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Das Produkt dunkler Seelen

Oni – Japans bitterböse Dämonen

Oni sind besonders populärer Vertreter der japanischen Dämonen. Aus den einst als gütig überlieferten Wesen wurden im Laufe der Zeit böse Monster. Ihre Geschichte steht im Mittelpunkt des sechsten Teils unserer Artikelreihe.

Oni (jap. 鬼) sind in Japan allgegenwärtig – egal ob im Fernsehen, an der nächsten Straßenecke oder einer Erzählung, die japanischen Unheilsbringer gehören zu den wohl bekanntesten Yokai der Geschichte. Übersetzt bedeutet ihr Name Dämon oder Oger. Zweites erklärt, weshalb sie starke Ähnlichkeit mit einem Oger haben. Selten wird der Begriff auch mit „Teufel“ oder „böser Geist“ übersetzt. Aber auch diese Namen sind selbsterklärend, wirft man einen Blick in die Vergangenheit.

Oberbegriff für Dämonen, Monster und Geister

Der Begriff Oni wurde in der japanischen Sprache eine Zeit lang als gültiger Oberbegriff für alle Dämonen, Monster und Geister benutzt. Auch besonders boshafte Menschen wurden dadurch eingeordnet. Heute werden die Begriffe „yokai“ oder „obake“ genutzt.

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Die ersten buddhistischen Erzählungen geben ein vollkommen anderes Bild der heute als bösartig bekannten Wesen her. Oni galten einst als gutmütig. Trafen sie auf Menschen mit einer guten Seele, unterstützten sie diese mit ihrer Macht über Magie und Natur. Im Shinto galten sie als Gottheit. Und bis ins 13. Jahrhundert hinein galten sie zudem als Wächter der Unterwelt und Richter über das Böse

Heute zeigt sich die einst positive Interpretation nur noch in kleinen Dingen, wie beispielsweise Dachziegeln. Wird das Gesicht eines Oni auf einem Dachziegel eingebrannt, soll dieser das Böse vom Haus fernhalten. Einige Oni-Figuren sind außerdem in Städten mit heißen Quellen zu sehen.

Die Wandlung der einst gutmütigen Oni

Mit der Zeit wurde aus dem gutmütigen Dämon ein bitterböser Unheilsbringer, der nichts anderes im Kopf hat als Zerstörung. Dazu passt auch das Erscheinungsbild: Die riesige Statur wird bestimmt von wirrem Haar, welches bereits bei den Onyro mit Tod und starker Macht einhergeht. Scharfe Klauen und Zähne, rote Haut sowie Hörner auf dem Kopf ergänzen das heute bekannte Bild. In manchen Überlieferungen haben Oni blaue, grüne oder schwarze Haut, das kommt jedoch seltener vor. Sie sind nackt und spärlich mit Tierhäuten bekleidet und führen eine Eisenkeule (jap. 金棒, kanabo) mit sich.

Seit der Heian-Zeit werden die Oni als Gegenspieler des Menschen dargestellt. Sie treiben sie in den Wahnsinn oder noch schlimmer – sie fressen sie auf. Der Hass kommt nicht von ungefähr: Die Überlieferungen besagen, dass es sich bei ihnen um die Geister von Menschen mit besonders dunklen Seelen handelt.

Oni ist ein Dämon, dessen Äußeres einem Oger ähnelt.
Oni ist ein Dämon, dessen Äußeres einem Oger ähnelt. Diese Zeichnung zeigt Rashōmon-no-oni (羅城門鬼, Oni of Rashōmon) aus dem Konjaku Hyakki Shūi (今昔百鬼拾遺), 1720. Bild: Wikimedia Commons

Als ogerähnlicher Dämon wiedererwachte Seelen leben fortan in der Hölle und dienen Enma, dem Richter der Unterwelt. In seinem Namen verstümmeln und häuten sie böse Menschen, kochen und vertilgen sie bei lebendigem Leib.

Auch im Diesseits schreiten die Oni zur Tat und beweisen beizeiten, dass die Grenze zwischen gut und böse nur einen Hauch breit ist. In einer alten Erzählung wird ein hässlicher Mann, der zusammen mit den Dämonen tanzt, von einem Geschwür im Gesicht freigezaubert, während sein ebenfalls entstellter Nachbar wegen seiner Habgier ein zweites Gesichtsgeschwür von den Dämonen erhält.

Der Dämonenkönig aus Kyoto

Nur wenige Oni, die in der Welt der Menschen das Böse bestrafen, sind mit ihrem eigenen Namen bekannt geworden. Der wohl Berühmteste von ihnen war der Dämonenkönig Shuten-doji, der in Kyoto sein Unwesen trieb. Auch auf abgelegenen Inseln wie Onigashima, die „Dämoneninsel“, fristeten sie ihr Dasein.

Im Yin-Yang-Prinzip werden Oni mit dem Nordosten assoziiert. Viele buddhistische Tempel des späten Mittelalters wurden deshalb mit einer Einbuchtung in der Front konstruiert, um die Dämonen aus dieser Himmelsrichtung abzuwehren.

Mit Sojabohnen gegen Geister und Dämonen

Oni sollen außerdem bestimmte Arten von Sojabohnen verschmähen. Aus diesem Grund werden diese Bohnen beim Setsubon-Fest ins Feuer geschmissen. Dabei rufen die Menschen: „Die Dämonen bleiben fern, das Glück soll kommen (Oni wa soto, fuku wa uchi)!“ um die Dämonen aus ihrem Leben fernzuhalten.

Wissenswerte Hintergründe zu dieser japanischen Tradition, die das Ende des Winters einläutet, gibt es in diesem Video:

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Das Schriftzeichen für Oni, 鬼, ist heute ein Teil vieler Ausdrücke, die eher negativ denn positiv behaftet sind. Redet ein Mann beispielsweise über seine „schlechte Ehefrau“, bezeichnet er sie im Gespräch als „oniyome“. Ein ebenfalls eher wenig charmanter Begriff für Kinder lautet „onigo“. Dieser wird benutzt wenn Kinder ihren Eltern nicht ähnlich sehen und sie daher Kinder eines Dämons seien müssen.

Das Lieblingsspiel der Dämonen ist übrigens Fangen und Verstecken. Daher wird dieses Spiel in Japan „kakure oni“ (der versteckte Dämon) genannt.

 

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