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Home Japan entdecken Geschichte Japanische Architektur: Von der Erdhütte bis zum Wolkenkratzer – Teil 2

Die Epochen Asuka und Nara

Japanische Architektur: Von der Erdhütte bis zum Wolkenkratzer – Teil 2

Japanische Architektur befindet sich im steten Wandel. Moderne Bautechniken nach chinesischem Vorbild beeinflussten das Land in der Askua-Zeit und der Nara-Zeit. Diesen Epochen ist der zweite Teil unserer Reihe gewidmet.

Wie bereits in der Kofun-Zeit begonnen, führte die Menschen unter Einfluss der Fujiwara-Familie, welche seit dem Nakatomi no Kamatari im Jahre 645 ihren Aufstieg erlebte, eine Verwaltungs- und Steuerreform nach chinesischem Vorbild durch. Dazu gehörte in der Asuka-Zeit, welche von 592 bis 710 n. Chr. andauerte, auch eine Landreform mit gleichmäßiger Aufteilung des Ackerlandes unter den Bauern.

Alle Bürger unterstehen dem Kaiser

Die Taika-Reformen im Jahr 645 hatten weiteren Einfluss auf die Gestaltung von Staat und Verwaltung. Ein zentralisierter Beamtenstaat entstand. Die Leibeigenschaft der Bauern bestand indes nicht mehr. Stattdessen unterstanden nun alle Bürger dem Kaiser. Zu dieser Zeit befand sich die kaiserliche Residenz meist in Asuka-kyō, ein Name, welcher der Asuka-Zeit ihren Namen verlieh.

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Neben den politischen und wirtschaftlichen Neuerungen erreichten auch moderne Bautechniken, neues medizinisches Wissen, Musik und Literatur das bis dahin noch recht primitiv wirkende Japan. Die Gebäude, speziell die Tempelbauten, standen nun unter dem Einfluss der chinesischen Architektur der Sui-Dynastie.

Horyu-ji
Inneres Tor des Horyu-Ji. Bild: 663highlandEigenes Werk, CC BY 2.5, Link

Auch der Buddhismus hatte einen großen Einfluss auf die japanische Architektur. Hauptbaumaterial der Asuka- und Nara-Zeit war Holz. Dies hatte allerdings zur Folge, dass Gebäude und Häuser durch Brände und Naturkatastrophen regelmäßig zerstört wurden. Trotzdem blieben einige Originale teilweise erhalten und damit auch Erinnerungen an damalige Traditionen.

Die Bauten wurden mehrfach originalgetreu wieder aufgebaut. Dadurch blieb der Menschheit auch die wertvolle Kenntnis über diese Bautechniken größtenteils erhalten. Die ältesten buddhistischen Bauten Japans und gleichzeitig die ältesten Holzgebäude der Welt finden sich im Horyu-ji („Tempel der Lehre Buddhas“) im Südwesten der Präfektur Nara in der Stadt Ikaruga. Sie sind das bedeutendste Beispiel für die Architektur der Asuka-Zeit.

Chinesisches Vorbild für die Stadt Nara

Die Stadt Nara, welche der Namensgeber dieser Zeit (710 bis 794 n. Chr.) war, wurde komplett nach dem Vorbild der chinesischen Stadt Chang’an gebaut. Sie erhielt ihren Einfluss also durch die Architektur der Tang-Dynastie, welche in China von 618 bis 907 andauerte. Die chinesischen Bauwerke dieser Zeit spiegelten die Blütezeit der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des feudalen Chinas wieder. Dies ist an dem imposanten, wohl strukturierten, aber offenen Baustil zu erkennen, der die japanische Architektur ebenso prägte.

Daming Palast
Diese Rekonstruktion des Daming Palastes ist ein weiteres Zeitzeugnis der japanischen Architektur. Bild: うぃき野郎Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, Link

Die einheitliche Projektierung von Baukomplexen und -ensembles wurde immer reifer. Die japanische Architektur folgte zunehmend wohlgeordneten und rationellen Bauprinzipien. Umfangreiche Paläste, Gärten und Amtsgebäude entstanden und reihten sich in traditionelles Bauwerk ein. In Chang’an, der damals größten Stadt der Welt, wurden die konsequentesten stadtplanerischen und architektonischen Prinzipien umgesetzt.

Ein Beispiel hierfür ist der Daming-Palast, dessen Reste heute eine Fläche einnehmen, die drei Mal so groß ist, wie die Gesamtfläche der Verbotenen Stadt in Beijing.

Japanische Architektur verbindet Statik und Stil

Auch in den Holzbauten in Nara bilden Kunst und Technik eine Einheit. In einzelnen Bauteilen wie Säulen und Trägern ist eine perfekte Verbindung von Statik und Stil zu erkennen. Die Gebäude jener Zeit sind offen und zugleich schlicht und würdevoll. Des weiteren wurde auch die Ziegelbauweise eingeführt.

Der Tōdai-ji, ein buddhistischer Tempel in der Stadt Nara, gewährt Einblicke in die traditionelle japanische Architektur dieser Zeit. Er wurde 752 n. Chr. eröffnet und beherbergt die größte buddhistische Bronzestatue. Die Haupthalle ist mit einer Breite von 57,01 Metern, einer Tiefe von 50,48 Metern und einer Höhe von 48,74 Metern das größte rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt.

Schutz der traditionellen Kulturgüter

Beim großen Buddha von Askua handelt es sich im übrigen nicht um einen Nationalschatz. Das hat einen historischen Hintergrund. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich in Japan ein Gesetz zum Schutz von Kulturgütern durch. Im Zuge dessen stellten Experten fest, alle Teile der Statue bis auf die Stirn, die drei Finger der rechten Hand und das linke Ohr in späterer Zeit nachgebaut wurden.

Demnach kann die Statue nicht als Nationalschatz, sondern lediglich als wichtiges Kulturgut ausgewiesen werden.

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