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Akutagawas persönliches Notizbuch

Restauration von Ryunosuke Akutagawa’s berühmten Notizbuchs enthüllt neue Details

Der berühmte japanische Zeitungskorrespondent und Schriftsteller Ryunosuke Akutagawa (1892-1927) hielt seine Ansichten über Japans Einfluss auf das moderne China seinerzeit in einem Notizbuch fest. Dieses wertvolle Schriftstück wurde nun von einer Doktorandin aufwendig restauriert und so vor dem Verfall gerettet.

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Das Notizbuch, welches gemeinhin als „Notizbuch Nr. 6“ bezeichnet wird, hatte den Schriftsteller während der japanischen Taisho-Ära (1912-1926) auf eine seiner Untersuchungsreisen nach China begleitet. Zu dieser Zeit war Akutagawa als Korrespondent der Zeitung Osaka Mainichi Shimbun tätig.

Restauration förderte bisher unbekannte Einträge zutage

Das Buch befand sich lange im Besitz von Akutagawas Familie. Im Laufe der Jahrzehnte verschlechterte sich der Zustand des wertvollen Schriftstücks allerdings enorm, was unter anderem auch auf ein Feuer zurückzuführen ist.

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1996 spendete ein Mitglied der Familie das Notizbuch der Stadtverwaltung von Fujisawa. Dort wurde das Dokument auf Mikrofilm gebannt und später im Stadtarchiv einlagert.

Zhang Wei, eine 32-jährige Doktorandin für moderne japanische Literatur an der Universität Tsukuba in der Präfektur Ibaraki, widmete sich gut ein Jahr lang der Restaurierung dieser Mikrofilme, um ihren ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Die aus der chinesischen Stadt Hangzhou stammende Wissenschaftlerin lebt heute in Kanazawa, der Hauptstadt der Präfektur Ishikawa.

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Ihre Bemühungen förderten bisher unbekannte Einträge des Autors zutage. Osamu Nakamura, der Kurator des Stadtarchivs von Fujisawa, kommentierte diesbezüglich: „Es wurde immer geglaubt, dass das Notizbuch ein erstklassiges Material ist, das den Standpunkt des Autors zu Japans Einfluss auf das moderne China widerspiegelt. […] Es ist eine bahnbrechende Entwicklung, dass mehr Details über das Dokument ans Licht gekommen sind.“

Das restaurierte Dokument wird seit dem 20. Juli im Stadtarchiv öffentlich ausgestellt.

Große Namen kommen ans Licht

Der Schriftsteller Tatsuo Hori (1904-1953) hatte seinerzeit bereits einen Teil des Inhalts des Notizbuches transkribiert. Dieser von ihm transkribierte Teil ist in der ersten vollständigen Sammlung von Akutagawas Werken, die kurz nach dem Tod des Autors in Druck ging, zu finden.

Zhang gelang es jedoch, sogar einige der Einträge wiederherzustellen, die Hori damals bei der Anfertigung des Transkriptes ausgelassen hatte.

Besonders bemerkenswert sind zwei mit schwarzer Tinte geschriebene Namen, die durch die Restauration wieder lesbar geworden sind. Demnach hat Akutagawa seinerzeit auch den Namen des chinesischen Politikers Li Renjie und den des Psychologen Sigmund Freud (1856-1939) in seinem Notizbuch festgehalten.

Li Renjie (1890-1927), alias Li Hanjun, war maßgeblich an der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas beteiligt.

„Was ich herausgefunden habe, ist sehr interessant, weil man annimmt, dass Akutagawa erst später von Freud beeinflusst wurde, in den letzten Jahren seines Lebens“, sagte Zhang. Sie hofft, sich in den nächsten Jahren noch eingehender mit dieser Thematik befassen zu können.

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