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Grundlagen des „Keigo“ – Die Kunst der japanischen Höflichkeitssprache

Mein Chef kocht, ich koche für meinen Chef und ich erzähle meinem besten Freund, wie ich für meinen Chef gestern gekocht habe – in der deutschen Sprache nutzen wir für alle drei Szenarien einfach das Verb „kochen“. Ganz so simpel ist es im Japanischen aber nicht – harmlos ausgedrückt.

Tief in der japanischen Gesellschaft verwurzelt ist der unerschütterliche Respekt vor Personen, die älter sind als man selbst, aber vor allem gegenüber seinen Vorgesetzten. So ist es in Japan absolut essentiell, sich beispielsweise in der Arbeitswelt mit der richtigen Wortwahl auszudrücken. Aus Respekt erniedrigt man sich mit seinen Worten vor seinem Gegenüber, oder betont seine Bescheidenheit, wenn die Person gerade Gegenstand der Konversation ist. Dazu nutzen die Japaner 敬語 (Romaji: Keigo), die japanische Höflichkeitssprache.

In diesem Beitrag möchte ich euch, ohne euch mit zu viel Informationen zu diesem unglaublich weitreichendem Thema zu überladen, die Grundlagen des Keigo näherbringen. Ich werde mich im Folgenden auf die respektvolle Sprache Sonkeigo (jap.尊敬語) und die bescheidene Sprache Kenjougo (jap.謙譲語) konzentrieren.

Bild: ©PAKUTASO

Schauen wir uns das eingangs erwähnte Beispiel genauer an. Kochen übersetzt auf Japanisch heißt 料理をする (ryouri wo suru, wörtlich: Essen machen). Dementsprechend in der masu-Form:

私は料理をします。(Watashi ha ryouri wo shimasuwörtlich: Ich mache essen)

„する“ (suru, zu Deutsch: machen) wird in der masu-Form zu „します“ (shimasu) und ist in diesem Fall das Verb. Gehen wir nun an das erste Beispiel „Mein Chef kocht“, und schauen uns an, wie sich das Verb verändert.

部長は料理をなさいます。(Buchou ha ryouri wo nasaimasu)

Wir erkennen, dass „します“ (shimasu) sich in diesem Fall zu „なさいます“ (nasaimasu) verändert. Man merke: Es handelt sich um zwei eigenständige Verben! Grundformen beider Verben sind „する“ (suru) und „なさる“ (nasaru). Wir haben also zwei Verben mit der gleichen Bedeutung, jedoch wird nasaru im respektvollen Sonkeigo gebraucht, in dem man Handlungen von Personen beschreibt, die eine höhere Stellung haben als man selbst.

Schauen wir uns nun das zweite Beispiel an, „Ich koche für meinen Chef.“:

私は部長のために料理をします。(Watashi ha buchou no tame ni o-ryouri wo shimasu)

Mit diesem Beispiel sind wir bereits im „bescheidenheitsbetondenden“ Kenjougo angekommen und sehen, dass sich im Vergleich zur Grundform lediglich ein „お“ (o-) vor dem Ausdruck ryouri wo shimasu hinzugesellt hat. Suru-Ausdrücke sind daher die einfachsten Fälle des Kenjougo, je nach Fall wird einfach ein „O-“ oder ein „Go-“ for dem Ausdruck gesetzt. Damit hat man aber nur ein Fragment des Kenjougo begriffen, welches darüber hinaus noch andere Regeln und einige Ausnahmen beinhaltet.

Bild: ©PAKOTASO

Bald geschafft, denn wir sind bereits beim letzten Beispiel angelangt, und zwar in dem ich einem Freund erzähle, wie ich für meinen Chef gekocht habe.

昨日、私は部長のために料理をいたしました。(Kinou, watashi ha buchou no tame ni ryouri wo itashimashita, „Gestern habe ich für meinen Chef gekocht.“)

In dieser Form des Kenjougo erzähle ich bescheiden, wie ich eine Handlung für eine Person durchgeführt habe, die eine höhere Stellung besitzt als ich. Und richtig, auch dafür gibt es einen anderen Ausdruck. „する“ (suru) wird in diesem Fall nämlich zu „いたす“ (itasu) (dementsprechend in der masu-Form „します“ (shimasu) und „いたします“ (itashimasu)).

Ist es vorbei? Bild: ©PAKUTASO

Na? raucht euch schon der Kopf? Kaum zu glauben, dass ihr lediglich die Oberfläche des Keigo angekratzt habt oder? Ich habe bewusst nur Beispiele gebracht und diese erklärt, denn es wimmelt nur so von Regeln, Ausnahmen und unregelmäßigen Formen, dass ich es in einem einzigen Beitrag niemals schaffen würde zu erklären, wie man jede einzelne Form richtig bildet. Dafür habt ihr aber nun eine grobe Vorstellung davon, wie Keigo funktioniert und gebraucht wird.

Für viele Studenten der japanischen Sprache ist Keigo eine große Hürde, die es zu überwinden gilt, und wer nicht aufgibt und fleißig lernt, schafft das auch. Dazu sollte man sagen, dass Keigo nicht oft Alltagssprache ist, den dort wird häufig die masu-Form als höflich genug gesehen.

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