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HomeJapan entdeckenGeschichteJapans ältestes geschriebenes Schriftzeichen ist vermutlich nur ein moderner Schmutzfleck

Doch keine jahrtausendealte Schrift?

Japans ältestes geschriebenes Schriftzeichen ist vermutlich nur ein moderner Schmutzfleck

Aktuelle Forschungsergebnisse legen die Vermutung nahe, dass es sich bei Japans ältestem bekannten Schriftzeichen doch „nur“ um einen Farbfleck auf einem Steinstück, entstanden durch einen modernen Permanentmarker, handeln könnte.

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Das Archaeological Institute of Kashihara in der japanischen Präfektur Nara hat das gut 2.000 Jahre alte steinerne Artefakt, auf dem sich angeblich Schrift befindet, noch einmal genau untersucht. Das Forschungsteam ist inzwischen davon überzeugt, dass es sich bei dem Zeichen sehr wahrscheinlich um eine durch einen Marker entstandene Verunreinigung und eben nicht um ein antikes Schriftzeichen handelt.

Ein Tintenfleck?

Das Steinartefakt wurde in den Tawayama-Ruinen in der Stadt Matsue, dem Verwaltungssitz der Präfektur Shimane, gefunden. Es ist 9 Zentimeter lang und 7,5 Zentimeter breit.

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2005 wurde das gefundene Objekt, das aus der zweiten Hälfte der mittleren Periode der Yayoi-Töpferkultur (1000 v. Chr. – 250 n. Chr.) stammt, in einem Untersuchungsbericht als Schleifstein kategorisiert.

2020 stellte dann Takeo Kusumi, ein Forscher des Fukuoka City Government’s Archaeological Center, die Theorie auf, dass das Artefakt auch als ein Tintenstein genutzt worden sein könnte.

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Auf einer Archäologiekonferenz präsentierte er seine Theorie und erläuterte seine Vermutung, dass es sich bei der Farbe um Tinte handeln könnte

Seine Theorie machte schnell Schlagzeilen und die Medien berichteten plötzlich über das „älteste Schriftzeichen der Nation“.

Der Stein ist alt, das Schriftzeichen nicht

Kusumis Theorie erweckte viel Aufsehen und so beschloss die Stadtverwaltung von Matsue, die Bestandteile der Farbe genauer zu analysieren. Letztendlich konnten jedoch weder die Infrarotaufnahmen noch der Blick durchs Elektronenmikroskop Kusumis Theorie untermauern.

Es wurden auf dem Stein keinerlei Partikel gefunden, deren Form auf einen Einsatz von Tinte hingewiesen hätte.

Auch Tomoki Okami, ein leitender Forscher des Archaeological Institute of Kashihara, hatte das Artefakt in Zusammenarbeit mit dem Nara Institute of Science and Technology untersucht.

Er richtete im Rahmen eines Experiments ein spezielles Licht auf den Farbfleck und untersuchte dann die Intensitätsverteilung (das Spektrum) des Lichts. Das Ergebnis: Das Spektrum stimmte mit den Merkmalen eines modernen Permanentmarkers überein.

Okami kommentierte diesbezüglich: „Wir glauben, dass ein Fleck von einem Permanentmarker versehentlich an dem Artefakt haften geblieben ist“.

Inzwischen ist bekannt, dass ein Beamter der Stadt Matsue einen Permanentmarker benutzt hatte, um die Fundorte der Objekte während des Sortiervorgangs auf entsprechende Schilder zu schreiben.

Kusumi erkennt die Forschungsergebnisse an

Kusumi hat inzwischen bezüglich der neuen Forschungsergebnisse, die seine Theorie zu widerlegen scheinen, Stellung bezogen.

„Ich kann nicht umhin, den jüngsten Befund zu akzeptieren, weil die Forscher wissenschaftliche Verfahren befolgt haben“, erklärte er. „Wenn eine erneute Analyse und andere Untersuchungen bestätigen, dass es sich bei der Markierung um eine moderne Substanz handelt, werde ich meinen Standpunkt vollständig zurückziehen.“

Die Stadtverwaltung plant, das Forschungsteam um eine erneute Analyse des Artefaktes zu bitten.

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