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Mit Selbstironie und vielen Ideen gegen das schlechte Image

Ibaraki kämpft darum den Status als Japans unattraktivste Präfektur zu verlieren

Die Präfektur Ibaraki hat ein Problem mit der Nähe zur Präfektur Tokyo und Osaka, zwei sehr beliebte Reiseziele für Touristen aus dem Ausland.

Die Präfektur ist zudem bekannt für die Bergwerke und gilt als eher unattraktiv, ein Image, das man versucht loszuwerden.

Eine Idee, um sein Image zu verbessern, war im vergangenen Jahr, dass man den Flughafen in der Präfektur in „Flughafen Tokyo Nord“ umbenennen konnte. Die Idee dahinter war, dass Profil des Flughafens zu schärfen, in dem man die Nähe zu Tokyo hervorhebt, auch wenn man so den Namen der Präfektur herausstreicht.

Seid Stolz auf eure Präfektur

Die Idee kam bei vielen Menschen, die in Ibaraki leben allerdings nicht so gut an, denn sie kritisierten, dass die Behörden keinen Stolz für ihre eigene Präfektur zeigten.

Am Ende wurde ein Kompromiss gefunden. Der Flughafen, der ungefähr 100 km von Tokyo entfernt ist, heißt auf Japanisch weiterhin Ibaraki Kuko (Ibaraki Flughafen), aber die englische Bezeichnung wird geändert. Zurzeit gibt es drei Namen: „Tokyo Metroplitan / Ibaraki Airport“, „Tokyo North Airport“ und  „Metropolitan / Ibaraki Airport“.

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Ob die Umbenennung Früchte tragen wird, bleibt aber abzuwarten, denn Ibaraki hat noch ein weiteres Problem: Die Präfektur gilt allgemein als unkultiviert, was geschichtlich begründet ist, denn die Menschen gelten als sehr streitlustig.

Die Kontroverse um den Namen des Flughafens hat das Imageproblem der Präfektur aufgezeigt. Zwar kann Ibaraki mit viel Natur und einem hohen Lebensstandard Punkten, aber das hilft natürlich nicht, wenn das Image schlecht ist.

Die Präfekturverwaltung schafft es auch nicht, die Seiten der Präfektur hervorzuheben, die zeigen würde, dass Ibaraki eigentlich eine sehr attraktive Präfektur ist. Was dazu führt, dass sie sieben Jahre in Folge zur unattraktivsten Präfektur Japans gewählt wurde.

Im Moment versucht die Präfektur, ihren Ruf zu verbessern, indem sie eine Reihe unorthodoxer Image-Kampagnen gestartet hat, die alle viel Selbstironie zeigen. Allerdings hatten die Kampagnen bisher eher wenig Erfolg gezeigt.

Warum ist Ibaraki eigentlich so unattraktiv?

Klären wir doch einmal, wieso die Präfektur eigentlich so unattraktiv ist, also von der jährlichen Umfrage mal abgesehen.

Die Präfektur liegt nordöstlich von Tokyo und dort leben fast drei Millionen Menschen. Ibaraki ist gehört zu den sieben Präfekturen in der Kanto-Region und ist die elftgrößte Präfektur in Japan.

Zudem ist die Präfektur auch der drittgrößte landwirtschaftliche Produzent und weist das zehnthöchste Pro-Kopf-Einkommen in Japan auf.

Das Mantoue Festival
Das Mantoue Festival. Bild: Σ64 / Wikipedia Commons

Ibaraki ist also reich an Natur, hat eine große Bevölkerung und ist wohlhabend, eigentlich recht vielversprechend.

Aber ein Beispiel zeigt, dass die Präfektur es nicht leicht hat, denn Ibaraki ist auch der größte Melonenproduzent in Japan, trotzdem werden Melonen eher mit Hokkaido in Verbindung gebracht. Hokkaido hat es geschafft, eine starke Marke zu entwickeln und sich mit seinen „Yubari King“-Melonen, in den Köpfen der Menschen festzusetzen.

Ein weiteres Problem ist das Fehlen einer einzigartigen Stadt, die das Image von Ibaraki definiert.

Die Präfektur hat eine größere Bevölkerung als die Präfektur Kyoto, doch dank der Stadt Kyoto, ist der Name in aller Munde. Mito, die Hauptstadt von Ibaraki, kennt kaum einer.

Als kleines Beispiel dient auch die Präfektur Ishikawa, an der Küste des Japanischen Meeres, deren gesamtes Image auf die Hauptstadt Kanazawa aufbaut, ein Touristenziel, das für die Burgen bekannt ist.

Ein weiteres Problem von Ibaraki ist, dass Touristenziele fehlen, die weltweit bekannt sind.

Obwohl Ibaraki Sehenswürdigkeiten wie die Fukuroda-Wasserfälle und die riesige Buddha-Statue Ushiku Daibutsu hat, sind sie nicht bekannt genug.

Auch die Tatsache, dass die Präfektur der größte Produzent von Natto ist, hilft nicht, denn die mag nicht jeder.

Kampf gegen das schlechte Image von Ibaraki

Die Präfektur kämpft mit einigen Mitteln gegen das schlechte Image.

Im vergangenen Jahr machte Gouverneur Kazuhiko Oigawa kein Geheimnis aus seiner Verärgerung über die Rangliste und sagte, die wenig schmeichelhafte Darstellung seiner Präfektur habe den Ruf von Ibaraki erheblich geschadet.

Der Kashima Schrein in Ibaraki
Der Kashima Schrein in Ibaraki. Bild: Σ64 / Wikipedia Commons

Also versucht man seit Jahren mit selbstironischen Kampagnen dagegen anzukämpfen. 2013 arbeitete die Präfektur dafür mit den Komikern von Yoshimoto Kogyo zusammen. Die Kampagne hieß „Namennyao Ibaraki“ (Wage es nicht Ibaraki zu unterschätzen).

Ein scherzhafter Versuch dem Rest der Nation zu sagen, dass sie aufhören sollen, sich über die Präfektur lustig zu machen. Geholfen hat das allerdings nicht.

Ebenfalls mit viel Selbstironie war eine Serie die 2014 erschien und auf Ibakira TV, der offiziellen Video-Streaming-Site der Präfektur, ausgestrahlt wurde. Die Serie handelte von der Polizei, die versuchte, Ibaraki – die letzte verbliebene Grenze – gegen Invasoren zu verteidigen.

2018 brachte Ibaraki als erste Präfektur eine offizielle virtuelle YouTuberin auf den Markt. Leider auch nur mit mäßigem Erfolg.

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Auch das Anime-Franchise „Girls and Panzer“ sorgt dafür, dass sich das Image bessert, die Küstenstadt Oarai veranstaltet jedes Jahr ein Fisch-Festival, bei dem auch das Franchise eine Rolle spielt. Oarai ist der Name der Schule, auf den die Hauptcharaktere gehen. Das Festival zieht jedes Jahr eine große Anzahl von Fans an.

Aber warum ist das Image für Ibaraki eigentlich so ein Problem?

Eine wichtige Frage, die sich einfach beantworten lässt. Die Bevölkerung von Japan wird immer älter und da die Präfektur so unattraktiv ist, zieht es die Jugend eher in die „coolen“ und „angesagten“ Präfekturen, die mehr zu bieten haben.

Das Problem, der immer älter werdenden Bevölkerung, spüren besonders die Unternehmen, die keine Arbeitskräfte finden. Das spüren natürlich auch die anderen 46 Präfekturen, allerdings haben die Präfekturen, die eine gewisse Attraktivität besitzt, den Vorteil, dass sie junge Menschen anlocken.

Ibaraki hat zwar viele schöne Ecken, die man auch als Tourist unbedingt mal sehen sollte und ein Besuch gehört bei jedem Japanurlaub definitiv dazu, aber um dort zu Leben reicht es vielen Menschen nicht aus.

Ibaraki hat viele schöne Ecken
Ibaraki besticht mit viel Natur. Bild: Toshihiro Matsui / Wikimedia

Wer die Präfektur allerdings etwas erkundet, der wird schnell feststellen, dass die Menschen dort stolz sein können. Denn Ibaraki ist alles anderes als ein lahmes, ländliches Gebiet, im Gegenteil: Ibaraki ist eine Präfektur, die viele schöne Seiten hat und Menschen, die einen herzlichst aufnehmen.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der sollte einfach mal ein wenig durch die Webseite der Präfektur stöbern, oder die Webseite der Präfektur ansehen, die speziell für Touristen ist.

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