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HomeJapan entdeckenJapan in DeutschlandJapanische Botschaft präsentiert traditionelles Jurori-Puppenspiel auf YouTube für deutsches Publikum

160 Jahre Freundschaft zwischen Japan und Deutschland

Japanische Botschaft präsentiert traditionelles Jurori-Puppenspiel auf YouTube für deutsches Publikum

Das Festjahr zum 160-jährigen Bestehen des Freundschaftsvertrags zwischen Japan und Deutschland nähert sich seinem Ende. Darum hat sich die japanische Botschaft in Deutschland etwas Besonderes einfallen lassen. Auf YouTube präsentiert sie traditionelle Puppentheaterkunst erstmals mit deutschen Untertiteln.

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“Tsubosaka Reigenki” heißt das Stück, das die Botschaft allen Japan-Interessierten zur Verfügung stellt. Es handelt von zwei Eheleuten und beschäftigt sich mit Treue und Liebe, greift aber auch Ideen des Buddhismus auf. Das rund vierzig Minuten lange Stück kann auf der YouTube-Seite der Botschaft angeschaut werden.

Puppenspiel als Nationales Kulturerbe

Puppentheater hat in Japan eine lange Tradition. Ebenso wie beim klassischen Theater mit Darstellenden haben sich über die Jahrhunderte verschiedene Formen herausgebildet. Eine davon, das Awa Ningyo Jurori aus der Präfektur Tokushima auf Shikoku, wurde von der Regierung zu einem nationalen, immateriellen Kulturerbe im Bereich der Volkskunst erklärt.

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Die Theaterform des “Ningyo Jurori” zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus. Eine Besetzung eines Jurori-Stücks besteht aus den “Ningyozukai”, die die Puppen auf der Bühne zum Leben erwecken. Wichtigste Rolle neben ihnen spielen die “Tayu”, die Rezitierenden. Tayu tragen den Text des Stücks vor und sprechen dabei die Rollen aller Charaktere. Zur Rezitation verwenden sie einen melodischen Sprechgesang, dessen Beherrschung jahrelange Übung erfordert. Vervollständigt wird die Besetzung durch Shamisen-Spieler, vereinzelt werden auch weitere Instrumente wie Trommeln genutzt.

Die Puppen werden üblicherweise von drei, komplett in schwarzer Kleidung verhüllten Ningyozukai gleichzeitig bedient und über lange Stäbe gesteuert. Sie zeichnen sich insbesondere durch die detaillieren und emotionalen Gesichtsausdrücke aus, die je nach Puppe durch komplexe Mechaniken im Inneren der Köpfe verändert werden können.

Vom Nationaltheater in Osaka bis zu den Waldbühnen Tokushimas

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Die Größe der Puppen variiert dabei stark zwischen verschiedenen Stil-Richtungen des Ningyo Jurori. Im Osaka-Stil, der auf Vorführungen in Theatersälen ausgerichtet ist, werden kleinere Figuren verwendet. Hier erhielt die Kunstform auch seinen anderen Namen “Bunraku”, der ursprünglich ein einzelnes Theater bezeichnete, in dem Jurori-Stücke aufgeführt wurden. Bis heute befindet sich in der Stadt das National Bunraku Theater.

Im Awa Ningyo Jurori wiederum werden Puppen verwendet, die beinahe lebensgroß sind und sich insbesondere durch größere Köpfe auszeichnen. Denn die Theatertruppen in der Region spielen traditionell nicht in Theaterhäusern, sondern auf sogenannten Bauernbühnen. Vergleichbar mit dem deutschen Freilichttheater sitzt das Publikum dabei mitten in der Natur unter freiem Himmel, sodass die Figuren über größere Distanz gut erkennbar sein müssen.

Über achtzig dieser Bauernbühnen gibt es in der Region Tokushima, aufgebaut sind sie auf dem Gelände von Tempeln und Schreinen. Umgeben von rauschenden Bergbächen und grünen Wäldern kann sich das Publikum hier in den Gesängen der Tayu und dem Schauspiel der Ningyozukai verlieren.

Neben der besonderen Form des Awa Ningyo Jurori schmückt sich die Präfektur Tokushima auch mit der langen Geschichte des Kunsthandwerks in der Region. Viele der Jurori-Puppen in Japan, so sagt man, stammen aus Werkstätten mit Bezug zu Tokushima.

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