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Japan erleben Geschichte Japanische Architektur: Von der Erdhütte bis zum Wolkenkratzer - Teil 5

Japanische Architektur: Von der Erdhütte bis zum Wolkenkratzer – Teil 5

Das japanische Mittelalter brachte nochmal einige Neuerungen, welche die Architektur betreffen. Deshalb schauen wir uns in diesem Artikel die Momoyama-, Edo- und Vorkriegszeit genauer an.

Azuchi-Momoyama-Zeit (1573–1603 n. Chr.)

Als Reaktion auf die militärischen Auseinandersetzungen der Sengoku-Zeit (zwischen Muromachi-Zeit und Azuchi-Momoyama-Zeit) entstanden im japanischen Mittelalter zwischen dem 15.und 17. Jahrhundert zwei unterschiedliche Architekturformen: Einerseits errichteten die Feudalfürsten aus Angst um ihre Besitztümer riesige Burgen. Diese wurden in Massivbauweise errichtet, was bedeutet, dass die tragenden Elemente des Gebäudes die Außenwände sind.

Dies hat zur Folge, dass in diese Bauwerke nur kleine Fenster eingesetzt werden konnten, da sonst die Tragfähigkeit der Wände beeinträchtigt worden wäre. Ein Beispiel hierfür ist die Burg-Himeji, auch „Burg der weißen Reiher“ aus dem Jahr 1609. In Europa findet man diese Bauweise unter anderem in romanischen Kirchen.

Im Gegensatz dazu stehen die Gebäude des Shoin-Stils. Diese wurden als Rückzugsorte für Studien und für private Empfänge genutzt und bedienen sich weiterhin der Holzbauweise. Die tragenden Elemente hierbei sind die streben-artigen Holzgerüste, was für eine Skeletbauweise spricht.

Im inneren findet man der Feudalordnung entsprechend streng getrennte Räume für den Fürsten und die Vasallen, Shoin-Räume und, im Vergleich zur Massivbauweise, große Shoin-Fenster. Ein Beispiel eines klassischen Shoin ist die Burg Nijo in Kyoto, welche die Residenz des Tokugawa-Shogun war.

Edo-Zeit (1603 – 1868 n. Chr.)

Edo, so der frühere Name Tokios, war in der nach ihr benannten Edo-Zeit die Hauptstadt der Shogune. Die Politik des Sankin kōtai , eines politischen Kontrollinstruments der Shogune, verpflichtete die Daimyō (Fürsten), einen Teil ihrer Zeit am Hof der Shogunen in Edo zu verbringen. Dabei brachten sie ihre Gefolgsleute und Dienstboten mit, was zu einem rapiden Wachstum der Bevölkerung führte.

Koishikawa Koraku-en
Koishikawa Koraku-en © Von DaderotEigenes Werk, CC0, Link

Im Jahr 1721 war Edo mit einer Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt. Es wurden standesgemäß große Häuser und Gärten für die Fürsten und ihre Gäste angelegt. Der Koishikawa Kōraku-en ist ein solcher Garten, der heute neben der Tokyo Dome City liegt und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Da die Stadt allerdings regelmäßig von Bränden heimgesucht wurde, war eine leichte Holzbauweise vorgesehen, um zerstörte Gebäude schnell wieder aufbauen zu können. Zusätzlich wurden in der ganzen Stadt umfangreiche Bauholzdepots angelegt.

Architektur in der Vorkriegszeit

Nachdem am 26. Februar 1872 ein Großfeuer das Ginza-Viertel in Tokio in Schutt und Asche legte, entschied man sich dafür, die bis dahin genutzte Holzbauweise durch den Stil der westlichen Backsteinarchitektur zu ersetzen. Diese hatten die japanischen Architekten auf ihren Reisen nach Europa kennen gelernt. Umgesetzt wurde dieses Projekt vom englischen Architekten Thomas J. Waters.

Bahnhof Tokyo
Bahnhof Tokyo © Von NesnadEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Er plante einen breiten Boulevard im Stil der Pariser Rue de Rivoli, gesäumt von zweigeschossigen Bauten mit breiten, auf Säulen ruhenden Balkonen. Der erste Abschnitt wurde 1873, der zweite 1877 fertiggestellt. Nach dem Großen Kanto-Erdbeben von 1923 zeigte sich allerdings, dass Backsteinbauten nicht erdbebensicher sind. Dieses stellte in einem Land wie Japan, welches regelmäßig mit solcherlei Naturgewalten zu tun hat, ein großes Problem dar. Erst der Einsatz von Stahlbeton konnte Abhilfe schaffen.

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