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Eine der ältesten Yokai

Tsuchigumo – Japans magische Spinnenwesen

Tsuchigumo ist eine der ältesten Yokai Japans. Um das spinnenartige Wesen ranken sich zahlreiche Mythen und Erzählungen, die wir in der Fortsetzung unserer Artikel-Reihe vorstellen.

Der Name Tsuchigumo (jap. 土蜘蛛) bedeutet übersetzt „Erdspinne“. Der Name ist Programm: Die riesigen Monster schüchtern mit ihren behaarten Fangarmen und Klauen, ihren acht Augen und ihrem gefräßigen Maul nicht nur Spinnen-Phobiker ein.

Bezeichnung für rebellische Völker

Doch Tsuchigumo war in der japanischen Folklore nicht von Anfang an als furchterregende Riesenspinne bekannt. Zunächst galt die Bezeichnung rebellischen Völkern, die sich im Altertum nicht den Regeln des japanischen Kaisers unterwerfen wollten. Sie lebten in Höhlen und Gruben.

Der Kaiser ordnete eine Strafexpedition zum damaligen Tsuchigumo-Dorf Takawohari an. Das Dorf wurde nach der Einnahme in Katsuraki (葛城) umbenannt. Als kleinwüchsig und mit langen Armen wurden die Bewohner dieses Dorfes fortan beschrieben. Sowohl diese Beschreibung als auch die Art ihrer Behausung wird als Herkunft für den Begriff Tsuchigumo angeführt.

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Erst im Mittelalter wurde der Name auf das heute in Japan populäre Spinnenmonster übertragen. Der Yokai ist heute auch unter den Namen Yatsukahagi (八握脛, dt.: Achtbeiner)  und Ogumo (大蜘蛛. dt.: Riesenspinne) bekannt.

Junge Tsuchigumo haben Ähnlichkeit mit Taranteln. Sie sind hauptsächlich in Erdhöhlen anzutreffen. Diese bauen sie vorwiegend in Wäldern, abgeschieden von der menschlichen Zivilisation. Ihre großen Fangnetze, die wie Seide aussehen, spannen sie in der Nähe auf. Seltener bewohnen diese Spinnen auch Höhlen in Gebirgen. Besonders alte Tsuchigumo können sich in riesige Monster verwandeln. Mit ihren blutrünstigen Mäulern werden sie zur Todesfalle für Menschen.

Tsuchigumo mit Gesicht eines Dämon

Älteren Überlieferungen zufolge sollen sich die Tsuchigumo den Menschen als Mischwesen präsentiert haben. Ihren Erzählungen zufolge habe das als Spinnenwesen bekannte Monster das Gesicht eines Dämonen, den Körper eines Tigers sowie Arme und Beine einer Spinne besessen. Der Yokai soll sich außerdem mit riesigen Roben gekleidet haben.

Mit einer japanischen Bildrolle aus dem 14. Jahrhundert wurden die Geschichten des Volkshelden Minamoto no Yorimitsu für die Nachwelt festgehalten. Dem als Raiko bekannten Krieger gelang es, besonders mächtige Tsuchigumo zu töten.

tsuchigumo minamoto
Minamoto no Raiko und Vasallen im Kampf gegen die Tsuchi-Gumo, von Utagawa Kuniyoshi. Bild: Wikimedia Commons

In den Bergen nördlich der damaligen Hauptstadt Kyoto erblickte er verschiedene düstere Erscheinungen, die er bekämpfte und die ihn immer tiefer in einen abgelegenen Wald hinein führten. Der mutige Volksheld landete in den Fängen einer Riesenspinne, es folgte ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod. Als es Raiko gelang, den Körper der Spinne aufzuschlitzen, rollten die Köpfe von 200 Opfern der Riesenspinne heraus, gefolgt von tausenden kleinen Spinnen, die fluchtartig den Körper des besiegten Monsters verließen.

Riesenspinne mit einer Armee aus Yokai

In einer alternativen Überlieferung trat die mächtige Riesenspinne als Anführerin einer riesigen Armee aus Yokai auf. Raiko folgte seinen Instinkten und attackierte Tsuchigumo direkt. Sein Mut wurde belohnt: Er verletzte die Riesenspinne und die anderen Yokai verschwanden. Es waren Illusionen. Der Volksheld von Kyoto konnte auch dieses Mal den Sieg für sich verbuchen.

Von einem weiteren Aufeinandertreffen Raikos mit Tsuchigumo berichtet die Erzählung Heike Monogatari (jap. 平家物語). Kyotos Held war durch eine Krankheit geschwächt. Ein auffällig großer Mönch wollte sich dies zunutze machen und versuchte Raiko zu entführen. Der Krieger schlug den verdächtigen Mönch jedoch in die Flucht und verletzte ihn dabei mit seinem Schwert.

Einer ergänzenden Überlieferung zufolge war es kein Mönch, sondern ein kleiner Junge, dem Raiko in seiner Krankheit begegnete. Der Junge flößte Raiko Medizin ein, die ihn rasch heilen sollte. Doch stattdessen ging es dem Krieger immer schlechter und sein Misstrauen wuchs. Er attackierte den Jungen, der daraufhin die Flucht ergriff.

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Tsuchigumo in einer Erzählung von Lafcadio Hearn. Bild: Wikimedia Commons

Raiko folgte der Blutspurt und entdeckte eine riesige Spinne, die sich in einem Schrein versteckte. Raiko und seine Gefolgschaft fingen sie ein und töteten sie. Just in diesem Moment fiel die Krankheit von ihm ab. Das Schwert, mit dem die Tsuchigumo erlegt wurde, war fortan als Kumokiri (Spinnen-Schlitzer) bekannt.

Rachsüchtiger Onryo

Später stellte sich heraus, dass die getötete Spinne der Onryo eines alten Kriegergeschlechts gewesen war. Er wollte sich am Volkshelden Minamoto no Raiko rächen. Überlieferungen zufolge war außerdem ein Fluch der Grund dafür, dass Raiko immer wieder auf Tsuchigumo und Dämonen traf.

Über die Monster, Geister und Dämonen der japanischen Folklore gibt es einige Theorien. Der Youtube-Kanal „Yokai-Bibliothek – Miyage in der Unterwelt“ (jap. 妖怪図書館 – 冥土のミヤゲ) stellt regelmäßig Wissenswertes über Japans Yokai vor. Auch zu Tsuchigumo gibt es einen Beitrag (Sprache: japanisch).

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