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Japan bedauert Aufstellung von Statue

Berlin feiert Enthüllung der ersten öffentlichen Trostfrauen-Friedensstatue

Das Thema der sogenannten Trostfrauen ist weiterhin aktuell. In Südkorea fordern die Opfer des Kriegsverbrechens immer noch Gerechtigkeit von Japan und vor allem eine Anerkennung des Verbrechens. Weltweit wird deswegen mit verschiedenen Projekten an die Frauen erinnert. Nun wurde auch in Berlin eine Friedensstatue in Erinnerung an die Trostfrauen und als Zeichen gegen sexuelle Gewalt aufgestellt.

Am Montag wurde die Friedensstatue in Moabit an der Ecke Birkenstraße und Bremer Straße offiziell für die Öffentlichkeit enthüllt. Es ist zwar die dritte Figur für Deutschland, allerdings ist es die erste, die öffentlich, permanent fest installiert ist und die dazu noch in der Hauptstadt steht.

Ein Mädchen, das alleine sitzt

Die anderen beiden befinden sich im Nepal-Himalaya-Park in Wiesent bei Regensburg und auf dem Gelände der Koreanischen evangelischen Kirchengemeinde Rhein-Main in Frankfurt.

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Leiter hinter dem Projekt ist die Bürgerorganisation Korea Verband, die mit der Arbeitsgemeinschaft reUnion zusammenarbeitet. Die Aufstellung erfolgte dazu im Einverständnis mit den Anwohnern, Behörden und anliegenden Geschäften. Die Statue selbst ist ein Geschenk der The Korean Council for Justice and Remembrance for the Issues of Military Sexual Slavery by Japan.

Bei der Statue handelt es sich um dieselbe Figur, die bereits in anderen Ländern aufgestellt wurde. Sie zeigt ein junges Mädchen in traditioneller Kleidung, das auf einem Stuhl sitzt. Neben ihr ist ein weiterer Stuhl, der jedoch leer ist. Designt wurde die Figur von dem südkoreanischen Künstlerpaar Kim Eun-sung und Kim Seo-kyung.

Ein Zeichen gegen Gewalt

Die beiden Künstler meldeten sich bei der Enthüllungszeremonie bei den Gästen per Videobotschaft. Zu der Veranstaltung selbst waren Vertreter der Bürgergruppe zu Gast, aber auch Politiker, Wissenschaftler und Anwohner.

Nataly Jung-Hwa Han, die Vorsitzende des Korea-Verbands, erklärte, dass die Friedensstatue an die Verbrechen an Mädchen und Frauen erinnern und dazu motivieren soll, die Taten zu verfolgen, zu bestrafen und sie so endlich aus der Welt zu schaffen. Zu der Aufstellung des Denkmals wurde zusätzlich das Bündnis für die Friedensstatue in Deutschland gegründet, dass sich um den Erhalt und die Bildungsarbeit kümmert.

Der Verband musste bei der Planung für die Statue sehr behutsam vorgehen, da Japan äußerst aggressiv gegen Denkmäler zu Trostfrauen vorgeht. Anträge wurden deswegen vorsichtig gestellt, um eine Einmischung zu verhindern. Während die Ausstellung und Enthüllung selbst ohne Vorkommnisse abliefen, verurteilte Japan am Dienstag die Aktion scharf.

Japan will Friedensstatue entfernen lassen

Ein oberster Regierungssprecher gab an, dass sie die Statue in Berlin sehr bedauern. Kabinettschef Katsunobu Kato gab bereits auf einer Pressekonferenz am Montag an, dass die Friedensstatue nicht mit der japanischen Haltung übereinstimmt, mit der sich Tokyo eigentlich Seoul wieder nähern will.

Kato fordert dabei eine Entfernung und gab an, dass er sich an verschiedene Stellen wenden will, um eine Beseitigung zu erreichen. Ob beim Stehenbleiben in Berlin Konsequenzen drohen, gab Kato nicht an. Allerdings wurden in der Vergangenheit bereits Partnerschaftsbeziehungen wegen solcher Statuen beendet, wie zwischen San Francisco und Osaka.

Zwischen 1910 und 1945 befand sich die koranische Halbinsel unter japanischer Kolonialherrschaft. Während des Zweiten Weltkriegs wurden mehr als 200.000 Frauen und Mädchen aus 14 Ländern durch die japanische Armee verschleppt oder unter falschen Versprechen angelockt, um in den Militärbordellen zu arbeiten. Viele von ihnen stammten aus Korea und China. Die Bedingungen in den Einrichtungen selbst waren grausam und menschenverachtend.

Trostfrauen warten immer noch auf eine Entschuldigung

Nach dem Krieg wurde lange das Kriegsverbrechen der Japaner verschwiegen. Erst 1965 gab es von der japanischen Seite eine einmalige Entschädigung, welche nach Japans Ansicht die Angelegenheit für immer klären sollte. Da das Geld jedoch nicht ausreichte, wurde zusätzlich 1995 von Japan ein privater Fond für die Opfer eingerichtet.

Das reichte den Frauen und viele Südkoreanern nicht, da Japan weiterhin das Verbrechen herunterspielt oder gar verleugnet. In Schulbüchern findet es so gut wie keine Erwähnung und gegen kritische Stimmen zum Thema wird aggressiv vorgegangen.

Dazu wurde der Fond nicht als offizielle Entschädigung von den Opfern angesehen, weswegen viele das Geld ablehnten. Weiter werden vor allem eine offizielle Entschuldigung und Anerkennung von der Regierung gefordert, die es bis heute nicht gibt.

Am 28. Dezember schlossen Japan und Südkorea ein Abkommen, mit dem der Streit um die Trostfrauen zwischen beiden Ländern beigelegt werden sollte. Das Abkommen sah vor, eine erneute öffentliche Entschuldigung Japans und die Zahlung von einer Milliarde Yen für eine Stiftung, die unter südkoranischer Verwaltung steht und den Opfern zugutekommen soll.

Die Stiftung wurde im Juli 2019 von Südkorea geschlossen, nachdem sich die diplomatischen Beziehungen beider Länder verschlechtert hatten.

Update:

Anders als im Artikel geschrieben, war Bezirksstadträtin Sabine Weißler bei der Veranstaltung nicht anwesend und hielt auch keine Rede.

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