• Japan erleben

Grüner Tee – Der Schlüssel zur Kultur Japans

Warum lieben Japaner grünen Tee, welche Sorten werden am meisten getrunken und was sind die Besonderheiten von Sencha, Matcha und Co.? Ein Überblick über die wichtigsten Grüntee-Sorten in Japan.

Grüner Tee ist in Japan viel mehr als nur ein Getränk, es ist Kulturgut, Kunst und eigene Kultur. Hierzulande wird der japanische Tee vor allem mit der berühmten japanischen Teezeremonie (jap. Chanoyu oder Sado) assoziiert. Damals wie heute lernen Japaner die strengen Regeln dieser Kunst, für die es viel Geduld und Ausdauer braucht.

Doch grüner Tee ist in Japan nicht nur Bestandteil der Teezeremonie, sondern auch ein unverzichtbares Alltagsgetränk, das zu jeder Gelegenheit und zu jeder Jahreszeit gereicht wird. So kann man grünen Tee – ob eiskalt oder heiß – an jedem Verkaufsautomaten kaufen, er wird kostenlos in Restaurants gereicht und auch jeder japanische Haushalt hat verschiedene Variationen des Grüntees im Regal.

Der grüne Tee wurde ursprünglich zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert n. Chr. mittels buddhistischer Mönche von China nach Japan gebracht, wo im Laufe der Zeit eigene Grüntee-Sorten entstanden. Als zentrale Figur der Grundsteinlegung des Teeanbaus in Japan gilt der Zen-Meister Eisai. Dieser brachte um 1191 Tee-Samen sowie das Wissen um die Kultivierung und Verarbeitung von Tee nach Japan, wo in den nächsten Jahren und Jahrhunderten eine reiche und tief in der Tradition verankerte Teekultur entstehen sollte.

Grüner Tee in Japan - Matcha und Co.
Die Teezeremonie (jap. 茶道, chadō oder sadō, dt. Teeweg; auch 茶の湯, cha-no-yu, dt. heißes Wasser für Tee) ist tief in der japanischen Kultur und Tradition verankert | Flickr: Selena N.B.H. (CC BY 2.0)

Eine Schlüsselfigur für die heutige Ausprägung der japanischen Teekultur ist der während des 16. Jahrhunderts lebende Teemeister Sen no Rikyu, Gründungsvater des sogenannten Chanoyu, der Weg des Tees. Sen no Rikyu verfeinerte und entwickelte die japanische Teezeremonie zu dem, was sie heute ist. Über das Leben und Wirken des Meisters gibt es einen sehenswerten Film von Hiroshi Teshigahara aus dem Jahre 1989.

Die ersten Tees wurden in Uji nahe Kyoto angebaut. Noch heute gilt der Ort als Wiege des japanischen Grüntees und gehört mit Shizuoka, Kagoshima und Kyoto zu den wichtigsten Teeanbaugebieten Japans. Angebaut und verarbeitet werden hier allerdings überwiegend grüne Tees. Anders als in China wird der grüne Tee in Japan nicht geröstet, sondern gedämpft, um Oxidationsprozesse zu vermeiden und die grüne Farbe zu erhalten.

Wir haben für euch einen kurzen Überblick über die berühmtesten japanischen Grüntee-Sorten zusammengestellt.

Sencha – Grüner Tee mit einem markantem und frischen Geschmack

Grüner Tee in Japan
Sencha (jap. 煎茶) | Flickr: Christian Kaden (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Grünteesorte Sencha macht heute 90 % des Teekonsums in Japan aus und gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Tee-Sorten Japans. Für Sencha werden in der Regel jüngere Blätter geerntet. Der Geschmack der Sorte variiert stark je nach Qualität und Anbauregion. Die Variationen reichen hier von leicht herb bis hin zu grasig süß.

Der Begriff “Alltagstee”, der im Zusammenhang mit Sencha oft zu hören ist, sollte nicht dazu verleiten, Sencha als “günstig” anzusehen. Außerhalb Japans sind brauchbare Qualitäten praktisch nie unter 20,- Euro zu erhalten.

Qualitativ hochwertiger Premium-Sencha wird auf Tee-Messen mit Preisen ausgezeichnet und kann ein ähnliches Preisniveau erreichen, wie die favorisierten Matcha-Sorten der großen Teeschulen.

Weit weniger bekannt als die Chanoyu-Zeremonie, bei der Matcha Verwendung findet, hat der “Senchado” (Weg des Sencha) einen stärkeren chinesischen Einfluss und ähnelt einer Teeverköstigung (“tea tasting”).

Aufgrund der unterschiedlichen Qualitätsgrade von Sencha ist es kaum möglich, allgemein verbindliche Angaben zu Temperatur und Ziehzeit zu machen. Erstere kann zwischen 60-70°C variieren und die Zweitere bei verschiedenen Aufgüsse zwischen Sekunden und zwei Minuten betragen.

Gyokuro –  der hochwertigste japanische grüne Tee

Grüner Tee in Japan
Gyokuro (jap. 玉露) | Flickr: Othree (CC BY 2.0)

Der Gyokuro ist von besonders hochwertiger Qualität. Für diese Sorte werden nur die jüngsten und zartesten Blätter der Teepflanze gepflückt. Die Verarbeitung des Tees erfolgt ähnlich wie beim Sencha. Die Blätter werden kurz gedämpft, getrocknet und gerollt. Der Geschmack ist fein, elegant und zeichnet sich durch eine große Milde aus.

Aus diesem Grund wissen “Grüntee-Neulinge” die subtilen Nuancen des Gyokuro oft noch nicht zu schätzen und bevorzugen kräftigere Formen des Grüntees.

Wegen des edlen Charakters des Gyokuro wird der Tee traditionell mit geringerer Temperatur als der Sencha zubereitet. Je nach Qualität liegt diese bei etwa 50 bis 60 Grad und man sollte den Tee 2 bis 2 ½ Minuten ziehen lassen.

Hojicha – gerösteter grüner Tee

Grüner Tee in Japan
Hojicha (jap. 焙じ茶) | Flickr: Christian Kaden (CC BY-NC-ND 2.0)

Der Hojicha wird ähnlich wie der Sencha getrocknet und gerollt, allerdings wird er danach bei hoher Temperatur geröstet, was dieser Sorte eine dunklere Farbe verleiht. Die Röstung schlägt sich auch im Geschmack nieder, denn der Hojicha hat eine pikante und leicht nussige Note sowie einen geringeren Koffeinanteil.

Durch die Röstung wird der Hojicha unempfindlicher gegenüber hohen Temperaturen und kann mit fast kochend heißem Wasser aufgegossen werden, ohne bitter zu werden. Je nach Qualität und Sorte kann man den Tee zwischen 30 Sekunden und 2 ½ Minuten ziehen lassen.

Bancha – der Alltagstee

Grüner Tee in Japan
Bancha (jap. 番茶) | Flickr: Borya (CC BY-SA 2.0)

Der sogenannte “gewöhnliche” Bancha wird aus etwas älteren Teeblättern und ähnlich wie der Sencha hergestellt. Er hat einen geringen Koffeingehalt, dafür aber viel Calcium und Eisen. Geschmacklich ist der Bancha eher mild.

Bancha wird mit heißem Wasser bei einer Temperatur von 70 bis 80 Grad zubereitet und kann auch mit härterem Wasser aufgegossen werden. Je nach Sorte lässt man den Bancha zwischen 1 und 2 ½ Minuten ziehen.

Achtung: Manchmal kommt es im Westen beim Kauf zu Verwechselungen, denn in der asiatisch beeinflussten Ernährungsphilosophie der Makrobiotik wird der Stengeltee (“Kukicha”) gelegentlich ebenfalls als “Bancha” bezeichnet.

Matcha – Grüntee Pulver

Matcha aus Japan
Matcha (jap. 抹茶) Bild: ToshikoArts

Für den Matcha-Tee werden die Blätter der Tencha-Teepflanze zu feinem Pulver zermahlen, welches dann mit heißem Wasser bei 80 Grad aufgebrüht wird. Grüntee- und Matcha-Pulver sind seit jeher fester Bestandteil der japanischen Teekultur.

Da Matcha-Pulver in heißem Wasser geschlagen wird und nicht aus dem Wasser wieder herausgesiebt wird, nimmt man beim Genuss alle im Teeblatt enthaltenen Wirkstoffe auf, was neben dem intensiven Geschmack auch eine Steigerung der belebenden Wirkung zur Folge hat. Matcha wird auch für die traditionelle japanische Teezeremonie genutzt.

Matcha wird auf eine einzigartige Weise zubereitet. Für die optimale Dosierung des Pulvers nutzt man einen Bambuslöffel und gibt rund 2 bis 3 Gramm Matcha in eine Schale. Das gießt man mit etwa 60 Grad heißem Wasser auf. Mit Hilfe eines kleinen Bambusbesens wird der Tee nun schaumig geschlagen. Erst wenn sich der feine Schaum auf der Oberfläche bildet, ist der Matcha fertig.

Einst ein nahezu kultisches Getränk, ist Matcha aber mittlerweile auch Zutat vieler industriell gefertigter Süß- und Backwaren. Hierfür werden jedoch meist nur einfache Blattqualitäten genutzt (“Kochmatcha”).

So entwickelte sich etwa die Kreation des “Matcha latte”, bei dem Matcha mit Milch aufgeschäumt wird, in den vergangenen Jahren außerhalb Japans zum Trendgetränk.

Allgemeine Hinweise zum Genuss von Grüntee

Grünen Tee kann man je nach Sorte zwei- bis dreimal aufgießen. Die Zahl der möglichen Aufgüsse steigt mit der Qualität des Blattguts, aber sinkt proportional zur Wassertemperatur und Ziehzeit. Je heißer also der Tee aufgegossen wird oder je länger er zieht, desto schneller erschöpft sich sein Geschmackspotential und desto bitterer wird er.

Feiner grüner Tee sollte mit “weichem” Wasser aufgegossen werden. Falls man in einer Region wohnt, wo das Wasser sehr kalkhaltig ist, empfiehlt sich der Einsatz eines Wasserfilters.

Grünen Tee aus Japan trinkt man nicht mit Milch, Zitrone, Zucker oder Honig. Wem der Tee pur zu bitter ist, der möge etwas Süßes dazu essen. In Japan werden zum grünen Tee gerne Wagashi (zu dt. Japanische Süßigkeiten) gereicht, um das Geschmackserlebnis abzurunden.

Habt ihr Lust einmal eine Teezeremonie zu erleben? Wendet euch zum Beispiel an eine Deutsch-Japanische Gesellschaft in eurer Nähe oder schaut auf der Homepage vorbei.

Anzeige


Auch interessant

Masako Wakamiya: Eine der ältesten App-Entwicklerinnen der Welt

Für eine der ältesten App-Entwicklerinnen weltweit erwies es sich langfristig als Vorteil, ein „dokkyo roujin“ zu sein – ein älterer Mensch, der alleine lebt.Im...

Beliebte Artikel

Eiichiro Oda: Stirb für “One Piece”.

Dass Eiichiro Oda durch seinen Hitmanga One Piece sehr beschäftigt ist, war den meisten Lesern bereits bekannt.Er betonte einst, lediglich von 2:00 bis 5:00 Uhr...

Gesehen: Akira (2014)

Im August gab Universum Anime bekannt, dass der Klassiker Akira in einer überarbeiteten Fassung noch 2014 auf den Markt kommen wird, genauer am 31...

Trailer zu “Maestro!”

"Maestro!" basiert auf den gleichnamigen Musik-Manga von Saso Akira und kommt 2015 in die japanischen Kinos. Mit dabei sind Matsuzaka Tori und Sängerin...

Anzeige

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

Cookie-Einstellung

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und Werbung einblenden zu können,verwenden wir Cookies. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück