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Japan erleben Hinter den Kulissen von eikaiwa-Schulen

Hinter den Kulissen von eikaiwa-Schulen

Ein häufig ausgeübter Nebenjob für Studenten und andere, die für längere Zeit in Japan leben, ist Englischlehrer in sogenannten eikaiwa-Schulen. Eigentlich eine ziemlich einfache und dafür gut bezahlte Nebeneinkunft. Doch vielen dieser Schulen haftet ein eher negativer Ruf an.

Viele, die für ein Auslandssemester oder mit „Work & Travel“ Visum nach Japan gehen, ziehen in Erwägung, sich mit Sprachunterricht ihre Brötchen zu verdienen. Möglichkeiten gibt es wahrlich viele, als Ausländer wird man in Japan nicht selten angesprochen, ob man Interesse hätte, Japanern Sprachunterricht zu geben. Eine dieser vielen Formen von Sprachunterricht, speziell Englischunterricht, bieten eikaiwa-Schulen.

Lernkonzept

Das Wort eikaiwa (英会話) setzt sich zusammen aus den Kanji für „Englisch“ (ei, 英) und „Konversation“ (kaiwa, 会話) und genau darum geht es in erster Linie in diesen Schulen: Unterhaltungen auf Englisch zu führen.
Der Leitgedanke dahinter ist eigentlich gar nicht verkehrt: Im altmodischen Schul-Englischunterricht, der noch immer stark auf stumpfes Auswendiglernen getrimmt ist, kommt der tatsächliche Sprachgebrauch oft viel zu kurz und die meisten Schüler können Gelerntes kaum anwenden. Eikaiwa Schulen sollen diese Lücke füllen und dienen vielen als zusätzliche Nachhilfe.

Der Unterricht ist zum großen Teil aufs Sprechen ausgelegt und legt besonders viel Augenmerk auf die richtige Aussprache. Mit erwachsenen Schülern werden oft alltägliche Unterhaltungen auf Englisch geführt, damit sie den Sprachgebrauch üben können. Auch gibt es sogenannte „Business Classes“ bei denen Firmenangestellte beispielsweise auf Geschäftsreisen im Ausland oder längere Aufenthalte vorbereitet werden.

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Kinderunterricht an einer eikaiwa-Schule; © Heartskids

Bei Kindern sieht das Konzept etwas anders aus. Eine spezielle Methode, die hierbei oft Verwendung findet, ist die sogenannte Phonics Methode, mithilfe derer Kinder jeden Buchstaben im Alphabet direkt zusammen mit seinen verschiedenen Aussprachen lernen. Anhand dieser Methode lernen die Kinder auf natürliche Weise, wie verschiedene Wörter richtig ausgesprochen werden, auch wenn sie das Wort vielleicht noch gar nicht kennen.

Allerdings fällt auch dieses Konzept oft demselben „japanischen Trott“ zum Opfer, wie der normale Schulunterricht: Auch wenn der Fokus auf die Aussprache gelegt wird, besteht auch hier der Unterricht oft aus nicht viel mehr als purer Wiederholung von ein und denselben Satzmustern. Die Folge: Fällt ein Satz mal nur leicht aus dem Muster, wissen die Kinder meist schon nicht mehr, was man von ihnen will.

Arbeitsbedingungen in eikaiwa-Schulen

Grundsätzlich führt man als Sprachlehrer in eikaiwa-Schulen kein leichtes Leben. Der Unterricht mag zwar leicht fallen, vorausgesetzt man ist für den Lehrerjob geschaffen, doch das Arbeitspensum ist enorm. Je nach Lehrphilosophie kriegt man Lehrinhalte vorgegeben oder muss selbst welche erstellen – hierfür gehen zusätzliche Stunden abseits der bezahlten Arbeitszeit drauf. Im Großen und Ganzen unterscheidet sich dies jedoch kaum von den Verpflichtungen eines normalen Lehrers.

Das eigentliche Problem liegt woanders: Nicht selten versuchen die Schulen, Vorteile aus unwissenden Ausländern zu schlagen, insbesondere die kleineren Firmen abseits der Großstädte. Unbezahlte Überstunden, unterschlagene Sozialleistungen, Erpressung – es gibt viele Horrorstories.

Oftmals besteht diese Ausnutzung nur in kleinen Dingen: Schulen stellen Lehrer ohne Arbeitsvertrag ein, lassen sie quasi schwarz arbeiten, oder tragen ihnen nebenher auf, Flyer zu verteilen oder anderweitig Werbung zu machen. Besonders für Business-Klassen muss man häufig auch weite Strecken bis zur jeweiligen Firma zurücklegen. Wenn man Glück hat, bekommt man zumindest die Fahrtkosten erstattet, nicht aber die Zeit, die dafür verloren geht.

Nicht selten jedoch werden Lehrer stark unter Druck gesetzt. Das ist besonders kritisch für jene, die überhaupt erst durch ein von der Sprachschule ausgestelltes Arbeitsvisum nach Japan kommen konnten und im schlimmsten Fall auch die Unterkunft gestellt bekommen haben. So finden sich beispielsweise Berichte von Lehrern, denen mit Rauswurf aus der Wohnung gedroht wurde, nachdem sie sich geweigert hatten, spontan an einen mehrere Hundert Kilometer entfernten Standort zu wechseln.

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Werbeanzeige einer eikaiwa-Schule; © ECC

Online werden die Warnrufe deswegen zunehmend lauter und stärker. Inzwischen findet man nicht nur auf privaten Blogs und Webseiten Erfahrungsberichte zu den Schattenseiten von eikaiwa-Schulen, selbst Nachrichtenportale wie The Japan Times berichten immer häufiger über die Ausbeutung von Ausländern in dieser Branche und geben Tipps, worauf man achten sollte.

Aber nicht alle eikaiwa-Schulen sind grundsätzlich schlecht, keine Frage. Besonders große Ketten achten darauf, einen gewissen Standard zu wahren, immerhin haben sie ja einen Ruf zu verlieren. In diesen Fällen ist es allerdings auch weitaus schwerer, tatsächlich einen Job zu bekommen, da die Konkurrenz groß ist und in der Regel Englisch als Muttersprache vorausgesetzt wird, um es auch zu unterrichten.

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