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Der Einfluss des Mittelalters

Japanische Architektur: Von der Erdhütte bis zum Wolkenkratzer – Teil 5

Japanische Architektur der Epochen Momoyama, Edo sowie der Vorkriegszeit ist gekennzeichnet durch riesige Burgen und feudale Holzhäuser. Diesen Epochen Japans widmen wir den fünften und abschließenden Teil unserer Reihe.

Als Reaktion auf die militärischen Auseinandersetzungen der Sengoku-Zeit (Zeitabschnitt zwischen der Muromachi-Zeit von 1336 bis 1573 n. Chr. und der Azuchi-Momoyama-Zeit von 1573 bis 1603 n. Chr.) entstanden im Mittelalter zwei unterschiedliche Bauformen, die die japanische Architektur prägten: Zum einen errichteten die japanischen Feudalfürsten aus Angst um ihre Besitztümer riesige Burgen. Diese wurden in Massivbauweise errichtet, was bedeutet, dass die tragenden Elemente des Gebäudes die Außenwände sind.

Massive Wände mit kleinen Fenstern

Dies hatte zur Folge, dass in diese Bauwerke nur kleine Fenster eingesetzt werden konnten, da sonst die Tragfähigkeit der Wände beeinträchtigt worden wäre. Ein Beispiel hierfür ist die Burg-Himeji, auch „Burg der weißen Reiher“ aus dem Jahr 1609. In Europa ist diese Bauweise unter anderem in romanischen Kirchen zu finden.

Zum anderen, sozusagen als krasses Gegenteil, entstanden weiter feudale Häuser aus Holz im sogenannten Shoin-Stil. Diese wurden als Rückzugsorte für Studien und für private Empfänge genutzt. Die tragenden Elemente bei dieser japanischen Bauweise sind die streben-artigen Holzgerüste, was für eine Skeletbauweise spricht.

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Im inneren befinden sich der Feudalordnung entsprechend streng getrennte Räume für den Fürsten und die Vasallen, Shoin-Räume und im Vergleich zur Massivbauweise große Shoin-Fenster. Ein Beispiel für die japanische Architektur eines klassischen Shoin ist die Burg Nijo in Kyoto, welche die Residenz des Tokugawa-Shogun war.

Folgendes Video widmet sich Fragen und Fakten zur Azuchi-Momoyama-Periode in Japan (Sprache: japanisch):

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Edo, so der frühere Name von Japans Hauptstadt Tokyo, war in der nach ihr benannten Edo-Zeit (1603 bis 1868 n. Chr.) die Hauptstadt der Shogune. Die Politik des Sankin kōtai , eines politischen Kontrollinstruments der Shogune, verpflichtete die Daimyō (Fürsten), einen Teil ihrer Zeit am Hof der Shogunen in Edo zu verbringen. Dabei brachten sie ihre Gefolgsleute und Dienstboten mit, was zu einem rapiden Wachstum der Bevölkerung in Japan führte. Das hatte ebenso einen Einfluss auf die Architektur.

Standesgemäße Häuser für Fürsten und ihre Gäste

Im Jahr 1721 war Edo mit einer Million Einwohnern die größte Stadt der Welt. Es wurden standesgemäß große Häuser und Gärten für die Fürsten und ihre Gäste angelegt. Der Koishikawa Kōraku-en ist ein solcher Garten, der heute neben der Tokyo Dome City liegt und für die Öffentlichkeit in Japan zugänglich ist.

Da die Stadt allerdings regelmäßig von Bränden heimgesucht wurde, war eine leichte Holzbauweise vorgesehen, um zerstörte Gebäude schnell wieder aufbauen zu können. Zusätzlich wurden in der ganzen Stadt umfangreiche Bauholzdepots angelegt.

Japanische Architektur in der Vorkriegszeit

Nachdem am 26. Februar 1872 ein Großfeuer das Ginza-Viertel in Tokio in Schutt und Asche gelegt hatte, entschied man sich dafür, die bis dahin genutzte Holzbauweise durch den Stil der westlichen Backsteinarchitektur zu ersetzen. Diese hatten die japanischen Architekten auf ihren Reisen nach Europa kennengelernt. Umgesetzt wurde dieses Projekt vom englischen Architekten Thomas J. Waters.

Japanische Architektur in der Moderne: der Bahnhof Tokyo.
Japanische Architektur in der Moderne: der Bahnhof Tokyo. Bild: NesnadEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Er plante einen breiten Boulevard im Stil der Pariser Rue de Rivoli, gesäumt von zweigeschossigen Bauten mit breiten, auf Säulen ruhenden Balkonen. Ein Hauch Frankreichreich für die bis dato von Traditionen geprägte japanische Architektur. Der erste Abschnitt wurde 1873, der zweite 1877 fertiggestellt. Nach dem Großen Kanto-Erdbeben von 1923 zeigte sich allerdings, dass Backsteinbauten nicht erdbebensicher sind.

Dieser Fakt stellte in einem Land wie Japan, welches regelmäßig mit solcherlei Naturgewalten zu tun hat, ein großes Problem dar. Erst der Einsatz von Stahlbeton schaffte in diesem Punkt Abhilfe – ein weiterer Meilenstein für die japanische Architektur.

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