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Erinnerungen an verblasste Zeiten

Ao-Nyobo – die tragische Gestalt der japanischen Folklore

Ao-Nyobo (青女房), die „blaue Dame“, ist ein Geist mit einer besonders traurigen Geschichte. Sie steht für den verblassten Glanz vergangener Zeiten.

Bei Ao-Nyobo handelt es sich um eine der vielen Yokai in der japanischen Folklore. Überlieferungen zufolge ist sie der Geist der Armut und des Unglücks. Die „blaue Dame“ ist Symbol für die damaligen Hofdamen, die es niemals geschafft haben, einen Ehemann für sich zu gewinnen.

Ao-Nyobo existiert nur in verlassenen Häusern

Der Geist taucht ausschließlich in altehrwürdigen Häusern auf, die verlassen und verwahrlost sind. Dort hält sie sich zumeist in den ehemaligen Ankleideräumen oder den Gemächern für Damen auf.

Bevor die Bezeichnung Ao-Nyobo in ihrer Bedeutung in eine diffamierende Richtung ging, bezog sich der Begriff im Allgemeinen auf jungfräuliche oder unerfahrene Hofdamen. Diese hatten meist einen niederen Rang am japanischen Kaiserhof inne.

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Die spezielle Dame erinnerte ursprünglich mit ihren prächtigen Gewändern an den Glanz vergangener Zeiten. Der Kleidungsstil geht auf das 9. Jahrhundert zurück. Kyoto war damals die Hauptstadt Japans, die höfische Kultur befand sich im Aufwind.

Doch der Zahn der Zeit nagte an dem Yokai und so verblichen ihre Kleider und hungrige Motten taten ihr Übriges. Ihr von Falten übersätes Gesicht, im Laufe der Jahre entstellt, sieht einer garstigen Hexe ähnlich. Hohe Augenbrauen und schwarze Zähne waren damals die Statussymbole edler Frauen, auch diese hat der furchteinflößende Geist für sich übernommen. Ihr weiß geschminktes Gesicht ergänzt das Bild.

ao-nyobo
Die Abbildung zeigt Ao-Nyobo, die ihr Haar und ihr Makeup in einem verlassenen Kaiserpalast richtet. Bild: Wikimedia Commons

In der japanischen Folklore werden die Seelen verlassener Edelfrauen aus der Heian-Zeit als Ao-Nyobo beschrieben. Während um sie herum unlängst die Welt, die sie kannten, zusammenbrach; Prunk, Glanz und Gloria verblassten, saßen sie weiter vor ihrem Spiegel im verlassenen königlichen Palast und kämmten ihr Haar.

Man sagt, die „blaue Dame“ mit dem furchteinflößenden Gesicht warte auf einen Verehrer. Diese kamen in den vergangenen glanzvollen Zeiten nachts oft heimlich zu ihrer Angebeteten. Mit innigen Schwüren betonten sie ihre Liebe, nur um im Morgengrauen wie bei Romeo und Julia wieder zu entschwinden.

Wehmut und Sehnsucht nach Liebe

Ao-Nyobo sehnt sich nach einer Liebe wie dieser. Und genau aus diesem Grund fristet sie ihr Dasein in alten Häusern und wartet, während sie Haare und Make-up richtet, auf ihren Angebeteten. Mit jedem weiteren Tag schwingt dabei auch die Hoffnung mit, den Glanz vergangener Tage wieder erleben zu dürfen. Lebt sie im verlassenen Haus einer reichen Familie, wartet sie zum Beispiel auf die Rückkehr des Ehemanns oder Herrschers, der einst dort lebte.

Mehr Wissenswertes zu Ao-Nyobo erfahrt ihr in diesem Video (Sprache: japanisch):

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Eindringlinge, die sich versehentlich der temperamentvollen „blauen Dame“ nähern, haben im Übrigen schlechte Karten. Auf diese stürzt sich Ao-Nyobo nämlich und verschlingt sie.

Bildquelle: Ao-Nyobo

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