Japan erleben Hotel der Zukunft? Die japanischen Kapselhotels

Hotel der Zukunft? Die japanischen Kapselhotels

Klein, eng, eingepfercht – soll das wirklich ein Hotel sein? Das denken viele Leute, wenn sie den Begriff Kapselhotel zum ersten Mal hören. Doch im Grunde ist es dort ganz anders als man zunächst denkt. Die günstigen Unterkünfte machen nämlich sowohl ihrem Namen, als auch dem japanischen Standard alle Ehre.

Doch für alle die noch nie davon gehört haben: Was ist ein Kapselhotel eigentlich? Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein etwas unkonventionelles Hotel. Denn statt geräumigen (oder auch weniger geräumigen) Zimmern buchen die Gäste hier eine Kapsel. Dabei handelt es sich um einen meist etwa 50-100cm hohen wie breiten und ca. 2m langen „Raum“. Diese Räume sind in einem oder mehreren großen Sälen untergebracht. Zwei davon befinden sich übereinander und je nach Größe des Saals entsprechend viele nebeneinander. Meist in mehreren solcher Reihen angeordnet.

Ausstattung einer Schlafkapsel – Ein Hotelzimmer im Miniaturformat

Zu dieser gemieteten Kapsel gehören immer die darin befindlichen technischen Ausstattungen: Steckdosen und teilweise USB-Ports zum direkten Anschließen von Handyladekabeln, Licht mit eigenem Regler, oft auch ein Weckruf (dieser ist jedoch aus Rücksicht auf die anderen Gäste nur auf Vibration oder das Einschalten des Lichts einstellbar) und natürlich gibt es auch eine „Tür“. Dabei handelt es sich jedoch um eine Art Stoff-Rollo, das man herunterziehen und somit seine Kapsel verschließen kann. Manchmal kann man in der Kapsel auch einen kleinen Safe vorfinden, der direkt an der seitlichen Wand oder am Kopfende angebracht ist und in dem kleinere Wertgegenstände aufbewahrt werden können. Für größere Gepäckstücke wird ein größerer Safe in einem eigenen Raum für jeden Gast bereitgestellt. In einigen wenigen Ausnahmen gibt es sogar einen kleinen Fernseher in den Kapseln.

Natürlich muss kein Gast in einem Kapselhotel auf eine Dusche verzichten. Man sollte sich jedoch auf einen längeren Weg als im gewöhnlichen Hotel einstellen, denn es gibt hier Gemeinschaftsduschen und auch Gemeinschaftstoiletten. In manchen Hotels gibt es außerdem auch Gemeinschaftsräume. Hierbei gilt jedoch meist Etagenweise Geschlechtertrennung. Das heißt, dass auf einer Etage Kapseln, Duschen, Toiletten und auch Aufenthaltsräume ausschließlich für Frauen und auf einer anderen Etage ausschließlich für Männer sind.
Manche Hotels bieten zusätzlich sogar den Luxus eines Indoor-Onsen an, das wie in den meisten Fällen ebenfalls nach Geschlechtern getrennt genutzt wird.

Meist kann man zu der Unterkunft auch ein Frühstück buchen. Dies findet sowohl in Form von Gutscheinen (für bekannte Cafés oder Restaurants) als auch in einem Speisesaal des Hotels statt – je nachdem, um welches Hotel es sich handelt.

Schlafraum
Etagenbett – Kapsel-Schlafraum an den Wänden mit Anime- und Manga-Motiven

Wie schläft es sich in einem Kapselhotel?

Nach all diesen Randinformationen nun zurück zur eigentlichen Frage: Ist es in einer Schlafkapsel wirklich so eng, dass man sich eingepfercht fühlt? Ist es dazu noch laut und unmöglich zu schlafen? Meine klare Meinung dazu ist: Nein, es ist nicht laut, denn in Japan halten sich die meisten Gäste an die Regeln. Im Kapselhotel geht es zumeist leise zu und an der Rezeption werden Stoff-Hausschuhe ausgegeben, damit man die “Zimmer-Nachbarn” nicht mit lauten Schritten aus dem Schlaf reisst. Die Kapseln sucht man nur zum Schlafen auf, daher ist es nur logisch, dass dort ein Stille-Gebot herrscht. So kann man auch tagsüber ungestört dort verweilen und schlafen oder sich eine Zeit lang von einer anstrengenden Reise erholen.

Durch die Möglichkeit, das Licht zu regulieren und die Kapsel mit einem Stoff-Rollo zu verschließen, kann man nach seinem ganz eigenen Rhythmus aufstehen und zu Bett gehen. So wird niemand gestört. Das ist in meinen Augen ein enormer Vorteil gegenüber Gruppenschlafzimmern oder manchmal eben auch gewöhnlichen Hotelzimmern.

Auch platztechnisch kann ich nur positiv über die Kapseln berichten. Selbst mit einem riesigen Rucksack in der Kapsel hatte ich noch ausreichend Platz – mehr sogar als in den meisten asiatischen Betten. Man kann darin auch als Europäer problemlos aufrecht sitzen, solange man nicht gerade 2m groß ist. Die Matratzen sind für mein Empfinden bequem und haben einen mittleren Härtegrad. Zusätzliche Kissen kann man immer an der Rezeption oder manchmal auch im Schlafsaal selbst erhalten. Ebenso werden, wie bereits erwähnt, Hausschuhe bereitgestellt. Auch Schlafanzüge und Handtücher, die das Personal jeden Tag wechselt, werden ausgegeben. Shampoo und Duschgel stehen in jeder Duschkabine bereit, denn das ist japanischer Standard. Auch Zahnbürsten und Zahnpasta erhält jeder Gast in der Einwegform täglich vom Hotel.

Man kann in diesen Unterkünften ohne Probleme einen längeren Zeitraum übernachten. Entscheidet man sich dafür in einem Land wie Japan Urlaub zu machen, ist man ohnehin sehr selten in der Kapsel. Zum Schlafen gibt es daran meiner Meinung nach nichts auszusetzen. Vor allem, wenn man auf der Suche nach einer günstigen und trotzdem hochwertigen Unterkunft ist, sind Kapselhotels perfekt.

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