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Sie waren die ersten Japaner, die Europa besuchten

Ausgrabungen in Nagasaki bringen Grab eines japanischen Gesandten aus dem 16. Jahrhundert zum Vorschein

Die Geschichte des Christentums in Japan ist kompliziert, teils freudig begrüßt, teils gefürchtet, verachtet und verfolgt. Einer ihrer wichtigsten Protagonisten stammte aus der Region des heutigen Nagasaki. Sein Grab konnte nun von einer privaten Initiative identifiziert werden.

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Im 16. Jahrhundert war die südliche japanische Insel Kyushu die christliche Hochburg im Land. Um die Verbindung zum Papst in Rom zu stärken, entsandten die zum Christentum übergetretenen regionalen Fürsten darum 1582 vier junge Männer auf den langen Weg nach Europa. Acht Jahre waren sie unterwegs, ihre Reise wurde unter dem Namen “Tensho-Gesandschaft” bekannt.

Chijima Miguel – einer der ersten Japaner in Europa

Die vier Gesandten waren die ersten Japaner, für die historisch ein Aufenthalt in Europa belegt ist und prägten für die nächsten Jahrhunderte das Bild des Westens von Japan. Am 23. April 2022 verkündete ein privates Grabungsteam nun, dass sie das Grab von Chijiwa Miguel identifizieren konnten, einem der vier Gesandten.

Damit ist die Geschichte der Tensho-Gesandschaft um ein Kapitel reicher. Denn was nach ihrer Rückkehr nach Japan mit den Gesandten geschah, ist nur wenig erforscht. Während ihrer achtjährigen Reise hatten politische Veränderungen in Japan dazu geführt, dass das Christentum unterdrückt und verfolgt wurde. Chijiwa Miguel entsagte darum dem Glauben und lebte bis zu seinem Tod mit seiner Frau in Nagasaki.

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Ins Leben gerufen wurde das Team von Asada Masahiko, einem Nachfahren Miguels, der mehr über den Verbleib seines Ahnen herausfinden wollte. Darum holte er Oishi Kazuhisa ins Team, der die praktischen Arbeiten leitete. Erklärtes Ziel war es, Miguels letzte Ruhestätte zu finden. Dabei stießen sie auf eine vielversprechende Grabanlage in der Stadt Nagasaki.

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Im Jahr 2014 begannen die Grabungsarbeiten, die mehrere Jahre andauerten, bis im Sommer 2021 schließlich ein 1,4 Meter langer hölzerner Sarg entdeckt wurde. Die darin enthaltenen Knochen wurden von Experten als Überreste eines Mannes identifiziert, auch die Knochen einer Frau fand das Team an der Grabungsstelle.

Identifizierung des Grabs und des Toten durch renommierten Professor

Die endgültige Beurteilung der Funde übernahm Tanagawa Akio, Professor der Waseda University und früherer Vorsitzender der Japanese Archaeological Association, der als Berater für das Grabungsprojekt fungierte. Er kam zu dem Schluss, dass es sich bei den gefundenen Knochen um die von Chijiwa Miguel und seiner Ehefrau handelte.

Tensho-Gesandschaft bei Papst Gregor XIII
Die Tensho-Gesandschaft beim Treffen mit Papst Gregor XIII. im Jahr 1585 auf einem Gemälde von 1655, Künstler unbekannt. Bild: Wikimedia

Die Identifizierung wurde erschwert durch die alte japanische Praxis, Verstorbenen spezielle “Totennamen” zu geben. Ein Grabstein mit solchen posthum verliehenen Namen, von denen angenommen wird, dass sie zu den Chijiwas gehören, wurde auch gefunden.

Das Datum auf dem Stein passt laut Tanigawa zum Todesdatum Miguels, auch andere Gegenstände aus dem Grab können auf die entsprechende Zeit datiert werden. Das Team ist sich darum sicher, endlich das Geheimnis um die letzte Ruhe des Tensho-Gesandten Chijiwa Miguel gelüftet zu haben.

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