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Tagebuch der japanischen Feministin Raicho Hiratsuka wird erstmals ausgestellt

Raicho Hiratsuka (1886-1971) gilt auch 50 Jahre nach ihrem Tod als Pionierin des Feminismus in Japan. Ein Gedenkmuseum wird ab dem 24. April Teile eines bisher unveröffentlichten Tagebuchs von ihr ausstellen.

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Bei den Ausstellungsstücken handelt es sich um mehrere fotokopierte Tagebuchseiten von Raicho Hiratsuka. Auf diesen ist nachlesbar, dass Hiratsuka zu Lebzeiten die Frauen Japans dazu aufforderte, ihre Stimmen in Friedensfragen zu erheben.

Frauen, die nicht schweigen

Doch es geht nicht nur um Friedensfragen. Anlässlich des jüngsten Sexismusskandals um Yoshiro Mori wird die Ausstellung auch die Geschichte von „Frauen, die nicht schweigen“ beleuchten. Mori ist im Februar als Chef des Organisationskomitees der Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio zurückgetreten.

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Die Auszüge aus dem Tagebuch geben Einblicke in Hiratsukas tägliches Leben von 1948 bis 1950. Zu diesem Zeitpunkt stand Japan nach der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg unter der Besatzung des Generalhauptquartiers der Alliierten Mächte. Sie wünschte sich in diesem Zeitraum sehr, dass Frauen ihre Stimme gegen den Krieg erheben würden.

Raicho Hiratsuka erhebt Stimme gegen den Krieg

Es sei an der Zeit, schrieb sie am 13. April 1950, „eine Erklärung für das Land und das Ausland abzugeben, die den allgemeinen Willen der Frauen in der Friedensfrage und dem Vertrag repräsentiert.“ Am 26. Juni 1950 haben Hiratsuka und andere Aktivistinnen schließlich eine Erklärung ab: Sie werden ihre Ehemänner und Söhne nicht in den Krieg schicken, hieß es darin.

Raicho Hiratsuka im Juni 1956.
Raicho Hiratsuka im Juni 1956. Bild: MA
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Anlass der Ausstellung ist neben Hiratsukas 50. Todestag auch der 110. Jahrestag der Veröffentlichung von Japans erster Literaturzeitschrift von Frauen für Frauen. Die Idee für das Literaturmagazin mit dem Titel „Seito-sha“ hatte die Feministin selbst. 1911, nach ihrem Universitätsabschluss, veröffentlichte sie die erste Ausgabe mit Autorinnen wie Ito Noe und Akiko Yosano.

Stärkung von Frauen im Fokus

Der Inhalt soll im Zuge der aktuellen Ausstellung darauf aufmerksam machen, dass Japan beim Thema Stärkung von Frauen noch immer vielen Ländern hinterherhinkt.

Hiratsukas Enkel Naofumi Okumura (76) hofft, dass viele der Museumsbesucher von den handschriftlichen Gedanken seiner Großmutter über den Frieden berührt werden.

Das Gedenk- und Heimatmuseum befindet sich in Ueda in der Präfektur Nagano.

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