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Ein Werk, das den Krieg überdauern konnte

Von Luftangriffen gezeichnetes Umspannwerk in Tokyo wieder für die Öffentlichkeit zugänglich

Nach einer einjährigen Renovierungsphase ist ein altes Umspannwerk in Tokyo wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Werk war im Zweiten Weltkrieg durch mehrere Luftangriff zwar beschädigt worden, aber es war den feindlichen Angreifern nicht gelungen, es vollends zu zerstören.

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Auch Gebäude können Narben tragen und davon hat das Umspannwerk so einige vorzuweisen. Über 300 durch Maschinengewehrfeuer und Bombensplitter entstandene ‚Narben‘ sind auch heute noch innen wie außen an dem historischen Gebäude zu finden.

Stiller Zeuge der Geschichte und Kinderspielplatz zugleich

Das alte Werk steht auf dem Gelände eines von der Tokyoter Metropolregierung verwalteten Parks in der Stadt Higashi-Yamato.

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„Viele Leute, die sich den Park ansehen, können sich vorstellen, wie er während des Krieges aussah und schätzen, wie friedlich er jetzt ist“, sagte der 25-jährige Hirofumi Nakayama, der im Higashi-Yamato City Museum arbeitet.

Es mag auf den ersten Blick vielleicht etwas befremdlich klingen, aber das alte Umspannwerk ist auch bei Kindern durchaus beliebt.

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Während sich Erwachsene zumeist mehr für die geschichtlichen Hintergründe und die konkreten Beschädigungen des Gebäudes durch die Luftangriffe interessieren, verbringen die Kinder vor Ort gerne ihre Zeit damit, durch die Stockwerke der Anlage zu toben. Ein historisch wertvoller Indoorspielplatz.

Die Geschichte des Umspanwerkes

Das Umspannwerk befand sich damals noch auf dem Gelände der 1938 erbauten Fabrik von Hitachi Aircraft Co. in Tachikawa. Es war für Umwandlung der Spannungen sowie für die Verteilung der Elektrizität zuständig.

Zwischen Februar und April 1945 wurden 80 Prozent der dortigen Fabrikanlagen durch drei Luftangriffe des US-Militärs zerstört, allerdings führten selbst diese starken Beschädigungen nicht zum Einsturz des nahegelegenen Umspannwerks.

Letztendlich war das Umspannwerk sogar noch bis 1993 in Betrieb, da die Fabrik für den Bau von Maschinen ebenfalls weiter genutzt wurde.

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Die Einheimischen, die in der Nähe des Werkes wohnten, schätzen die alte Anlage aufgrund ihres historischen Wertes sehr und sprachen sich für ihren Erhalt aus. Die Stadtverwaltung reagierte und erklärte 1995 das Werk zu einem Kulturgut. So konnte das Gebäude für die nächsten Generationen tatsächlich erhalten werden.

Wiedereröffnung musste wegen Ausnahmezustandes verschoben werden

Die Reparaturarbeiten, die insgesamt 130 Millionen Yen (ca. 995.410 Euro) gekostet haben, konnten nach einem Jahr erfolgreich beendet werden, sodass die Anlage am 20. Oktober erstmals wieder für Interessierte geöffnet werden konnte.

Die Instandsetzungsarbeiten umfassten die Verstärkung von Gebäudepfeilern vor dem Hintergrund potenzieller Erdbeben sowie Maßnahmen zum Schutz der Betonwandoberflächen.

Eigentlich war die Wiedereröffnung der Anlage bereits für den August geplant gewesen, aber die Pandemie sowie der mit ihr verbundene Ausnahmezustand hatten dies leider verhindert. Der Termin musste verschoben werden.

Inzwischen kommen wieder um die 300 Personen unter der Woche pro Tag, um die Anlage zu erkunden. Am Wochenende sind es teilweise sogar bis zu 500 pro Tag.

„Dieses Gebäude vermittelt die anstrengenden Produktionsanstrengungen der Vorkriegszeit sowie Kriegsschäden“, sagt Yoji Higashi, 73, der sich freiwillig als Guide meldete.

Das ehemalige Umspannwerk ist mittwochs und sonntags von 10:30 bis 16:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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