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Japanische Theatertradition an der Elbe

Dresdner Künstlergruppe bringt japanische Kindermärchen auf die Bühne

Seit vielen Jahren sind die Märchenerzählenden von „1001 Märchen und Geschichten“ fester Bestandteil der Dresdner Kulturszene. Im Repertoire haben sie Märchen aus aller Welt, mit denen Sie das Publikum zum Lachen, Weinen, Fürchten und Nachdenken bringen. Im Sommer dieses Jahres werden in einem neuen Programm japanische Märchen für Kinder aufgeführt.

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Dabei kann die Gruppe aus einer riesigen Auswahl an Märchen schöpfen. Das Erzählen von Geschichten hat in Japan eine lange und reiche Tradition, aus der verschiedenste Erzählformen hervorgegangen sind. Weltweit bekannt sind etwa die Formen des japanischen Theaters, vom Ein-Personen-Rakugo bis zu den aufwändigen Erzählungen des Noh-Theaters. Für das Programm in Dresden nutzen die Kunstschaffenden in Dresden dagegen ein weniger bekanntes Format – das Kamishibai.

Märchenstunde für Kinder mit japanischer Musik

„Magie und Geisterstunde“ nennt sich das Programm, das vorerst nur am 11.06. zu sehen ist. Eine Stunde lang entführt Erzählerin Brit Magdon die kleinen Gäste dann in die japanische Märchenwelt. Dabei soll es besonders um Geschichten gehen, in denen mutige und tapfere Kinder die Hauptrolle spielen. Begleitet wird die Erzählerin von Makiko Miyake, deren Flöten- und Okarinaspiel das Erzählte musikalisch unterlegt. Tickets für die Märchenstunde gibt es auf der Seite der Veranstalter.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Brit Magdon und Makiko Miyake sich in die Welt der japanischen Märchen begeben. Anfang April boten sie mit „Das Geschenk des Kranichs“ bereits einen Abend mit japanischen Geschichten für Erwachsene an und eröffneten damit die Spielsaison der „1001 Märchen und Geschichten“ für 2022.

Mit viel Charme und Wortgewandheit schafft es die Theaterwissenschaftlerin und gelernte Erzählerin Brit Magdon, auch Menschen ohne Vorkenntnisse in japanischer Kultur und Mythologie in die Welt der japanischen Götter zu entführen, erzählt ebenso souverän, aber auch absurde Geschichten des Rakugo-Stils. Das Flöten- und Okarina-Spiel von Makiko Miyake sorgt für fließende Übergänge zwischen den Geschichten und lässt vergessen, dass man sich ja doch immer noch in Deutschland befindet.

Japanisches Straßentheater als Inspiration für das Dresdner Programm

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Als Rahmenhandlung und visuelles Element beim Märchenerzählen dient den Künstlerinnen dabei ein Holzkasten, der aus dem japansichen Kamishibai-Theater entlehnt ist. Im Zentrum von Kamishibai – dem „Papiertheater“ – stehen auf Papier gezeichnete Bilder, die das Erzählte untermalen und extra für die jeweilige Geschichte angefertigt werden. Im Laufe des Erzählens können die Blätter einfach der Reihe nach aus dem Kasten gezogen werden und geben den Blick auf das jeweils nächste Bild frei.

Entstanden ist diese Erzählform in Japan vor allem in den Vorkriegsjahren, geht aber zurück bis auf die Zeit von Wandermönchen, die ihre Geschichten mit Bilderrollen visualisierten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Kamishibai-Kästen auf Fahrräder montiert, dazu gab es eine Auswahl an Süßigkeiten, die von den Lauschenden für kleines Geld gekauft werden konnten. Die eigentliche Vorstellung dagegen war üblicherweise kostenlos. Um anzuzeigen, dass eine Kamishibai-Vorstellung bevorstand, schlugen die Erzählenden zwei Holzklötze aufeinander. Das laute Geräusch in einem typischen Rhythmus lockte dann Schaulustige aus der Nachbarschaft herbei.

Noch bis in die 1950er Jahre gab es in Japan 10.000 Kamishibai-Künstler, die ein tägliches Publikum von über 5 Millionen Zuschauenden unterhielten. Heutzutage findet das Kamishibai-Theater jedoch kaum noch Nachwuchs und ist in seiner klassischen Form nur sehr selten zu finden. Angst vor dem Aussterben der Erzähltradition muss man jedoch nicht haben, schließlich inspiriert sie, wie jetzt in Dresden, auch weiterhin Künstlergruppen weltweit und findet in abgewandelter Form auch in der Pädagogik Anwendung.

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