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Verträumt, verschneit und ein wenig anders

Hokkaido – der kalte Norden Japans

Hokkaido im Norden von Japan ist für viele Besucher noch immer ein unerforschtes Land. Weit weg vom Zentrum des Landes und je nach Jahreszeit schwer zu durchkreuzen, bieten vor allem diese besonderen Eigenschaften den wunderschönen und oftmals verträumten Reiz dieser Region.

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Die Präfektur Hokkaido im Norden Japans umfasst ungefähr ein Fünftel der Landfläche von ganz Japan. Sie bietet daher den Menschen und der vielseitigen Natur viel Platz für Kultur und natürliche Lebensräume.

Die Weiten von Hokkaido

Hokkaido ist geprägt von einem kühlen Klima und zahlreichen Bergen und Vulkanen entlang einer von Norden nach Süden verlaufenden Bergkette. Das industrielle, kommerzielle und touristische Zentrum von Hokkaido ist Sapporo. Hier befindet sich auch die 1876 gegründete Hokkaido-Universität. Hakodate, Otaru und Muroran zählen außerdem zu den wichtigsten Hafenstädten der Präfektur.

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Das Territorium von Hokkaido war lange Zeit die Heimat der Ainu, welche die Ureinwohner dieser Präfektur sind. Die dauerhafte Besiedlung der Insel durch die Japaner begann im Jahr 1869, als das Gebiet, das bis dahin Provinz Yezo genannt wurde, in Hokkaido umbenannt wurde.

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In der Folge wurden die meisten Ainu in die japanische Gesellschaft integriert. Allerdings hat eine kleine Anzahl von Menschen mit einer Ainu-Abstammung ihre eigene Identität bewahrt und lebt heutzutage vor allem im Norden Hokkaidos. Die erzwungene Integration der Ainu ist bis heute ein immer wieder auftauchendes Problem und Thema vieler Debatten.

Die Geschichte und die Kultur der Ainu

Ursprünglich lebten die Ainu nicht nur im heutigen Hokkaido, sondern waren auch die Ureinwohner von Sakhalin, der größten Insel von Russland und den Kurilen. Außerdem verbreitete sich das Volk auf die Kamchatka Halbinsel und Honshu.

Diese frühen Bewohner sprachen die japanische Sprache nicht. Einige von ihnen wurden bereits Anfang des 9. Jahrhunderts von den Japanern unterworfen. Im Jahr 1264 drangen die Ainu bis auf die Sakhalin Insel vor, die zu der Zeit das Land der Volksgruppe Nivkh gewesen war. Auch begannen sie eine Ausdehnung in die Amur-Region, die damals von der Yuan-Dynastie kontrolliert wurde, was zu Repressalien durch die Mongolei führte.

Der aktive Kontakt zwischen den Wa-jin oder Yamato-jin genannten ethnischen Japanern und den Ainu von Ezogashima, dem heutigen Hokkaido, begann im 13. Jahrhundert. Die Ainu bildeten dabei eine Gesellschaft von Jägern und Sammlern, die hauptsächlich von der Jagd und dem Fischfang lebten.

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Während der Muromachi-Periode (1336-1573) gerieten viele Ainu unter japanische Herrschaft. Streitigkeiten zwischen den Japanern und den Ainu führten 1456 zum Aufstand von Koshamain, bei dem es zu massiver Gewalt und dem Tod des Ainu Anführers kam.

Der Beginn der Meiji-Restauration im Jahr 1868 stellte einen Wendepunkt für die Ainu-Kultur dar. Die japanische Regierung führte eine Reihe sozialer, politischer und wirtschaftlicher Reformen ein, in der Hoffnung, das Land nach westlichem Vorbild zu modernisieren. Eine der bedeutenden Neuerungen war die Annexion von Hokkaido.

Im Jahr 1899 verabschiedete die japanische Regierung ein Gesetz, das die Ainu als „ehemalige Ureinwohner“ bezeichnete. Dies führte dazu, dass sich die japanische Regierung das Land, auf dem die Ainu lebten, aneignete und es fortan unter japanische Kontrolle stellte. Zu dieser Zeit erhielten die Ainu auch offiziell die japanische Staatsbürgerschaft, womit ihnen der Status einer einheimischen Gruppe verweigert wurde.

Die Kultur der Ainu unterschied sich schon immer stark von der Kultur im restlichen Japan. Eines der offensichtlichen Elemente einer Kultur ist dabei das äußere Erscheinungsbild. Experten sind der Meinung, dass die Ainu-Kultur in eine breitere „nördliche pazifische Region“ eingeordnet werden kann, die sich auf verschiedene indigene Kulturen in Nordostasien und „jenseits der Beringstraße“ in Nordamerika bezieht.

Die Männer rasierten sich ab einem bestimmten Alter nicht mehr und trugen Vollbärte oder Schnurrbärte. Männer und Frauen schnitten sich die Haare auf Schulterhöhe an den Seiten des Kopfes, hinten halbkreisförmig. Die Frauen ließen sich den Mund und manchmal auch die Unterarme tätowieren. Ihre traditionelle Kleidung bestand aus einem Gewand, das aus der inneren Rinde der Ulme gesponnen wurde, genannt Attusi oder Attush.

Die Ainu sind traditionell Animisten und glauben, dass alles in der Natur einen Kamuy (Geist oder Gott) in sich trägt. Zu den wichtigsten gehören Kamuy-huci, die Göttin des Herdes, Kim-un-kamuy, der Gott der Bären und Berge, und Repun Kamuy, der Gott des Meeres, der Fischerei und der Meerestiere. Kotan-kar-kamuy gilt darüber hinaus in der Ainu-Religion als der Schöpfer der Welt.

Bis heute ist die Sprache der Ainu beinahe ausgestorben und nach offiziellen Zahlen sprechen nur noch weniger als 100 Menschen die ursprüngliche Sprache. Dennoch wird versucht, die Sprache an die Menschen weiterzugeben, was allerdings durch die geringe Anzahl derer, die die Sprache nativ sprechen, ein schwieriges Unterfangen ist.

Hokkaido und seine Jahreszeiten

Im hohen Norden von Japan verläuft die Zeit im Vergleich zum Rest ein wenig anders. Während im Zentrum von Japan im März der Frühling beginnt und im April die Kirschblüten bereits in voller Blüte stehen, sind in Hokkaido die Temperaturen im März oftmals noch unter dem Gefrierpunkt.

Auch im März, wenn im Norden der Frühling allmählich beginnt, sind die Temperaturen noch ziemlich frisch. Erst im Mai können die Menschen in Hokkaido auch endlich die Kirschblüten bewundern. Gleichzeitig zeigt der Frühling natürlich auch anderweitig sein farbenfrohes Gesicht.

Blüten im Frühling

Im Higashimoto Shibazakura Park erstrahlen auf einer Fläche von 10 Hektar die pinken und violetten Shibazakura und erwecken den Eindruck, als würde der komplette Boden dicht mit Kirschblüten bedeckt sein. Schnell wird einem beim Anblick klar, warum dieser Ort auch manchmal als das Königreich der Blumen bezeichnet wird.

Das einstige Zentrum von Ezo, wie die Region von Hokkaido ursprünglich genannt wurde, ist vor allem aufgrund der Kirschblüten einen Besuch wert. Im Goryokaku Park in Hakodate wurden bis zu fünftausend Kirschbäume gepflanzt, wodurch er zu einem der berühmtesten Orte für die Kirschblüte in Hokkaido wurde.

Vom 107 Meter hohen Goryokaku Turm, der direkt an den Park angrenzt, hat man einen herrlichen Blick auf die rosafarbene, sternförmige Festung.

Atemberaubende Vielfalt im Sommer

Ebenso wie der Frühling hat auch der Sommer von Juni bis August so seine Eigenheiten. Da es, anders als auf der Hauptinsel, auf Hokkaido keine Regensaison gibt, ist es die ganze Zeit über angenehm warm ohne eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Auch die Temperaturen bewegen sich im Sommer selten über 30 °C, sodass eine Flucht in den Norden vorübergehend eine Option darstellen kann.

Allerdings ist der Sommer relativ kurz und so muss man sich schon beeilen, um insbesondere die wundervollen Landschaftsbilder im sprichwörtlichen Zentrum von Hokkaido zu bewundern.

Hokkaido Sommer
Blütenpracht im Sommer. Foto: Shirota Yuri (Unsplash)

Hier gibt es die wunderschönen Hügel rund um Biei, die berühmten Lavendelfarmen um Furano und die atemberaubenden Schluchten um Sounkyo. Shikisai-no-oka in Biei und die Farm Tomita in Furano gehören zu den größten Gärten der Region und sind von einem traumhaften Panorama umgeben. Auch kulinarisch hat die Region einiges zu bieten: frisches Gemüse, Wein und Käse aus Furano sind hier zu finden.

Dabei ist der Flughafen Asahigawa der bequemste Ausgangspunkt, um die Region zu erkunden. Allerdings ist die Gegend nur 2 bis 3 Autostunden von Sapporo entfernt, sodass auch bequeme Tagesausflüge möglich sind. Der Ort Sounkyo ist dabei ein beliebtes Reiseziel wegen seiner heißen Quellen.

Der farbenfrohe Herbst

Nach dem angenehmen Sommer fallen die Temperaturen in Hokkaido im Herbst bis zum Winter hindurch stark ab. Auch wenn es gelegentlich zu starken regionalen Regenfällen kommen kann, bietet der Herbst im hohen Norden vor allem klares Wetter. Warm angezogen kann man in den Monaten September bis November auch in Hokkaido das Herbstlaub genießen. Die Temperaturen reichen dabei von 15 °C im Herbst bis unter den Gefrierpunkt im November.

Hokkaido Herbst
Der Aoi Ike. Foto: Jarret Kow (Unsplash)

Hokkaido lohnt sich natürlich auch für eine Rundreise mit dem Zug. Ein Ziel, welches man auch im Herbst noch einmal ins Auge fassen sollte, ist das Dorf Biei. Es liegt westlich des Daisetsuzan-Nationalparks. Hier weicht die Blumensaison der Erntezeit. Der Wald um den blauen Teich Aoi Ike erstrahlt in leuchtenden Farben. Hier herrscht eine ruhige und entspannende Atmosphäre. Der farbenfrohe Hügel, Shikisai no oka, ist zudem ein Ort, von dem aus man die beste Aussicht auf die Insel genießen kann.

Der eisige und lange Winter

Aufgrund des klaren, trockenen Klimas ist Hokkaido für seinen erstklassigen Pulverschnee bekannt. Von Ende November bis Anfang Mai dauert die Schneesaison und macht die Region zu einem Paradies für Skifahrer und Snowboarder. Skigebiete wie Niseko, Tomamu und Kiroro sind auch bei internationalen Besuchern sehr beliebt.

Der Winter von Hokkaido bietet zahlreiche Möglichkeiten, bei denen man die eisigen Naturphänomene beobachten kann. Im Januar und Februar wird an der Küste von Otsu (Stadt Toyokoro) juwelenartiges, kristallklares Eis angespült. Dieses Naturphänomen wird passenderweise „Juweleneis“ genannt, wobei sich dieses Phänomen zum Sonnenaufgang besonders lohnt.

Hokkaido Winter
Der Winter ist hart und lang in Hokkaido. Foto: Steven Su (Unsplash)

Zwischen Januar und März kann man am Akan-See im Osten Hokkaidos die zarten „Eisblumen“ sehen. Dabei handelt es sich um Eiskristalle, die sich am frühen Morgen in blumenähnlichen Formen auf dem zugefrorenen See bilden. Außerdem entstehen Eisblasen, nachdem Gas vom Seeboden in den Eisschichten darüber eingeschlossen wird. Diese Wunder der Natur können am frühen Morgen bei einem Spaziergang beobachtet werden.

Köstlichkeiten aus Hokkaido

Die Präfektur Hokkaido ist ein Paradies für alle Genießer. Aus den lokalen Zutaten kreieren die Menschen der Präfektur die vielseitigsten Gerichte. In Japan werden Krabben oftmals mit dem Winter in Verbindung gebracht. In Hokkaido allerdings sind diese in der regionalen Küche das ganze Jahr über erhältlich. Vor allem sind es hier die Königs- oder Schneekrabben, die in den kalten Meeresgewässern rund um die Präfektur gefangen werden und für viele Menschen eine Delikatesse darstellen. Dabei ändert sich die Art der Zubereitung je nach Saison.

Der Seeigel, auch Uni genannt, ist ein Lebensmittel aus Hokkaido, das das ganze Jahr über auf der Insel gefangen werden kann. Allerdings sind die Seeigel, die zwischen Juni und August insbesondere in Rishiri, Rebun und Shakotan gefangen werden, besonders hochwertig und schmackhaft. Vor allem die Seeigel, die sich von qualitativ hochwertigem Seetang ernähren, gelten als die köstlichsten und passen auch zu westlichen Gerichten wie Pasta.

„Jingisukan“ („Dschingis Khan“) ist ein Muss auf Hokkaido. Landesweit wird gewürztes Hammelfleisch für dieses Gericht in einer Soße eingelegt und dann gegrillt. Beim Jingisukan nach Hokkaido-Art wird es umgekehrt gemacht: Das Fleisch wird gegrillt und anschließend in die Soße getaucht. Diese Art und Weise gilt als die originale Art der Zubereitung des Gerichtes, das aus dem heutigen Nordostchina kommt.

Natürlich hat auch Hokkaido seine lokalen Ramen-Spezialitäten. Vor allem geht es bei den Variationen darum, dass sie eine gute geschmackliche Verbindung zu Meeresfrüchten haben. Sapporo Ramen bieten einen kräftigen Miso Geschmack mit einer Menge Knoblauch und frischem Gemüse.

Ramen aus Ashikawa zeichnen sich durch einen einfachen, auf Sojasoße basierenden Geschmack aus. Hier ist es üblich, eine Suppe aus Schweineknochen und Meeresfrüchten zu verwenden. Eine weitere Besonderheit von Asahikawa Ramen ist, dass die Oberfläche der Suppe mit einem Film aus Schmalzöl bedeckt ist, sodass die Suppe auch an besonders kalten Tagen lange heiß bleibt.

In Hakodate ist vor allem Ramen mit einer klaren und salzigen Brühe beliebt. Die Zubereitung verläuft unter größter Vorsicht, damit sie bis zum Servieren ihre Klarheit bewahrt. Dieses Gericht entstand aus der direkten Verbindung zur chinesischen Küche in Hokkaido und es kommt nicht selten vor, dass die Menschen die Brühe bis zum letzten Tropfen genießen.

Spannendes Hokkaido

Durch seine Lage im hohen Norden bietet Hokkaido den Besuchern ein komplett anderes Gesicht von Japan. Das schlägt sich nicht nur im Klima nieder, sondern zeigt sich auch in den Menschen, die oftmals sehr offen und humorvoll sind. Darüber hinaus bietet die Geschichte der Präfektur bis heute so einiges an spannendem Diskussionsstoff und Möglichkeiten, sich zu bilden: die Geschichte der Ainu, ihre Verbindung zum restlichen Japan und wie die Insel am Ende in Japan eingegliedert wurde. Vieles in der Geschichte von Hokkaido verlief so viel anders als auf der Hauptinsel. Und somit kann dies neben der vielseitigen Landschaft und der hochwertigen Küche ein weiterer Grund sein, seinen Urlaub in Japan bis nach Hokkaido auszuweiten.

Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Webseite der Präfektur Hokkaido und auf JapanTravel.

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