündet und trat 1947 in Kraft. Bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung kam es häufig zu Zusammenstößen zwischen Besatzungsbeamten und konservativen hochrangigen japanischen Führern, insbesondere bei der Ausweitung der Rechte des Volkes.

Wo mischten sich die Besatzer noch ein?

Trotz einer offiziellen Politik zur Förderung der Redefreiheit übten die Besatzungsbehörden eine starke Zensur gegenüber den japanischen Medien aus.

Am 19. September 1945 gab MacArthur einen Pressekodex heraus, der den Druck jeglichen Materials untersagte, das die öffentliche Ruhe stört und sagte, dass destruktive Kritik an der Besatzung oder Artikel, die Misstrauen oder Ressentiments gegenüber den Truppen hervorriefen, nicht erlaubt seien.

Ausführliche Berichte über die Auswirkungen der Atombombenstrahlung in Hiroshima und Nagasaki wurden ebenfalls untersagt und die Besatzungszensur verbot Artikel, die das Vorgehen Japans in Kriegszeiten rechtfertigten, angeklagte Kriegsverbrecher verteidigten oder militärische oder nationalistische Propaganda enthielten.

Artikel über Schwarzmarktaktivitäten, Hungersnöte (ein großes Problem in Japan im Winter 1945) oder Beziehungen zwischen Besatzern und japanischen Frauen waren ebenfalls verboten worden.

Wie hat sich die Besatzung im Laufe der Zeit verändert?

1949 veranlassten die Ereignisse innerhalb und außerhalb Japans die Besatzer, ihre früheren Reformen zu überdenken. Die Sowjetunion hatte eine Atombombe und in jenem Jahr fand die chinesische kommunistische Revolution statt.

In Japan war die Hyperinflation ein Problem. Mit der Ankunft des Detroiter Bankiers Joseph Dodge, ebenfalls 1949, wurde sie unter Kontrolle gebracht.

Seine „Dodge-Linie“ der Politik umfasste den Ausgleich des Staatshaushalts und die Festlegung des Wechselkurses auf  360 Yen zum Dollar sowie unpopuläre Sparmaßnahmen.

Das Endergebnis der Politik von Dodge war, dass sich Japan in späteren Jahrzehnten darauf konzentrierte, eine industrielle Exportmacht zu werden.

Ende der 1940er-Jahre ging die Besatzungsmacht härter gegen inländische japanische Gruppen vor, die man für gefährlich hielt. Dazu gehörten Gewerkschaften und andere Gruppen, die direkt oder indirekt mit Sozialisten und Kommunisten in Verbindung standen.

Auf der anderen Seite wurden viele antikommunistische Konservative und Rechtsextreme, die 1945 als mutmaßliche Kriegsverbrecher verhaftet worden waren, freigelassen, um als amerikanische Verbündete im weltweiten Kampf gegen den Kommunismus zu helfen. Diese Ereignisse waren Teil dessen, was als der „umgekehrte Kurs der Besatzung“ bekannt wurde.

War die Besatzung auf die Hauptinseln Japans beschränkt?

Die Inseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu standen unter der Kontrolle des Oberbefehlshabers der Alliierten Mächte, aber die USA hatten die alleinige Autorität über Okinawa, die sie bis zu dessen Rückgabe an Japan im Jahr 1972 beibehalten hatte.

Der ehemalige japanische Kolonialbesitz wurde unter den anderen alliierten Nationen aufgeteilt.

China erhielt die Kontrolle über Taiwan, die Sowjetunion hatte die Befehlsgewalt über Süd-Sachalin – das Japan 40 Jahre zuvor von Russland übernommen hatte – sowie über die Kurilen-Inseln, von denen die vier nächstgelegenen japanischen Inseln nach der Rede von Kaiser Hirohito vom 15. August, in der er die Kapitulation der Nation verkündete, von der Sowjetunion überfallen wurden.

Die koreanische Halbinsel wurde in ihrer Mitte geteilt. Die USA übernahmen die Kontrolle über den südlichen Teil der Halbinsel, der 1948 zu Südkoreas wurde. Ebenfalls 1948 erhielt die Sowjetunion die Kontrolle über das Land nördlich des 38. Breitengrades, das 1948 zu Nordkorea wurde.

Inseln im Pazifik, einschließlich Guam, wurden von der UNO als Nicht-Selbstverwaltungsgebiete eingestuft, aber von den USA verwaltet.

Was ist das Vermächtnis der Besatzung?

Die Anfangsphase wird von Historikern gewöhnlich als politischer und diplomatischer Erfolg angesehen, insbesondere von amerikanischen Beamten. Auf persönlicher Ebene erzählen Japaner, die in dieser Zeit Kinder waren, immer noch Geschichten von amerikanischen G.I.s, die Kaugummi, Eiscreme und Schokolade austeilten.

Die amerikanische Popkultur, die mit den Besatzungstruppen ankam, von Filmen bis hin zur Musik, blühte auf, was vor allem in den USA zu der Ansicht beitrug, dass sie erfolgreich war. Die friedliche Reaktion des japanischen Volkes auf die Anwesenheit so vieler alliierter Truppen bedeutete auch, dass die Besatzung sich keine Sorgen machen musste, bewaffnete Rebellionen niederzuschlagen, während sie versuchte, ihre Politik umzusetzen.

Historiker in Japan und im Ausland sind sich im Allgemeinen darin einig, dass die Besatzung viele ihrer frühen Ziele erreicht hat, darunter die Entwaffnung, die Rückführung der japanischen Truppen ins Ausland, die Ratifizierung einer neuen Verfassung, die auf demokratischen Werten beruht, Landreformen, mehr Gleichberechtigung für Frauen und eine Außenpolitik, die Japan zu einem engen Verbündeten der USA machte.

Aber die von der Besatzung ausgeübte Zensur, die Freilassung und Rückkehr der wegen Kriegsverbrechen verhafteten Menschen an die Macht und das harte Durchgreifen gegen Sozialisten und Kommunisten schufen Probleme, die noch lange nach dem Ende der Besatzung andauerten. Die Entscheidung MacArthurs, Kaiser Hirohito nicht als Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen, löste bei anderen verbündeten Nationen Ärger aus.

Ein weiteres Problem, das nach wie vor ungelöst ist, ist die Frage der von der Sowjetunion besetzten Inseln und eines separaten Friedensvertrags mit Russland, das den Friedensvertrag von San Francisco nicht unterzeichnet hat.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Sicherheitsvertrag zwischen den USA und Japan, der nach der Besetzung geschlossen wurden.

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