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Kosuke Ueharas Idee für die Zukunft Okinawas und Japans: Ein Land, zwei Systeme

Historisches Manuskript zur Unabhängigkeit Okinawas wiedergefunden

Der japanische Politiker Kosuke Uehara arbeitete zwischen 1997 und 1998 ein Dokument aus, in dem er theoretisierte, wie die Unabhängigkeit von Okinawa gegenüber Japan erreicht werden könnte. Dieses Manuskript, das Zeit seines Lebens nie veröffentlicht worden ist, ist nun wieder aufgetaucht.

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Uehara war in den 1990er Jahren zum ersten Kabinettsminister Okinawas gewählt worden. In seinem Manuskript „Ambitions for Okinawa Independence“ plädiert er für eine Art „Teil-Unabhängigkeit“ Okinawas gegenüber dem Land Japan.

Der Diskurs über Okinawas Platz in Japan

Uehara war 1970 bei den ersten landesweiten Wahlen der Nachkriegszeit in Okinawa erstmals in das Repräsentantenhaus gewählt worden. Zu diesem Zeitpunkt stand die Insel noch unter der Herrschaft der US-amerikanischen Besatzung.

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1997 und 1998, also in den Jahren, in denen der Beamte sein Manuskript verfasste, herrschte auf Okinawa eine Grundstimmung, die sich klar gegen die US-amerikanischen Streitkräfte richtete. Eine Entwicklung, die vor allem auch die Gruppenvergewaltigung eines 12-jährigen Schulmädchens aus der Gegend durch drei US-Soldaten im Jahr 1995 zurückzuführen ist.

Ueharas Schriften

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Uehara, der 2017 im Alter von 84 Jahren verstorben ist, hat sein Manuskript im Laufe seines Lebens nicht fertiggestellt. Es fehlen ungefähr noch zehn Prozent.

Das Originalmanuskript besteht aus fünf Kapiteln, in denen der Beamte für die Unabhängigkeit Okinawas argumentiert und zugleich aufzeigt, wie diese konkret erreicht werden könnte. Des Weiteren enthält es einen vorläufigen Vorschlag des damaligen Gesetzgebers zum „Aufbau der Nation Okinawa“.

Allerdings macht er dabei deutlich, dass er keine Form der Unabhängigkeit befürwortet, die eine völlige Meidung Japans vorsehen würde. Bei seinen Analysen kommt er außerdem zu dem Schluss, dass eine Unabhängigkeitserklärung von Okinawa sehr wahrscheinlich als ein Aufstand ausgelegt werden würde und daher aus einer realistischen Sicht kaum zu erreichen wäre.

Aus diesen Gründen plädierte er stattdessen für eine „teilweise Unabhängigkeit“, die wirtschaftliche Unabhängigkeit“ und ein „hohes Maß an Autonomie“ beinhaltet.

Warum aber wurden seine Texte nicht veröffentlicht?

Das Manuskript sei laut des Verlagsproduzenten Hirotsugu Okamura deshalb nicht veröffentlicht worden, da Uehara ihm selbst mitgeteilt hätte, dass eine Veröffentlichung nicht mehr möglich sei.

Kosuke Ueharas Sohn, Yasuji Uehara, vermutet, dass sein Vater das Manuskript nie mehr veröffentlicht hat, nachdem er sich Sorgen gemacht hatte, dass seine Argumentation die Einheit der Bevölkerung von Okinawa gefährden könnte.

„Obwohl er versuchte, Argumente für die Unabhängigkeit aufzubauen, konnte er sie am Ende nie veröffentlichen, wahrscheinlich aus Angst, dass eine solche Argumentation zu Spaltungen unter den Menschen in der Präfektur führen könnte.“

Uehara war scheinbar auch in Sorge darum, dass Okinawa mit der Zeit aus dem Gedächtnis der japanischen Bevölkerung verschwinden könnte. In seinen Texten heißt es: „Es ist wichtig, sich ein Ziel zu setzen, das stark genug ist, um weiterhin Interesse für Okinawa-Themen zu wecken.“

Waren Ueharas Überlegungen aus moderner Sicht überhaupt realistisch?

Hiromori Maedomari, ein Professor für Wirtschaft von der Okinawa International University, ist dieser Ansicht. Er beschreibt Ueharas Manuskript als „realistischen Vorschlag nach sorgfältiger Prüfung von Schritten in Richtung Unabhängigkeit“.

„Dies ist etwas, das nur Herr Uehara schreiben konnte, weil er die politischen Manöver der japanischen Regierung und die Distanz zur Verwaltung gut kannte.“

Er ist außerdem davon überzeugt, dass diese Texte, wenn sie damals veröffentlicht worden wären, eine weitreichende Wirkung gehabt hätten.

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