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Japan im Zweiten Weltkrieg

Der Untergang der Yamato als Symbol für Japans Kriegswahnsinn

Im April gedenken die Japaner der Kriegsopfer, die die Selbstmordmission des Schlachtschiffs Yamato forderte. Die Erzählungen, die sich noch heute um den Untergang des Schiffs ranken, klingen heroisch – doch das ist nur eine Seite der Medaille.

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6. April 1945, Tokuyama Bucht, Präfektur Yamaguchi: Das kaiserliche japanische Kriegsschiff Yamato lichtet den Anker, um zu einer Mission ohne Wiederkehr aufzubrechen. Ein letztes kämpferisches Aufbäumen steht der Besatzung bevor, mit dem Ziel, trotz der drohenden Niederlage das Gesicht der japanischen Armee zu wahren.

Matrosen sterben bei riskanter „Tokko“-Mission

Zahlreiche junge Menschen, die der Flotte angehörten, wurden geopfert in einem rücksichtslosen Kriegsmanöver, auch „Tokko“-Mission genannt. Überblende Kriegsoffiziere würden noch lange Zeit nach dieser Niederlage erzählen, dass es der freie Wille der Matrosen war, sich auf diese Mission zu begeben. Doch die Erinnerungen der Überlebenden sprechen eine andere Sprache.

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Die Chance, dass die Flotte um die Yamato von ihrem Einsatz zurückkehrt, wurde von Anfang an als sehr gering eingestuft. Dennoch wurde die Flotte mit ausreichend Treibstoff für den Nachhauseweg ausgestattet, und zwar mit 4000 Tonnen Schweröl sowie Sojabohnenöl und anderem Öl. Letztere waren für die begleitenden Zerstörer gedacht. Die Schornsteine dieser Schiffe sollen „wie kochende Bohnen gerochen“ haben.

Den Mitgliedern der Flotte wurde diese Hoffnung auf eine mögliche Wiederkehr nicht gemacht. Bevor die Flotte in See stach, nahmen sie bei einer gemeinsamen Zeremonie Abschied. Die Matrosen verneigten sich dabei zunächst in Richtung des kaiserlichen Palastes in Tokyo, dann in Richtung ihrer jeweiligen Heimatstädte.

Veteranen erinnern sich an den Abschiedsmoment

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„Ich hatte keine Angst vor dem Sterben, aber ich wurde traurig, als mir klar wurde: Ich werde die Kirschblüten nie wieder sehen können“, erinnerte sich ein Veteran. Keiner der Überlebenden sei gefragt worden, ob sie an der Mission teilnehmen wollen. Für sie war klar, dass die Regierung ihr Leben in ihren Händen hält.

Hoffnung und Wahnsinn gaben sich an diesem Tag die Klinke in die Hand. Es gab praktisch keinen Schutz aus der Luft für die Yamato. Nur zehn Flugzeuge wurden zum Schutz der kleinen Flotte abgestellt. Viel zu wenig, wie sich noch herausstellen sollte.

Ein Bericht der kaiserlichen japanischen Marine über die Schlacht vom 7. April 1945, bei der das Schlachtschiff Yamato versenkt wurde. Der Bericht kritisierte den Einsatz der Yamato scharf.
Ein Bericht der kaiserlichen japanischen Marine über die Schlacht vom 7. April 1945, bei der das Schlachtschiff Yamato versenkt wurde. Der Bericht kritisierte den Einsatz scharf. Bild: MA

Hidemi Fujiwara, der auf der Brücke der Yamato Wache hielt, sichtete am Tag des Gefechts zuerst den nahenden Feind. In mehreren Wellen machten sich 113 Kampfflugzeuge der US-Armee bereit, die japanischen Schiffe zu versenken. 52 Jäger, 21 Bomber und 40 Torpedobomber ließen die Hoffnung mit jedem Angriff mehr und mehr sterben.

Auch das Wetter war nicht auf der Seite der Flotte. Fujiwara erinnerte sich, dass die Wolken an diesem verhängnisvollen Tag tief standen. Das nutzen die US-Flugzeuge aus, um sich zu verstecken und dann durch plötzliches Auftauchen ihre Bomben und Torpedos fallen zu lassen.

Die Yamato brachte nur wenige Feinde zu Fall

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Die Yamato feuerte einen ständigen Strom von Flugabwehrfeuer ab, aber „wir brachten so wenig vom Feind zu Fall. Es war sehr frustrierend“, sagte Fujiwara. Dann warf ein US-Bomber seine Ladung praktisch direkt vor ihm ab, die Bombe schlug in der Nähe des hinteren Mastes in das Schiff ein.

Mehrere Angriffswellen später, um 14.23 Uhr, wurde das damals mächtigste Kriegsschiff der Welt von einer gewaltigen Explosion erschüttert und sank. Etwa 4000 Menschen verloren ihr Leben. Die USA verloren bei diesem Einsatz drei Torpedobomber, drei Jagdflugzeuge und vier Bomber und hatten insgesamt 12 Tote zu beklagen.

Nach Außen hin wurden Erfolge kommuniziert

Einen Tag nach dem herben Verlust verkündete Japans kaiserliches Generalhauptquartier die „militärischen Erfolge“ der „Tokko“-Marinegruppen. Doch dies entsprach nicht dem, was sich hinter den Kulissen abspielte. Tatsächlich wurde die zum Scheitern verurteilte Mission der Yamato sowohl innerhalb als auch außerhalb der Flotte scharf kritisiert.

Es soll einige Aussagen geben, die bestätigen, dass die gesamte „Tokko“-Strategie rund um Okinawa in aller Eile zusammengewürfelt worden war. Das Ergebnis ist eine besonders bittere Pille gewesen, die der damalige Kaiser Hirohito schlucken musste und die bis heute einen bitteren Nachgeschmack in der Kriegsgeschichte Japans hinterlässt.

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