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Frau am Tag, Dämon bei Nacht

Rokurokubi – Japans Yokai mit dem langen Hals

Rokurokubi ist wohl eine der skurrilsten Yokai aus der japanischen Folklore. Ihr wahres Ich kommt nur in der Nacht zum Vorschein. Wir stellen euch die Frau mit dem langen Hals vor.

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Auf den ersten Blick ist Rokurokubi nicht anzusehen, dass es sich bei diesem Wesen um einen Dämon handelt. Zumindest nicht am Tag, dann sieht der Dämon nämlich aus wie eine Frau. Doch bei Nacht wandert das verfluchte Wesen mit einem meterlangen Hals umher.

Rokurokubi sind mit Nukekubi verwandt

Die Rokurokubi haben bei Nacht einen langen Hals, der sich fest am Körper befindet. Sie sind mit den Nukekubi verwandt, deren Köpfe losgelöst vom Kopf umherschwebt. Auch sie sehen aus wie gewöhnliche Frauen. Der Name Rokurokubi bedeutet übersetzt etwa „Dreh- und Wendehals“.

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Da die Yokai tagsüber nichts von normalen Frauen unterscheidet, ist es nicht verwunderlich, dass die oftmals in Wohnhäusern von Städten leben. Sie sind oft von anmutiger Gestalt: junge hübsche Frauen in schicker Kleidung, denen man das Böse nicht ansieht. Besonders häufig gesichtet werden sie jedoch in Rotlichtvierteln.

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Erst bei Anbruch der Nacht kommt zum Vorschein, was sie von normalen Frauen unterscheidet. Dann windet sich ihr Hals meterlang in die Luft.

Flüche sind oft für Verwandlung verantwortlich

Frauen werden meist aus zwei Gründen zu einer Rokurokubi. Entweder sie werden verflucht oder sie besiegeln ihr Schicksal durch eine böse Tat. Überlieferungen zufolge verwandelten sich junge Frauen in einen Dämon, wenn sie ihren Ehemann betrogen hatten. Weitere Erzählungen handeln von verfluchten Ehefrauen und Töchtern. In diesen Fällen wurden dadurch Väter und Ehemänner für begangene Verbrechen bestraft.

Doch auch viele Prostituierte und mannstolle Frauen wurden wegen ihrer Wollust zu Rokurokubi und nutzen ihren langen Hals, um nach Männern Ausschau zu halten. Die Yokai  werden außerdem als sehr schadenfroh beschrieben, da sie gern mit ihrem Aussehen vorbeigehende ahnungslose Menschen erschrecken. Skurril wird es beim Thema Leibgericht. Am liebsten saugen die Dämonen  mit ihren Zungen Öl aus Lampen.

rokurokubi
Ein Kabuki-Druck, verlegt von  Omiya Heihachi. Abgebildet ist der Schauspieler Onoe Kikugorō III als Geist des koshimoto (Zimmermädchen) Hirosaki (auch Ihosaki) im Stück „Ogi chiyo no matsuwaka“. Bild: Wikimedia Commons

Über ihr Wesen ranken sich einige Mythen und Erzählungen in Japan. Eine Geschichte handelt von einem wohlhabenden Samurai, der unwissentlich eine Rokurokubi als Dienerin beschäftigte. Er wunderte sich über seine stark schwindenden Ölvorräte. Eines Nachts beobachtete er eine Dienerin, die er des Diebstahls verdächtigte. Sie schlief, doch ihr Hals bewegte sich, wuchs meterlang an und ihre Zunge labte sich am Ölvorrat.

Am nächsten Tag entließ der Samurai die Dienerin. Das ist jedoch nicht das Traurige an der Geschichte. Die junge Frau fand fortan keine Arbeit mehr und bis zu ihrem Lebensende fand sie nicht heraus, dass sie eine Rokurokubi war.

Rokurokubi zieht Geistlichen zur Verantwortung

Eine weitere Mär handelt von einem Mönch, der eine geheime Beziehung mit einem Mädchen namens Oyotsu einging. Auf einer gemeinsamen Reise wurde Oyotsu krank. Der Geistliche tötete das Mädchen, da er sich eine Behandlung für sie nicht hätte leisten können. In der folgenden Nacht wurde er mit einer Frau intim. Nachdem sie miteinander geschlafen hatte, wuchs ihr Hals plötzlich stark an und ihr Gesicht verwandelte sich in das von Oyotsu. Sie beschuldigte ihn des Mordes.

Der Geistliche zeigte sich geläutert. Direkt am nächsten Morgen gestand der Mönch seine böse Tat, betete für das Seelenheil von Oyotsu und errichtete ein Grabmal für sie.

Bildquellen: Kabuki-Print, Nukekubi

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