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Von Geistern und Monstern

Futakuchi-onna – Die Frau mit dem gefräßigen Zweitmund

Futakuchi-onna (jap. 二口女) ist eine weitere populäre Erscheinung aus der japanischen Geschichte. Ihr widmen wir den fünften Teil unserer Reihe über Geister und Monster.

Sie erscheint als Frau mit langem schwarzem Haar, welches sich vereinzelt wie Schlangen in der Luft bewegt. Ihr Name bedeutet auf Deutsch „Zweimund-Frau“ und bei einem genaueren Blick auf ihr Äußeres wird klar, wieso. Bewegen sich die Haar-Schlangen der Futakuchi-onna kommt am Hinterkopf der auf den ersten Blick harmlos wirkenden Frau ein zweiter Mund mit riesigen Lippen, einer Zunge und übermäßig vielen Zähnen zum Vorschein. Dieser wirkt wie das Maul eines gierigen Raubtiers und ist das Furcht einflößende Merkmal der Futakuchi-onna.

Haare bedecken gespaltenem Schädel

Für die Fütterung dieses Zweitmundes sind die Haarschlangen zuständig, die nach servierten Mahlzeiten schnappen. Befindet sich kein Essen in der Nähe, wird der gespaltene Schädel durch die Haare der Frau bedeckt.

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Die „Zweimund-Frau“ spukt schon seit Hunderten von Jahren durch die Schauergeschichten Japans und gehört zu den am häufigsten abgebildeten Yokai. Zahlreiche Erzählungen werden mit ihr in Verbindung gebracht.

Futakuchi-onna lebt den Überlieferungen zufolge als Frau getarnt in Städten unter den Menschen, oft sogar als Tochter in ganz normalen Familien. Das erklärt, weshalb es sich bei dieser Gestalt in der Regel um junge Frauen handelt.

Futakachi-onna zählt zur Gruppe der Yokai.
Die komplette Abbildung einer Futakuchi-onna im Ehon Hyaku Monogatari (絵本百物語) | Source = ISBN 978-4-336-03948-4. Bild: Wikimedia Commons

Das Wesen mit den zwei Mündern ist in vielen japanischen Geschichten die Ehefrau eines sehr armen Mannes. Sie isst daher extrem wenig und gibt sich mit Kleinigkeiten zufrieden. Gerade diese genügsamen Frauen sind anfällig, ein Yokai zu werden.

Auch Frauen, die besessen davon sind schlank zu sein, werden von Futakachi-onna heimgesucht. Wie bei einem Fluch erscheint mit der Zeit ein gieriges Maul am Hinterkopf der betroffenen Frau, das seine Bedürfnisse nach Nahrung schamlos befriedigt.

Das Maul kennt die Ängste seiner Opfer

Doch das Maul quält seine Opfer nicht nur mit Nahrung. Da es auch die tiefsten Gedanken seiner Opfer kennt, konfrontiert es die Frauen mit ihren Ängsten und Sorgen. Verweigert eine Frau das Essen, quält das zweite Maul die Frau mit einem ohrenbetäubenden, schrillen Kreischen.

Bleibt die Gepeinigte trotzdem standhaft, verselbstständigt sich ihr Haar, formt sich zu tentakel-ähnlichen Armen und greift sämtliche Nahrungsmittel in der Nähe ab, um das Maul am Hinterkopf zu füttern. Dabei nimmt es auch das Essen der Frau selbst weg.

Diese besondere Form des Yokai kann aber auch auf andere Arten erwachen. Einer weiteren Überlieferung zufolge ist einer Frau der zweite Mund am Hinterkopf gewachsen, als ihr Mann sie mit einer Axt töten wollte. Aus dem gespaltenen Schädel wuchs der Yokai. Eine weitere Erzählung berichtet von einer Rabenmutter, die ihr Stiefkind verhungern ließ, während sie ihr eigenes Kind gut ernährte. Der Geist des toten Stiefkindes setzt sich in den Kopf der Frau und ernährt sich über ihren Körper.

Futakuchi-onna als Ehefrau

Die bekannteste Geschichte jedoch handelt von einem armen Mann, der seine Frau verlässt, da er sie nicht ernähren kann und fortan alleine lebt. Als er sich mit seinem Schicksal arrangiert hat, erscheint eine junge Frau in seinem Leben. Sie ist fleißig, isst jedoch fast nichts. Damit imponiert sie dem Mann, der sie zur Ehefrau nimmt. Doch eines wundert den Mann. Wieso wird sein Reisspeicher nach und nach leerer, wo seine Frau und er doch nichts davon essen? Er beschließt, seine Frau auszuspionieren, um eine Antwort zu erhalten.

Er gibt vor, zur Arbeit zu gehen und versteckt sich im Garten. Dann wird er Zeuge von den Fähigkeiten der Futakuchi-onna: Die Haare am Kopf spalten sich und das gefräßige Maul kommt zum Vorschein. Die Haare wabern in alle Richtungen, um sich an den Vorräten des Mannes zu laben. Vom grausigen Anblick nachhaltig erschüttert plant der Mann die Scheidung.

Tristes Leben im Sumpf

Doch seine verfluchte Ehefrau kommt ihm zuvor: Sie sperrt ihren Mann in eine Badewanne ein, trägt ihn hoch in die Berge. Dort gelingt es dem Mann zu fliehen, doch er muss sein Leben fortan in einem stinkenden Sumpf fristen.

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