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Japanisch lernen – Japanisch-Grundkurs

In unserer Reihe zum Japanisch lernen haben wir die beiden beliebtesten Lehrbücher durchgenommen, das Genki und die Minna. Jetzt holen wir mal weit aus und betrachten ein ziemlich unbekanntes Werk, denn es bietet einige Vorteile, die andere Bücher alt aussehen lassen: Den Japanisch-Grundkurs!

Ursprung

Der Japanisch-Grundkurs kann noch nicht auf eine lange Geschichte als Lehrbuch zurückblicken. 2008 entschied sich die auf Sprachwissenschaft spezialisierte Japanologie der Ruhr-Universität Bochum ein eigenes Lehrbuch herauszubringen, da andere den hohen Anforderungen der Lehrkräfte nicht gerecht wurden. Daraus entstanden ist ein deutschsprachiges Lehrbuch, das die japanische Sprache nicht aus der Sicht der japanischen Schulgrammatik zu vermitteln versucht. Der Japanisch-Grundkurs verfolgt stattdessen den Ansatz, die Morphologie (Wortbildungs- und Formenlehre) der japanischen Sprache zu verstehen und aufzuschlüsseln. Ist diese einmal verinnerlicht, macht sie das Lernen deutlich einfacher, selbst den Grammatikmuffeln unter uns.

Umfang

Der Umfang ist überschaubar, denn die Reihe besteht nur aus 2 Büchern, namentlich dem Japanisch-Grundkurs Teil 1 und Teil 2. Es gibt also keine Edition für fortgeschrittene Lernende des Japanischen. Doch das sollte euch nicht verstören, denn beide Teile haben großen Umfang und behandeln die grundlegende Grammatik. Sogar die Keigo (Höflichkeitssprache), die in Minna erst sehr spät zum Thema wird, findet im letzten Kapitel Platz.

Ein Arbeitsbuch gibt es nicht, denn Übungen sind gleich an die Lektionen angeschlossen. Jede Lektion wird von einem Text eingeleitet, der auch als mp3 verfügbar ist und von Muttersprachlern vorgetragen wird.

Die Ruhr-Universität bietet auch einen Onlinetest für jedes Kapitel an. Hier kann das erworbene Wissen auf den Prüfstand gestellt werden, angefangen mit den Hiragana- und Katakanakenntnissen. Ein wunderbarer Start in die Sprache ist also garantiert…

Struktur

Wohin gehen wir? Nach Japan! Die Übungen sind generell einfach gehalten ©Maximilian Haak

… wenn man die Hiragana und Katakana gemeistert hat. Und da findet sich die Krux, denn das Lehrbuch folgt dem Lehrplan der Japanologie der Ruhr-Universität. Vorgesehen ist hier, dass die Katakana und Hiragana innerhalb von zwei Wochen zu verinnerlichen sind, möglichst noch vor Semesterbeginn. Absolut schaffbar, wenn auch eine Herausforderung  Selbstlerner können sich ja mehr Zeit nehmen.

Das zumindest halbwegs sichere Beherrschen der Hiragana ist jedoch bereits im ersten Kapitel vonnöten, da die Erläuterungen der Grammatik anhand eines zunächst in Hiragana, in späteren Kapiteln auch in Katakana und Kanji, verfassten Textes vonstatten geht. Zum Verinnerlichen der Zeichen gibt es noch vor dem ersten Kapitel eine Tabelle der Hiragana und Katakana mitsamt deren Strichfolge.

Der Onlinetest birgt eine Form der Selbstkontrolle, dennoch haben das Arbeitsbücher anderer Lehrwerke deutlich anwendungsfreundlicher gelöst. Nach dem einleitenden Text aus Beispielsätzen und den dazugehörigen grammatikalischen Erklärungen schließt jedes Kapitel mit Übungsaufgaben und einer Vokabelliste zur jeweiligen Lektion. Das größte Problem ist, dass die Übungen ohne Lösungen bereitgestellt werden.

Natürlich ist alles schaffbar, da sich alle Übungen ausschließlich auf vorangegangene, beziehungsweise auf das aktuelle Kapitel beziehen, aber die Selbstkontrolle entfällt dennoch. Zumindest der Onlinetest kann mit Hilfestellungen und Lösungen bei seinen Übungen aufwarten und ist damit ein großer Pluspunkt.

Sprache

Der Japanisch-Grundkurs ist vollständig auf Deutsch erhältlich, doch vermutlich wird man einige Zeit mit dem Googeln der deutschen Grammatik verbringen müssen. Es gibt ein paar Begrifflichkeiten, die dunkle Erinnerungen an längst vergangene Deutschstunden wecken und Fragen aufwerfen, wie „Was war nochmal eine Interjektion?“ oder Ausrufe produzieren wie „Nominaladjektiv hab ich schon mal gehört!“.

Auszug aus der Grammatik des Japanisch-Grundkurs
Klingt kompliziert, ist es aber nicht: Japanisch hat immer einen Linksfokus ©Maximilian Haak

Daran wird man sich gewöhnen müssen, denn der Anspruch an den Leser ist sehr hoch. Wem war zum Beispiel bewusst, dass im Japanischen temporale Relationen auch durch Partikel in Kombination mit bestimmten Flexiven markiert werden?

Tatsächlich sieht aber alles auf den ersten Blick abschreckender aus als es ist und spätestens bei den Beispielsätzen stellt sich dann oft schon der „Aha!“-Effekt ein.

JLPT

Teil 1 und 2 des Lehrbuchs entspricht in etwa dem Wissensstand, den man für den Japanese Language Proficiency Test Stufe 3 benötigt. Dabei ist aber zu beachten, dass sich der Japanisch-Grundkurs nicht speziell an diesem Test orientiert und demnach auch nicht gezielt darauf vorbereitet. Es gibt also keine Übungen, die den eifrigen Lerner auf die Arten der Fragestellungen, wie sie im JLPT vorkommt, vorbereiten. Die schiere Anzahl an Kanji und Vokabeln und der behandelten Themen ist allerdings sehr umfassend, sodass man sich nicht schlecht vorbereitet fühlen sollte.

Gestaltung

Die erste Hürde die man nehmen muss ist wohl das Inhaltsverzeichnis. Gut möglich, dass man sich direkt übermannt fühlt und das Buch nur noch zuschlagen möchte. Durch all die dem Lehrbuch eigenen morphologischen Abkürzungen sehen die Inhaltsangaben der Kapitel vorerst wie hohe Mathematik aus. Zum Glück gibt sich das, sobald man sich eingearbeitet hat, dann ist sogar alles sehr logisch und verständlich aufgebaut.

Die Übungen sind nur spärlich mit Zeichnungen oder Comicstrips komplimentiert und bei einigen Kapiteln muss man sich mit reinem Text zufrieden geben. Wiederkehrende Charaktere oder ganze Storylines sucht man vergeblich. Das ganze Lehrbuch ist sehr pragmatisch auf Wissensvermittlung ausgerichtet.

Entzaubert birgt das vorerst verwirrende Inhaltsverzeichnis geballtes Wissen in kürzester Form!
Am Anfang versteht man nur Bahnhof, das gibt sich zum Glück mit der Zeit ©Maximilian Haak

Dementsprechend ist es zwar sehr übersichtlich und die Arbeit damit geht gut von der Hand, unabdingbar muss man sich allerdings eingestehen, dass eine kunstvollere Aufarbeitung einen Mehrwert dargestellt hätte.

Wie bekomme ich das Buch?

Ah ja, die Kostenfrage. Nun, es ist ein Lehrwerk von einer Universität, relativ neu und sehr wissenschaftlich gehalten. Die Vermutung liegt nahe, dass man da wohl tief in die Tasche greifen muss. Falsch gedacht. Durch die Open Monograph Press® sind das Lehrwerk und die dazugehörigen mp3-Dateien als Open Access kostenlos herunterladbar über die Universitätsbibliothek der Ruhr-Universität Bochum.

Fazit

Das Lehrbuch Japanisch-Grundkurs ist definitiv ein Exot in unserer Reihe zum Japanisch lernen. Die teils verwirrende japanische Schulgrammatik wird durch ein System ersetzt, welches dem deutschen Leser einen äußerst logisch aufgebauten, alternativen Zugang zur japanischen Sprache bietet.

Der sprachwissenschaftliche Ansatz kommt aber nicht ohne seine Kosten, denn sicherlich ist das Buch nicht für jedermann die große Offenbarung. Andererseits haben Lerner mit einem soliden Wissen von der deutschen Grammatik, beziehungsweise dem stählernen Willen, diese aufzufrischen, mit diesem Lehrbuch eine ganz neue Möglichkeit sich dem Japanisch zu nähern.

Da der Japanisch-Grundkurs für den Unterricht ausgelegt ist, ergeben sich natürlich damit auch einige weitere Nachteile für Selbstlerner. Schließlich kann man nicht einfach mal den Sensei fragen, wenn man eine Erklärung nicht verstanden hat und es werden meist nur 1-3 Beispielsätze gegeben. Der Spaß am Lernen kann so also schnell verloren gehen, und mangelhafte Selbstkontrolle macht die Sache auch nicht besser. Zumindest die Onlinetests sind aber eine erhebliche Bereicherung.

Trotz alledem ist der Preis allerdings unschlagbar, also gilt: Grammatikgenies greifen zu, alle anderen lesen Probe!

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