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Weite Ebenen, viele Flüsse und Natto

Ibaraki – Eine Tour durch die Präfektur mit ihren kilometerweiten Feldern

Die Präfektur Ibaraki ist vor allem für ein ganz bestimmtes Lebensmittel in Japan bekannt, Natto, die fermentierten Sojabohnen. Sie werden entweder gehasst oder geliebt und dennoch ist ihre positive Wirkung auf die Gesundheit unumstritten.

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Doch was gibt es noch in dieser Präfektur, in der man kilometerweit über die Felder blicken kann, ohne einen Berg zu sehen?

Die Präfektur Ibaraki

Die Präfektur Ibaraki liegt im Osten der Region Kanto auf Honshu, nördlich von Tokyo. Sie  hat eine Fläche von 6.097,19 Quadratkilometern und grenzt im Norden an die Präfektur Fukushima, im Nordwesten an die Präfektur Tochigi, im Südwesten an die Präfektur Saitama und im Süden an die Präfektur Chiba.

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Ursprünglich war die Präfektur als die Provinz Hitachi bekannt. Der Name der Region wurde jedoch im Jahr 1871 in Ibaraki umgeändert.

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Nach der endgültigen Abschaffung des Feudalwesens im Jahr 1871 wurde im Mai 1875 die Präfektur Shinji geteilt und sechs ihrer Landkreise mit der Präfektur Ibaraki zusammengelegt. Gleichzeitig wurden Gebiete nördlich des Flusses Tone aus der Präfektur Chiba eingegliedert, die wiederum mit den Präfekturen Inba und Kisarazu zur heutigen Präfektur Ibaraki zusammengelegt wurden.

Das Klima von Ibaraki

Das Klima der Präfektur Ibaraki ist pazifisch geprägt, also ist viel Regen üblich. Im Winter ist die Luft trocken, während im Sommer eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Im Sommer ist es zudem relativ kühl, da die Präfektur Ibaraki mit Ausnahme einiger Gebiete in der Nähe der Präfektur Saitama stark von der nordöstlichen Luftströmung beeinflusst wird.

Zwar gibt es keine Orte in der Präfektur, die als stark schneereich im Winter ausgewiesen sind, allerdings kann es in einigen Gebieten, insbesondere in den nordwestlichen Bergregionen, aufgrund des Einflusses von Wirbelstürmen an der Südküste und nordöstlichen Luftströmungen lokal zu starken Schneefällen kommen.

Ibaraki und seine facettenreiche Geografie

Im nördlichen Drittel der Präfektur erstreckt sich eine Berglandschaft. Diese Region entspricht dem südlichen Ende des Abukuma-Gebirges, das entlang des Pazifik von der Region Tohoku bis in den Norden der Präfektur Ibaraki reicht.

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Das Gebiet zwischen dem Naka-Fluss und dem Kuji-Fluss wird als Yamizo-Gebirge bezeichnet, die Region zwischen dem Kuji-Fluss und dem Satogawa-Fluss als Kuji-Gebirge und das Gebiet östlich des Satogawa-Flusses als Taga-Gebirge.

Der Tsukii-Pass, der den nördlichen Teil der Gebirgskette von Ost nach West umgeht, gilt darüber hinaus seit Langem als wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Am Fuße dieses Passes befindet sich der Wasserfall Fukuroda-no-taki, der zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen der Präfektur geworden ist. Der Hauptgipfel dieser Gebirgskette ist Ototai-san mit einer Höhe von 653,7 Metern.

Die Präfektur ist durch zahlreiche Flüsse wie von Adern durchzogen. Zu den wichtigsten gehören der Tone-Fluss, der Naka-Fluss und der Kuji-Fluss, die alle in den Pazifischen Ozean (Kashima-Meer) münden.

Ibaraki Berge
Wunderschöne Berglandschaft, auch in Ibaraki. Foto: Torigata Daiki. (Unsplash)

Ebenfalls bedeutende Flüsse sind der Kinugawa-Fluss und der Ogai-Fluss. Dies sind Nebenflüsse des Tone-Flusses, die im westlichen Teil der Präfektur von Norden nach Süden fließen. Die Flüsse Edogawa, Nakagawa und Gongendo bilden einen Teil der Grenze zwischen den Präfekturen Ibaraki und Chiba/Saitama und der Fluss Watarase ist Teil der Grenze zwischen den Präfekturen Ibaraki und Tochigi.

Die zentralen und südlichen Teile der Präfektur sind Teil der Kanto-Ebene, wobei das gesamte Gebiet manchmal auch als Joso-Ebene bezeichnet wird. Darüber hinaus wird die gesamte Region Ibaraki südlich des Abukuma-Gebirges als Hitachi-Hochebene bezeichnet. Die durch die Joso-Hochebene fließenden Flüsse unterteilen die Hochebene außerdem in kleinere Hochplateaus.

Abwechslungsreiches Ibaraki

Ushiku Daibutsu

Wer an Buddha Statuen denkt, denkt oftmals an die sitzenden Variationen, doch die Präfektur hat mit dem Ushiku Daibutsu die höchste stehende Buddhastatue in Japan vorzuweisen. Der Ushiku Daibutsu ist darüber hinaus mit 120 Metern beinahe dreimal so hoch wie die Freiheitsstatue in Manhattan.

Er ist die weltweit drittgrößte Statue. Dabei symbolisiert die Höhe von 120 Metern die 12 Lichtstrahlen, die vom Körper des Gottes Amida ausgehen und die gesamte Welt erreichen sollen. Die Ausrichtung und Größe der Hände sind ein Zeichen dafür, dass er alle fühlenden Wesen akzeptiert.

Ein bedeutsamer Schatz befindet sich Innern der Statue. Nachdem man den pechschwarzen Eingang durchschritten hat, gelangt man in den Raum mit dem Namen „Welt des unendlichen Lichts und Lebens“. Hier sind mehr als 3400 beeindruckende beleuchtete Buddhas zu sehen. Die kleinen Statuen, die Tainaibutsu (ein Buddha in einem größeren Buddha) genannt werden, sind Denkmäler, die von den Familien der Verstorbenen als Grabmäler erworben wurden.

Dazu gibt es Fotos, auf denen man die Entstehungsgeschichte der Statue verfolgen kann. Ob am Tag oder beleuchtet bei Nacht, diese Statue bietet immer einen beeindruckenden Anblick.

Ibaraki Laternen
Laternen und Flaggen in Ushiku. Foto: Einosuke Iida (Unsplash)

Kairakuen Park

Der Kairakuen Park, der zu den drei besten Landschaftsgärten Japans zählt, ist ein botanisches Paradies, das vor allem für seine Ume-Blüten (Ume = Pflaume) bekannt ist. Die Bezeichnung Kairakuen bedeutet sinngemäß „ein Garten für jedermanns Vergnügen“. Diese Rolle erfüllt der Park bereits seit der Edo-Zeit. Der Garten wurde von Nariaki Tokugawa, dem neunten Feudalherrn der Domäne Mito, während der Edo-Zeit angelegt.

Die ersten Pflaumenbäume wurden bereits im Jahr 1842 gepflanzt und heute stehen in diesem Park 3000 blühende Ume-Bäume in über einhundert verschiedenen Varianten.

Mit dem jährlich von Mitte Februar bis zum 31. März stattfindenden Mito-Pflaumenblütenfest wird die Ankunft des Frühlings gefeiert. Jeweils samstags und sonntags finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die von traditionellen Live-Musikdarbietungen bis hin zu Teezeremonien unter freiem Himmel reichen.

Namegata Farmdorf

Durch die zahlreichen Ebenen hat Ibaraki auch für die Camping-Freunde einiges zu bieten. Wer es darüber hinaus ein wenig luxuriöser möchte, dem bietet das Namegata Farmdorf viele Möglichkeiten. Die Lage auf dem Lande, rund zwei Stunden östlich von Tokyo, eignet sich hervorragend für die Beobachtung des Sternenhimmels am Lagerfeuer, fernab von Lärm der Stadt.

Der Campingplatz ist dabei von zahlreichen Gemüsebeeten umgeben, so dass es hier alles zu pflücken und zu essen gibt, was gerade Saison hat. Vor allem sollte jedoch auf keinen Fall die nächtliche Erdbeerernte in einem Gewächshaus, das mit farbenfrohen Disco-Lichtern geschmückt ist, verpasst werden.

In Namegata ist der Bauernhof buchstäblich direkt neben dem Tisch. Die weite Landschaft der Präfektur Ibaraki macht sie zu einer landwirtschaftlichen Hochburg. Sie ist sogar der zweitgrößte Produzent von Süßkartoffeln in Japan. Der Frühstücksspeck, der dort serviert wird, stammt von Schweinen, die mit den Süßkartoffeln gefüttert wurden, die wiederum zuvor auch vor Ort angebaut worden sind.

Hitachi Seaside Park

Der Hitachi Seaside Park ist ein weitläufiges Areal an der Pazifikküste, das zu allen Jahreszeiten mit einer atemberaubenden Blumenpracht aufwartet. Die Wege des Parks führen durch Felder mit leuchtenden Farben.

Ibaraki Hainblumen
Wunderschöne Hainblumen im Hitachi Seaside Park. Foto: Evylin Liow (Unsplash)

Auf rund 200 Hektar des Parks blühen farbenprächtige Blumen. Im Frühling lassen die Millionen Narzissen des Parks weiße Felder entstehen, während die Hainblumen die Felder in ein Meer aus hellem Blau verwandeln. Im Herbst färben sich die 30.000 grünen Kochia-Sträucher des Parks karminrot. Blumen und Bäume wie Christrose, Süßholz und Nerine blühen das ganze Jahr.

Die Küsten

Da die gesamte Ostseite der Präfektur Ibaraki dem Pazifik zugewandt ist, haben die Strände entlang der Küste typischerweise seichtes Wasser, sind in der Regel breit und ausgedehnt und wirken im Vergleich zu den Stränden in der Nähe von Tokyo oder auf der Izu-Halbinsel weniger überfüllt. Die starken Gezeiten locken darüber hinaus Surfer und Bodyboarder an. Allerdings dürfen Kinder an den meisten Stränden nicht allein ins Wasser gehen, da die Strömung sie trotz der geringen Wassertiefe mitreißen könnte.

Die Hauptsaison zum Baden in Ibaraki ist von Mitte Juli bis August, ähnlich wie an anderen Stränden in der Umgebung von Tokyo. An vielen Stränden befinden sich Strandhütten und Verleihe, die in der Regel nur während der Badesaison geöffnet sind. Sie bieten den Strandbesuchern Duschen, Umkleideräume, schattige Rastplätze, Essen und Getränke.

Die Stadt Oarai

Östlich von Mito an der Pazifikküste liegt die Stadt Oarai. Eigentlich lebt die Stadt vor allem von der Ernte von Rettich und dem Fischfang. Doch gibt es für die Menschen in Japan einen ganz besonderen Grund, diese Stadt teilweise sogar in Scharen aufzusuchen. Die Stadt Oarai ist nämlich ein wichtiger Handlungsspielort der Animereihe Girls & Panzer. Der Anime treibt die Fans dieser Reihe immer wieder in diesen eher beschaulichen Ort im Osten von Ibaraki.

Die Beliebtheit der Serie geht sogar so weit, dass traditionell betriebene Sake Brauereien in Ibaraki eine eigene Reihe an Nihonshu mit den Charakteren der Serie darauf herausgebracht haben. Auch in den Räumlichkeiten der Brauerei findet man immer wieder Pappaufsteller mit den Mädchen der Serie.

Ibaraki Girls and Panzer
Girls & Panzer Nihonshu aus Ibaraki. Foto: Sebastian Schuster

Bekannteste Lebensmittel aus Ibaraki

Natto

Natto gehört wohl zu den bekanntesten Lebensmitteln aus Japan. Entweder hasst man den Geruch und den damit zusammenhängenden Geschmack oder man liebt ihn. Vor allem ist Natto im Osten Japans beliebt und nach einer Umfrage mögen sogar über 70 Prozent der Menschen in Japan den Geschmack von Natto. Doch auch diejenigen, die den Geschmack nicht mögen, essen es oftmals wegen seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften.

Auch wenn die Geschichte zum Ursprung von Natto nicht eindeutig geklärt ist und es viele verschiedene Erzählungen und Legenden gibt, wird Natto doch heute oftmals mit der Präfektur Ibaraki in Verbindung gebracht. Das liegt unter anderem auch daran, dass hier Natto noch in sehr traditioneller Weise hergestellt und gekauft werden kann. Im Gegensatz zu den oftmals üblichen Polystyrol-Verpackungen, welche bewusst für die Fermentierung des Natto gewählt wurden, gibt es in Ibaraki Natto eingepackt in Reisstroh.

Natto gehört für viele Menschen in Japan zum Frühstück und wird pur oder auch mit Senf und Sojasoße gegessen. Auch in getrockneter und zerkleinerter Form gilt es als ein gutes Nahrungsmittel für Babys.

Ibaraki Natto
Natto auf Mazesoba. Foto: 8-low Ural (Unsplash)

Allen Fans von Natto, oder denen, die sich einfach mehr für dieses außergewöhnliche Lebensmittel interessieren, sei ein Besuch bei Tengu Natto in der Nähe von Mito nahegelegt. Hier wird nicht nur Natto auf traditionelle Weise hergestellt, sondern man kann auch in den kostenfreien Ausstellungsräumen mehr über Natto, seine Eigenschaften und die Geschichte erfahren.

Renkon

Seit über 40 Jahren wird in Ibaraki in der Region Kasumigaura die größte Menge an Renkon angebaut. Auch als Lotoswurzel bekannt, gedeihen sie vor allem dank des großen natürlichen Wasservorrats und der vergleichsweise niedrigen Luftfeuchtigkeit. Sie werden unter größter körperlicher Anstrengung direkt aus dem tiefen Wasser der großen Felder von Ibaraki geerntet. In den vergangenen Jahren sind jedoch auch zahlreiche Gewächshäuser entstanden, in denen man Renkon unter verschiedenen Bedingungen anbauen kann, um somit die Konsistenz und das Aroma zu individualisieren.

Renkon kann bei vereinzelten Farmen in Ibaraki frisch gekauft werden und es werden dabei sogar Führungen über die Felder oder durch die weiteren Räume der Verarbeitung angeboten. Besonders gut schmeckt der frische Renkon angebraten und dann mit einer Prise Salz verfeinert.

Ibaraki erleben

Da vor allem der Norden von Ibaraki aus Bergen besteht, bietet der Rest der Präfektur eine Weite, die man so nicht überall in Japan finden kann. Ibaraki ist daher auch ein beliebtes Reiseziel für Radfahrer, um Radtouren von mehreren Tagen zu unternehmen.

Doch neben den weiten Stränden lädt auch der Norden im Winter in die Berge ein. In vielen Gebieten von Ibaraki läuft die Zeit ein wenig langsamer und somit ist die Präfektur durch die relative Nähe zu Saitama und Tokyo ein idealer Ausflugsort, um den Trubel der Stadt einmal hinter sich zu lassen und ein anderes Gesicht von Japan kennenzulernen.

Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Webseite der Präfektur Ibaraki.

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