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Über das Leben bei uns im Land

Japaner in Deutschland – „Jede Erfahrung hat eine Bedeutung für mich“

Japaner sind genauso wie Deutsche von den fremden Kulturen der Erde fasziniert. Immer wieder entdecken sie dabei auch Deutschland für sich. Was bewegt sie dazu, ihrer Heimat den Rücken zu kehren und in Deutschland ihr Glück zu suchen? Mit welchen Herausforderungen haben sie zu kämpfen? Wir haben mit Japanern über die positiven und negativen Seiten ihres Lebens in Deutschland gesprochen.

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Yuri Takano (24) ist Deutschlehrerin und wohnt in Berlin. Dort studiert sie Modemarketing an der Business School. In ihrer Freizeit kocht sie gerne, arrangiert Blumen oder nimmt an einer Teezeremonie teil. Überschüssige Energie wird die junge Lehrerin beim Boxen los oder sie widmet sich der Gartenarbeit. Mit Sumikai hat die junge Japanerin über Toilettengeld, ihre Wünsche für ihr Studium und Diskriminierung gesprochen.

Yuri, seit wann lebst du eigentlich in Deutschland?
Ich lebe seit September 2020 in Berlin. In Deutschland habe ich bisher ungefähr zwei Jahre gelebt, jedoch nicht am Stück. Für mein aktuelles Studium bin ich wieder in das Land gereist. Ich habe während meiner Aufenthalte in Deutschland in Leipzig, Mannheim, Bayreuth und Bielefeld gelebt.

Warum bist du nach Deutschland gekommen?
Mein Englisch ist noch nicht gut genug. Deswegen konnte ich mich nicht für ein Studium an meinen Traum-Universitäten in England oder in den USA bewerben. Darüber hinaus hatte ich damals (im April und Mai 2020) wegen Corona eine riesige Angst davor, in London oder in den USA zu studieren. Also habe ich mich dafür entschieden, hier in Deutschland zu studieren.

Öffentliche Toiletten sind gewöhnungsbedürftig

Gibt es etwas Heimatspezifisches, was du in Deutschland sehr vermisst?
Auf jeden Fall ein tolles Bidet. Außerdem vermisse ich die öffentliche Hygiene in Japan. Ich war bei meiner Ankunft in Deutschland sehr erstaunt, dass man zur Nutzung der öffentlichen Toiletten Geld bezahlen muss, obwohl sie weder sauber genug noch automatisiert sind. Es mag am Kulturunterschied liegen, aber es fällt mir immer noch schwer, mich daran zu gewöhnen.

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Hast du ein deutsches Lieblingsgericht?
Ja. Blutwurst würde ich sagen. Es ist schwer zu sagen wieso, aber ich mag allgemein Innereien, die vielleicht in Japan besonders bei Frauen sehr beliebt sind.

Wie lautet dein liebstes Deutsches Wort?‘
„Neugierig“ ist mein Lieblingswort. Ich habe gehört, dass dieses Wort auch eine negative Bedeutung hat, aber bei mir bedeutet es immer etwas Positives. Denn Neugier kann meines Erachtens ein Schlüssel zu einer neuen Welt sowie Energie und Motivation zum Leben sein.

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Könntest du dir vorstellen, in Deutschland zu bleiben?
Nein. Ich habe bereits geplant meinen Master im Ausland zu machen. Und diese Entscheidung bekräftigte sich noch mal durch mein Leben hier in Deutschland.

Bitte erzähl uns von deinem bisher schönsten Erlebnis in Deutschland.
Es fällt mir schwer, da ein bestimmtes Erlebnis zu nennen. Ich bin ein Mensch geworden, der immer versucht, erst mal jemandem zuzuhören und nahezukommen. Zwar habe ich nicht nur viele positive, sondern auch viele negative Dinge erlebt, aber alle Erfahrungen haben irgendwie eine Bedeutung für mich.

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Welche negativen Dinge hast du erlebt?
Ich habe Diskriminierungen gegen meine Sexualität (Ich bin eine transsexuelle Frau) und Rassismus aufgrund meiner Nationalität und sogar meines Aussehens erfahren. All das ist absolut inakzeptabel und ich empfinde das als sehr ärgerlich.

Hast du in der Zeit, die du bisher in Deutschland verbracht hast, Freunde gefunden
Ja, aber nicht viel und mit den meisten habe ich keine langfristige Beziehung. Meine japanischen Freunde, die auch lange in Deutschland gewohnt haben oder gerade wohnen, sagen etwas Ähnliches.

Viele Deutsche träumen von einem Leben in Japan. Welche Tipps kannst du ihnen für das Leben dort geben
In Japan legt man einen großen Wert auf „本音と建前 (Sein und Schein oder Wahrheit und Kompliment)“. Viele sagen, dass Japaner nicht direkt sind. Jedoch sind sie direkt in einer anderen Art im Vergleich zu den Europäern. Man sollte also ihre Kultur genau kennen, um die Grenzen nicht zu überschreiten.

Japanisch gut beherrschen ist wichtig

Dafür ist es auch relevant, dass man gut Japanisch beherrscht. Darüber hinaus ist das japanische Parlament bei der Aufnahme von Ausländern immer noch sehr konservativ, darum sind Japaner meistens nicht an die Ausländer gewöhnt.

Haben wir mit dem Interview euer Interesse geweckt? Möchtet ihr selbst mitmachen oder kennt ihr Japaner*innen, die Erfahrungen mit dem Leben in Deutschland haben? Dann schreibt uns eine E-Mail an marty@shihan-media.de.

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