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Von Bergen Höhlen und Flüssen

Iwate – Zwischen Kulturerbe und Erinnerungen an eine Katastrophe

Die Präfektur Iwate ist die zweitgrößte Präfektur Japans und zeichnet sich durch ihre vielfältige Kultur, ihre lebendige Folklore und ihre zerklüftete Landschaft aus. Die Menschen von Iwate und der Morioka sind stolz auf ihre Wurzeln in der Region Tohoku.

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Iwate gehört zur Region Tohoku und liegt an der Sanriku-Küste mit Blick auf den Pazifischen Ozean. Auf der anderen Seite erhebt sich das Ou-Gebirge, das einige der besten Skigebiete und heißen Quellen Japans beheimatet. Die Präfektur ist grob in vier einzelne Regionen unterteilt, die sich alle durch die gemeinsame Verehrung der Natur, traditionelle Folklore und die Geschichte der Samurai auszeichnen. Kulinarisch locken einige der besten japanischen Produkte wie Wagyu-Rindfleisch, Reis und natürlich Sake.

Geografie und Klima

Im Westen bildet das Ou-Gebirge eine natürliche Grenze zwischen der Präfektur Iwate und der Präfektur Akita. Parallel zu diesem Gebirgszug erstreckt sich im Osten das Kitakami-Hochland, wobei der Fluss Kitakami diese beiden hügeligen Regionen in der Mitte trennt. Das Einzugsgebiet dieses großen Flusses ist von Ebenen gesäumt. Viele Teile der Präfektur bestehen somit aus hügeligen Regionen und Gebirgen.

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Der Küstenstreifen besteht aus zwei Teilen. Nördlich der Stadt Miyako befindet sich eine ausgeprägte Steilküste mit massiven Klippen und Meeresterrassen, die sich über das Meer erheben. Auf der anderen Seite befindet sich die Südküste mit dem zum Meer hin abfallenden Kitakami-Hochland, das ein bemerkenswertes Beispiel für eine „Rias“-Küste darstellt – eine zerklüftete Küstenlinie mit Buchten und zahlreichen Meeresarmen. Die Gewässer vor der Küste stellen das weltberühmte Fischereigebiet von Sanriku dar.

Das charakteristische Klima von Iwate wird maßgeblich von den geologischen Gegebenheiten beeinflusst. Die Regionen entlang des Ou-Gebirges sind im Winter eine wahre Schneelandschaft, während die Städte und Dörfer im Kitakami-Hochland das typische Wetter der Hochlandregionen und das gemäßigte Wetter des Tiefland erleben.

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Im Flachland entlang des Kitakami-Flusses herrschen im Winter eisige Temperaturen und im Sommer die für das Landesinnere typische Hitze. Während an der Küste ein für Meeresgebiete sehr typisches Klima herrscht, ist das Gebiet nördlich von Miyako City durch sehr niedrige Temperaturen und die damit verbundenen Schäden für die Landwirtschaft geprägt.

Iwate berg
Iwate bietet faszinierende Berglandschaften. Foto: AG2016, Pixabay

Aus der Geschichte von Iwate

Das heute als Präfektur Iwate bekannte Gebiet wurde ursprünglich vom Jōmon-Volk bewohnt, das seine Spuren überall in der Präfektur hinterließ. Beispielsweise wurden in Nishida zahlreiche Grabstätten aus der mittleren Jōmon-Periode gefunden. Aus der späten Jōmon-Periode stammen auch verschiedene Ausgrabungen. In Tateishi, Makumae und Hatten wurden Tonfiguren, Masken sowie ohr- und nasenförmige Tonartefakte gefunden. Außerdem wurden an der in Kitakami gelegenen Fundstelle Kunenbashi genannte steinerne Schwerter, Tafeln und Werkzeuge sowie Tonfiguren, Ohrringe und Tonscherben aus der letzten Jōmon-Zeit gefunden.

Die früheste Erwähnung der Anwesenheit von Japanern stammt aus der Zeit um 630, als der Hakusan-Schrein auf dem Berg Kanzan im heutigen Hiraizumi errichtet wurde. Zu dieser Zeit kamen japanische Händler, Jäger, Abenteurer, Priester aber auch Kriminelle in die Region des heutigen Iwate. Im Jahr 712 wurde die Provinz Mutsu, die das gesamte Gebiet von Tōhoku umfasste, in die Provinz Dewa, westlich des Ou-Gebirges, und die Provinz Mutsu aufgeteilt. Im Jahr 729 wurde der Kokuseki-ji-Tempel im heutigen Bezirk Mizusawa in der Stadt Oshu von dem Wanderpriester Gyōki gegründet.

Über das ursprüngliche Verhältnis zwischen diesen japanischen Pionieren und den einheimischen Emishi ist bis heute relativ wenig bekannt, doch im Jahr 776 verschlechterte sich die Lage, als große Truppen der Yamato-Armee in Iwate einmarschierten und die Stämme der Isawa und Shiwa angriffen. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Kampfhandlungen, vor allem in Dewa und dem Gebiet südlich des heutigen Präfekturgebietes.

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Diese Lage hielt bis 787 an, als die Yamato-Armee eine verheerende Niederlage in der Schlacht im Dorf Sufuse in der heutigen Stadt Oshu erlitt. Die Anführer der Emishi und Aterui, die eine gewaltige Kavallerieeinheit anführten, stellten der Infanterie der Yamato eine Falle und drängten sie in den Kitakami-Fluss, wo sich ihre schweren Rüstungen der Yamato als tödlich erwiesen. Über 1.000 Soldaten ertranken an diesem Tag im Kitakami.

Nachdem die Japaner auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen konnten, griffen sie zu anderen Maßnahmen, um sich der Emishi zu bemächtigen. Durch den Handel mit hochwertigen Eisenwaren und Sake wurden die Emishi von den Japanern abhängig. Den Anführern der Emishi wurden als Gegenleistung für ihre Übertritte Bestechungsgelder in Form der japanischen Staatsbürgerschaft und eines höheren Ranges angeboten.

Schließlich wurden die Ernten niedergebrannt und die Frauen und Kinder der Emishi entführt, um sie nach Westjapan umzusiedeln. Viele Krieger gaben den Kampf auf, um sich ihrer Familie wieder anschließen zu können.

Das große Erdbeben 2011 und Iwate

Das Erdbeben der Stärke 9,0 am 11. März 2011 hat einen starken Tsunami ausgelöst und beträchtliche Schäden an der Küste von Iwate angerichtet. Der höchste Wasserstand wurde mit über 38 Metern gemessen. Die Katastrophe zerstörte fast 10.000 Fischereiboote der Präfektur, beschädigte 108 von den 111 Häfen und vernichtete fast alle Fischverarbeitungszentren der Präfektur. Der verursachte Schaden der Fischereiindustrie betrug rund 371 Milliarden Yen.

Besucher werden dazu angehalten, die Sanriku-Küste wegen der natürlichen Schönheit der Region zu besuchen. Gleichzeitig sollen sie die zerstörerische Kraft des Tsunamis und den Wiederaufbauprozess mit eigenen Augen sehen können. Durch den Tourismus wird nicht nur die lokale Wirtschaft gestärkt, sondern er trägt auch dazu bei, dass die Region und die Katastrophe nicht in Vergessenheit geraten.

In dem Küstenwald mit fast 70.000 Kiefern blieb nach dem Tsunami nur ein einziger Baum stehen. Dieser Baum wurde als Wunderkiefer bezeichnet. Er galt als Symbol für Beständigkeit an der Küste. Unglücklicherweise starb der Baum 18 Monate nach dem Tsunami an Salzvergiftung. Allerdings wurde er als dauerhaftes Mahnmal wieder aufgestellt. In der Nähe befindet sich das Iwate Tsunami Memorial, ein Museum, das sich ausgiebig mit den Ereignissen von 2011 befasst.

Unendliche Natur und Kultur

Wer auf der Suche nach vielseitiger Natur ist, der ist in Iwate genau richtig. Raue majestätische Berge, traumhafte weite Strände und mysteriöse Höhlen gehören zu den fanatischen natürlichen Angeboten dieser Präfektur.

Hier findet sich im Nordosten z. B. der Jodogahama-Strand, auch „Strand des reinen Landes“ genannt. Dieser Strand gehört zu den renommiertesten landschaftlichen Attraktionen an der Rikuchu-Küste. Der scharfe Kontrast zwischen den weißen Felsen, den grünen Kiefern und dem tiefblauen Meer wurde einst von einem buddhistischen Mönch namens Reikyo mit dem reinen Land oder auch Paradies verglichen, weshalb er seinen Namen Jodogahama erhielt.

Dieser Strand ist vor allem auch dafür geeignet in den frühen Morgenstunden den Sonnenaufgang zu bewundern, um zu verstehen, warum Japan das Land der aufgehenden Sonne genannt wird.

Die Kitayamazaki-Klippen gehören zur Rikuchu-Küste und sind 200 Meter hohe Klippen, die sich über eine 8 km lange Küstenlinie erstrecken. Sie gelten als eine der schönsten Naturformationen des Landes und beeindrucken mit ihrer schieren Größe entlang des azurblauen Meeres. Hier gibt es nicht nur den faszinierenden Ausblick auf das Meer, sondern man kann von einer Aussichtsplattform aus mithilfe ein Fernglas seltene Vögel wie Falken beobachten.

Die Ryusendo-Höhle ist eine der drei berühmten Kalksteinhöhlen in Japan und gilt als nationales Naturdenkmal. Der bis heute erforschte Teil der Höhle erstreckt sich über 3.100 Meter, doch wenn man die unerforschten Bereiche mit einbezieht, wird die gesamte Höhle auf über 5.000 Meter Länge geschätzt. In der Höhle bildet frisches Quellwasser tiefe unterirdische Seen.

Doch am beeindruckendsten ist der dritte See mit einer Tiefe von 98 Metern und seinem wunderschönem glänzenden smaragdgrünem Wasser. Der vierte See ist der tiefste unterirdische See Japans (120 Meter) und einer der klarsten Seen der Welt. Hier kann man einzigartige Formationen wie Stalaktiten und Stalagmiten sowie die seltenen Langohrfledermäuse entdecken.

Bei Geibikei handelt es sich um eine etwa 2 km lange Schlucht, die vom Satetsu-Fluss geformt wurde und deren Felswände bis in 100 m Höhe aufragen. Der Name „Geibi“ bedeutet „Löwennase“ und leitet sich von einer Kalksteinformation an einem Ende der Schlucht ab, die an eine solche Formation erinnert.

Berühmt ist der Geibikei auch für seine 90-minütige Bootsfahrt flussaufwärts und flussabwärts, bei der man die Aussicht auf die schroffen Felsen, die Wasserfälle und das klare Wasser genießen kann. Am oberen Ende des Flusses kann man an einer Sandbank aussteigen, um einen kurzen Spaziergang zu einem großen Wasserfall zu unternehmen. Hier sind es vor allem die sogenannten Glücksteine, die hier geworfen werden. Jeder Stein steht für eine andere Art von Glück. Hier sucht man sich seinen Lieblingsstein aus, wirft ihn über den Fluss in eine kleine Höhlenöffnung in der Felswand und möglicherweise geht der Wunsch in Erfüllung!

Iwate Kueste
Klippen und Bäume bestimmen das Bild von Iwates Küste. Foto: Kevboynet, Unsplash

In der Stadt Oshu befindet sich das Museum einer Samurai-Residenz. Während der Edo-Periode war Mizusawa Teil des Lehnsbezirks Sendai, der vom Date-Klan regiert wurde. In Mizusawa gab es ein Gebäude, das eigentlich eine Burg war, aber bescheiden „Festungshaus“ genannt wurde. Die Hauptburg des Lehens befand sich nämlich in Sendai. Ungeachtet dessen entwickelte sich Mizusawa zu einer Burgstadt mit vielen Samurai-Residenzen. Zwar sind die Häuser nicht besonders groß, doch verfügen sie oft über kleine Haine mit Pfirsich-, Pflaumen- oder Kastanienbäumen, die ihren Gärten vielseitige Farbe verleihen.

Im Nordwesten von Iwate liegt die Koiwai Farm. Dies ist ein 3000 Hektar großer privater Bauernhof, der malerisch am Fuße des Berges Iwate liegt. Der Bauernhof ist vor allem für seine Molkereiprodukte weltberühmt und mit jährlich etwa 750.000 Besuchern ein beliebtes Touristenziel.

In dem Makiba-en genannten idyllischen Weidegebiet können die Besucher eine Kuh melken, oder auf Pferden reiten. Außerdem werden hier eine Schaf- und Hundeshow gebeten und vieles mehr. Hier befindet sich ausserdem ein Observatorium wo interessierte sich am Tag die Sonnenflecken und in der Nacht die Sterne unserer Galaxy betrachten können. Im Winter, wo auch das jährliche Schneefestival veranstaltet wird, ist der Besuch der Farm für alle kostenlos.

Genießen in Iwate

Die Hauptstadt Morioka ist unter anderem für seine Wanko Soba bekannt. Schon das Essen von Wanko Soba ist ein einzigartiges Erlebnis. Jede Portion enthält nur ungefähr einen Mund voll Soba-Nudeln, und die Bedienung bringt immer wieder eine neue Schale, immer mit Nudeln, bis man signalisiert, dass man genug hat. Die erste Schale wird dabei pur gegessen, um den Geschmack der Nudeln zu testen und ab der zweiten Schale kann man etwas zum „würzen“ dazugeben. Dabei werden je nach Person bis zwischen 30 und 60 Schüsseln im Schnitt geleert.

Maesawa Beef ist eine spezielle Art von Wagyu-Rindfleisch, das von Kühen aus der Stadt Maesawa stammt und für seine zart schmelzende Textur bekannt ist. Maesawa Beef stammt von Rindern, die die strengen Zertifizierungsstandards erfüllt haben, und ist für seine fein marmorierte Textur bekannt. Besonders gut schmeckt das Maesawa-Rindfleisch als Steak. Die Stadt eigentliche Stadt Maesawa existiert heutzutage nicht mehr, sondern es handelt sich hierbei um einen Distrikt der Stadt Oshu

Ein weiteres Lokales-Gericht aus der Präfektur Iwate ist Urui Tempura. Zubereitet wie klassisches Tempura ist es die eigentliche Zutat, die es zu etwas besonderen macht. Urui ist ein knackiges Berggemüse. Es hat einen ähnlichen Geschmack wie Spargel oder Kopfsalat.

Das Urui Gemüse ist reich an Vitamin C und gilt als besonders gut für die Stärkung des eigenen Immunsystems. Außerdem kann man Urui auch in Salate, Suppen, marinierte Gerichte, Ohitashi, Asa-zuke, Pfannengerichte oder Nudeln geben.

Iwate, zwischen Kultur, Natur und Katastrophe

Auch wenn die jüngere Geschichte von Iwate teilweise ihre schmerzvollen Seiten gezeigt hat, lassen sich die Menschen der Präfektur nicht unterkriegen. Die Menschen der Präfektur lieben das Meer, ihre Berge, ihre Geschichte und natürlich ihre Küche. Und all dies wissen sie auch für ihre Besucher entsprechend zu präsentieren.

Weitere Informationen und wie man seine eigene Reise durch Iwate planen kann, findet man auf der offiziellen Tourismusseite der Präfektur Iwate und auf der Webseite von Japantravel.

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