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Zen-Mönch Seigaku – Ein Lebensweg ohne Geld führt nach Berlin

Seigaku – Politikstudent, Schauspieler, Barkeeper, Mönch. Und noch vieles mehr. Aber passt das alles wirklich zusammen? Und was hat das mit Geld zu tun? Ein Beitrag über Seigaku, dessen Reise in seine neue Wahlheimat Berlin führt.

Niemand wird als Mönch geboren. Auch nicht Seigaku, der früher den Namen Seitaro Higuchi trug und in der Großstadt Tottori geboren wurde. Aber wie wird aus einem Politikstudenten ein Zen-Mönch und Schauspieler?

Die Antwort für die Schauspielerei ist wohl die simpelste: Frauen. „Ich wollte bei den Mädchen beliebt sein,“ meinte Saigaku lachend während eines Telefoninterviews mit der Japan Times bei Dreharbeiten in Kyoto. Hier dreht er gerade an einem Film, in dem er, wer hätte es gedacht, einen Mönch spielt.

Auch wenn es ihm um Popularität ging, so ging es doch nie um Geld.

Rückblickend betrachtet hat die Schauspielerei seinen Weg zwar stark geprägt. Aber nur die Schauspielerei für das verantwortlich zu machen, was er heute ist, wäre naiv. Denn den Grundgedanken für ein „geldfreieres Leben“ hatte er schon in seiner Universitätszeit. „Ich konnte keinen Sinn darin erkennen, für den Kapitalismus zu arbeiten,“ so der 36-Jährige.

Zur Schauspielerei kam der damalige Student aber auch nur durch einen Zufall. Ein Kollege aus seinem Eishockeyteam war bereits als Schauspieler tätig, und so ergriff der 23-Jährige seine Chance. Sein Freund machte ihn daraufhin mit dem renommierten Produzenten und Regisseur Yoko Narahashi bekannt. Dieser hatte neben diversen Produktionen auch englische Theatergruppen an der Universitäten in und um Tokyo herum.

Wem der Name jetzt nicht so geläufig ist, der wird einen seiner bekanntesten Filme kennen. Mit „The Last Samurai“ hat der Produzent auch in der westlichen Welt an Bekanntheit gewonnen.

Eben dieser Film brachte Seigaku dazu, sich näher mit dem Thema Buddhismus und Zen zu beschäftigen. So fiel dem heutigen Zen-Mönch ei der Frage, was selbst westliche Menschen an den Samurai-Dramen faszinierte, ein interessanten Umstand auf: Das Zeichen für Samurai (侍) sowohl Mensch (人) als auch Tempel (寺) beinhaltet. Es eine Eingebung oder Offenbarung zu nennen ist wahrscheinlich zu viel das Guten, aber Es gab ihm einen Anreiz, sich näher mit dem Zusammenhang zwischen Mensch und Religion zu beschäftigen.

Über den Cousin seiner Vaters, der selbst Zen-Mönch ist, lernte er mehr über Zen und legte ihm nah sich im Kloster Eihei-ji weiterzubilden.

Ins Kloster – und in den Alltag

Der Eihei-ji ist eines der beiden Hauptklöster der Soto-Schule und liegt in den Bergen der Präfektur Fukui. Die Soto-Schule ist eine von drei Zen-Schulen, die sich in Japan verbreitet und entwickelt haben. Die beiden anderen sind die Rinzai-Schule und die Obaku-Schule.

Die Soto-Schule konzentriert sich dabei sehr auf das Sitzen und Meditieren, das Zazen (aber auch Zazen kann wiederum verschieden gelesen werden). Aber auch sonstige alltägliche Routinen werden mit großer Sorgfalt durchgeführt.

Drei Jahr verbrachte der damals 23 Jährige in Eihei-ji. Hier bestand der Tag im Prinzip aus Aufwachen, Essen, Sauber machen, Meditieren und Schlafen. Ein sehr durchstrukturiertes und einfaches Leben.

Als die drei Jahre vorbei waren gab sich der ehemalige Student, der mittlerweile den buddhistischen Namen Seigaku trug, einen Ruck und ging zurück nach Tokyo.

Seigaku - Zen Mönch
Der Eihei-ji (Tempel des ewigen Friedens) ist eines der beiden buddhistischen Hauptklöster der Soto-Zen-Schule | Flickr © Philippe Charles (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Rückkehr in ein „normales“ Leben fiel ihm entsprechend schwer. Denn außerhalb des Tempels braucht man Geld. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, der sich auf das Nötigste beschränkt hatte, jobbte der Zen-Mönch Seigaku als Barkeeper und Koch in einer Izakaya, einer japanischen Kneipe.

Doch je mehr er verdiente, umso stärker zog es ihn in zurück zum Eihei-ji, erklärt Seigaku im Telefonat.

Nach dieser Erkenntnis arbeitete er weniger und teilte sein Apartment mit Freunden. Die dazugewonnene Freizeit wurde für Zazen genutzt. Mit anderen Menschen zusammen zu meditieren, so sagt es auch die Soto-Schule, ist dabei sinnvoller. Das sieht man zum Beispiel in der begrüßenden Verbeugung, die man auch tätigen sollte wenn man alleine meditiert.

„Indem ich so lebte, konnte ich zeigen, dass es in Ordnung ist, so zu leben,“ erklärt er, und sagt weiter: „Der Weg des Zen könnte also eine alternative Lebensweise zum Kapitalismus werden.”

So sehr ihn der Kapitalismus auch stören mag, so hat es ihn auch gereizt, anderen Menschen auf der Welt seinen Weg näher zu bringen. Und dafür braucht es Geld. Also entschloss er sich im April 2011 dafür, sich auf ein Stipendium zu bewerben.

Das Mittel hierzu sollte das Stipendium der “Yokohama Zenkoji Scholarship Foundation” sein. Da es der Unterstützung von Mönchen dient, die sich international engagieren wollen, waren seine Lebenskosten ein Jahr lang durch eine Summe von ca. einer Million Yen abgedeckt.

Eine Katastrophe führt Seigaku nach Berlin

Leider kam dem mittlerweile verheirateten Mönch und seiner schwangeren Frau etwas sehr Weltliches dazwischen. Und zwar die Tohoku-Katastrophen vom März 2011 – das Großbeben, der Tsunami…und die anschließende Kernschmelze im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.

Dieses Ereignis beeinflusste den heutigen Berliner in seiner Entscheidung, das Land zu verlassen. Denn noch zur selben Zeit erklärte die deutsche Regierung, sie wolle alle Atommeiler vom Netz nehmen. Das gab den Ausschlag und so wurde Seigaku’s neue Wahlheimat Berlin. Genauer gesagt Prenzlauer Berg.

Und zu Berlin fällt dem Japaner nur Positives ein: „Ich mag die relaxte Atmosphäre in Berlin. Es scheint, als geben die Menschen hier nicht viel auf den Kapitalismus und Ökonomie.“

Ob er damit Recht hat, oder die Berliner es ganz anders sehen, sei jetzt mal dahin gestellt. Und ist an dieser Stelle auch nicht wichtig. Denn seine positive Einstellung zur Hauptstadt scheint sich, ganz in der Tradition des Zen, auch auf sein Wohlbefinden auszuwirken.

„Berlin hat mich verändert,“ meint Seigaku. „Heute fühle ich mich gesünder. Ich habe viele verschiedene Leute kennengelernt und bin zuversichtlich, dass die Lebensweise des Zen eine echte Alternative für die kommende Generation sein könnte. Das bedeutet dann aber auch, dass das Leben nicht immer leicht und die Dinge nicht immer in geregelten Bahnen ablaufen können.

Zen in the City

Denn auch in Berlin mussten er und seine Familie erst einmal Fuß fassen. So meditierte er zunächst alleine in seiner Wohnung. Und ein wenig später dann mit Freunden. Irgendwann bot ihm jemand sein Café an. Das machte irgendwann die Runde.

Mittlerweile ist daraus ist eine Zazen-Klasse geworden, die, dank eines Bekannten, in dessen Yogastudio stattfindet.

Außerdem hält Seigaku Vorträge zum Thema Zen und Zazen im Ryoko Spa in Berlin.
Und beides kostet die Teilnehmer nicht einen Cent. Stattdessen wird um Spenden gebeten, denn auch ein Mönch muss mal was essen oder seine Wohnung zahlen.

Manchmal geht er dafür auch zu einem der vielen Berliner Plätze. In seine schwarze Robe gekleidet, ist er definitiv ein Blickfang. Er sitzt einfach nur da; vor ihm eine Schale. Hier und da schmeißen Passanten etwas Geld hinein, oder geben ihm etwas zu Essen. Doch darum gebeten hat Seigaku sie nicht.

Vielleicht dient diese Geste auch als Denkanstoß an uns. Gerade in Zeiten, in denen alles immer hektischer wird und wir komplett vernetzt sind.
In einer Welt in der quasi alles unsere Aufmerksamkeit einfordert. In einer Welt, in der wir geradezu genötigt werden, zu konsumieren und Geld auszugeben, ist es manchmal auch okay, einfach nur zu dazusitzen und nichts zu tun. Ganz im Sinne des Zazen. Einfach mal „sitzen“.

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