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Schätze warten dort, wo man sie am wenigsten erwartet

Kaiserliche Staatsakten aus der Vorkriegszeit auf Bauernhof in Nakano gefunden

AS: In der Stadt Nakano in der Präfektur Nagano wurde ein historischer Schatz entdeckt. In einem unscheinbaren Bauernhaus ruhte über viele Jahrzehnte ein beeindruckender Fundus historischer Dokumente aus der Meiji-Ära (1868-1912). Zahlreiche Staatsakten des kaiserlichen Geheimrats wurden überraschend gefunden.

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Der Finder der Dokumente ist der 67 Jahre alte Takenori Tanaka. Als er einen schwärzlichen Koffer in einem Regal im zweiten Stock der „Kura“ bemerkte, öffnete er ihn und fand das, was ein Experte als „überraschende Entdeckung“ bezeichnete.

Eine erstaunliche Entdeckung

Tanaka war vor etwa drei Jahren auf das wertvolle Archiv gestoßen, als er gerade dabei gewesen war, das Lagerhaus auf seinem Grundstück aufzuräumen. Dort ruhten seit Generationen unzählige alte Dokumente.

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Mit seinem Fund überraschte er die Beamten des japanische Nationalarchiv im Bezirk in Tokyo, denen er die wertvollen Stücke vorlegte. Diese waren völlig erstaunt darüber, dass solche „kostbaren Aufzeichnung“ im Verborgenen diese lange Zeit überdauern konnten. Eine Sensation.

Monatelang durchforsteten die Experten des Archivs daraufhin die Dokumente und Staatsakten. Inzwischen konnten sie bestätigen, dass es sich um Aufzeichnungen handelt, die mit dem obersten Beratungsgremium des Kaisers im Rahmen der Verfassung des Kaiserreichs Japans oder der Meiji-Verfassung in Verbindung stehen.

Staatsakten sind stille Zeitzeugen

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Zu den Funden gehört ein Brief von Kaneko Kentaro (1853-1942), der zusammen mit Japans erstem Premierminister Ito Hirobumi (1841-1909) die Meiji-Verfassung schuf. Das Schreiben war an Hara Yoshimichi (1867-1944) gerichtet, den Vorsitzenden des Geheimen Rates, der aus dem heutigen Suzaka in der Präfektur Nagano stammte.

Eine weitere interessante Entdeckung war ein Brief von dem Hiranuma Kiichiro (1867-1952), der nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts als Ministerpräsident zurückgetreten war, an einen Sekretär. In ihm schreibt er, dass die Lage Europas „kompliziert und bizarr“ sei.

Ein Vertreter des Archivs erläutert die Bedeutung des Fundes: „Es war damals wie heute üblich, dass Dokumente über klerikale Prozesse schnell entsorgt wurden. Sie veranschaulichen die alltäglichen Verfahren, die der Geheim Rat behandelt hat.“

Bisher gibt es nur Spekulationen darüber, wie die vielen Staatsakten und Dokumente ihren Weg in das Lagerhaus gefunden haben.

Tanakas Privatmuseum

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Bereits im Jahre 2003 hatte Tanaka in seinen eigenen privaten Räumlichkeiten ein eigenes kleines Museum eingerichtet. Dort stellte er Material aus eigenem Besitz aus, das er schon in den Jahren zuvor im Lagerhaus gefunden hatte.

Takenori Tanaka
Takenori Tanaka, Finder der Staatsakten, vor seinem Haus in Nakano. Bild: AS

„Sobald Dinge verschwunden sind, gibt es keine Möglichkeit, sie in ihrem ursprünglichen Zustand wiederherzustellen“, fügte Tanaka hinzu. „Solche Dinge machen meiner Meinung nach Kultur aus.“

Die Aufzeichnungen des Geheimen Rates wurden vorübergehend dem Nationalarchiv für historische Forschungszwecke anvertraut.

„Jede Familie kann Artefakte besitzen, von denen man nie glauben würde, dass sie sie besitzen“, sagte Tanaka. „Ich empfehle Besitzern, anstatt Dinge wegzuwerfen, eine Atempause einzulegen und sich von anderen beraten zu lassen“. Tanaka hat damit nicht unrecht, denn immer wieder werden in Japan historische Schätze überraschend in Regalen oder auf Dachböden gefunden.

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