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Geschichten aus dem Volk – Japanische Märchen und Sagen

Das Leben der Menschen wird schon seit vielen Jahrhunderten von Geschichten begleitet. Diese haben meist die Intention, zu lehren, zu warnen oder sich mit den Gepflogenheiten und Geschehnissen ihrer Zeit auseinander zu setzen. Manchmal versuchen sie auch Erklärungen zu finden, für Dinge, die die Menschen ihrer Zeit nicht verstehen konnten. Eines der Berühmtesten Märchen, mit denen deutsche Kinder über Generationen hinweg aufgewachsen sind, ist „Schneewittchen und die sieben Zwerge.“ Doch welche Geschichten kennt man in Japan und was macht sie besonders?

Die bekanntesten sind wohl die sogenannten „Fünf großen Märchen“. Zu diesen zählen „Momotaro“ (Peach Boy), „ Saru kani gassen“ (The crab and the monkey), „Shita-kiri Suzume“ (Tongue-cut sparrow), „Hanasaka jisan“ (The old man who made the withered trees blossom) und „Kachi kachi Yama“ (The farmer and the badger).
Diese und viele andere Märchen wurden über die Jahrhunderte mündlich überliefert, bis sie dann später von professionellen Schriftstellern gesammelt, überarbeitet und als Bücher veröffentlicht wurden. Ein ähnlicher Prozess geschah in Deutschland durch die Gebrüder Grimm. Trotzdem blieben einige mündliche Versionen erhalten, die unterschiedliche Abweichungen zu den offiziellen schriftlichen Versionen aufweisen.

Neben den offiziellen Märchen gibt es den in Japan auch die sogenannten „Pseudo-Märchen“. Unter diese Kategorie fallen verschiedene, schriftlich überlieferte Geschichten, welche sowohl belehrend als auch lustig sein können. Zu diesen zählen zum Beispiel „Kaguya-hime“ (Princess Kaguya) oder „Kobutori Jisan“ (The old man who lost his wen).

Szene aus dem Märchen "Momotaro" © Tsukioka Yoshitoshi (Japan, 1839-1892) via Wikimedia Commons
Szene aus dem Märchen „Momotaro“
© Tsukioka Yoshitoshi (Japan, 1839-1892) via Wikimedia Commons

Mythologie in japanischen Märchen

Ein besonderes Merkmal der japanischen Märchen und Volkssagen ist, dass sich viele nicht nur auf das tägliche Leben, sondern auch auf den buddhistischen und shintoistischen Glauben der Menschen beziehen. So werden viele „Kami“ (Götter oder auch Geister), aber auch die Weltenentstehungsgeschichte in die Geschichten mit eingebaut.
Oft hört man zum Beispiel von der Sonnengöttin Amaterasu und ihren Nachfahren, welche nach alten Legenden von ihr auf die Erde geschickt wurden, um das Land Japan zu regieren. Sie bezeichnen sich selbst als „tenno“, was soviel bedeutet wie „himmlischer Herrscher“. Auf diesen Mythos beriefen sich über die Jahrhunderte hinweg viele Kaiser, um ihren Machtanspruch zu festigen. Ein Beispiel hierfür ist das Märchen „Umisa Yamasa“(The happy hunter and the skillfull fisher). Bei den Hauptfiguren Hoderi und Hoori handelt es sich nämlich um die Urenkel der Amaterasu, die Söhne von Ninigi und Konohanasakuya. Der jüngere von beiden, Hoori, trifft im Laufe der Geschichte auch auf eine weitere, viel erwähnte Gottheit. Die Rede ist von Watatsumi, oder auch Ryujin, dem König der Drachen, welcher im Schloss Ryugu-jo am Grunde des Meeres lebt und über Ebbe und Flut herrscht. Je nach Geschichte variiert die Beschreibung des Ortes ein wenig. Auch die Zeit verläuft dort nicht in allen Märchen parallel zu der in Japan. So muss Urashima Taro, ein Fischer, der eine Schildkröte rettet und daraufhin in das Schloss eingeladen wird, bald feststellen, dass während den drei Tagen, die er im Land des Drachenkönigs verbracht hat, in Japan 300 Jahre vergangen sind. Gleich bleibt jedoch in jeder Erzählung, dass das Land unter dem Meer voller Wohlstand und Wunder ist.

Szene aus "Tongue-cut sparrow" © Tsukioka Yoshitoshi (Japan, 1839-1892) via Wikimedia Commons
Szene aus „Tongue-cut sparrow“
© Tsukioka Yoshitoshi (Japan, 1839-1892) via Wikimedia Commons

Inhalte:
Die meisten japanischen Märchen lassen sich in die folgenden vier Kategorien einteilen.

Helden:
Wie viele deutsche Märchen auch, beschäftigt sich ein großer Teil der japanischen mit Helden und Heldinnen. Diese verdienen sich ihren Ruhm durch das besiegen grauenhafter Monster oder sind selbst übermenschliche Wesen. Beispiele hierzu sind „Kaguya-hime“ oder „Momotaro“. Ein deutsches Pendant hierzu wäre „Hänsel und Gretel“.

Glück:
Diese Geschichten handeln von Individuen, welche durch eine glückliche Fügung des Schicksals ein persönliches Problem los werden. Das Märchen „Kobutori jisan“ handelt von einem solchen glücklichen Zufall. Ähnlich viel Glück hat wohl Dümmling aus dem Märchen „Die Goldene Gans.“

Bestrafung:
Ein Charakter dieser Geschichten hat einen Fehler oder sogar eine Straftat begangen, weswegen er meist sehr hart bestraft wird. Dieses Motiv findet Verwendung in „Saru kani gassen“ und „Saru no ikigimo“(The jellyfish and the monkey). Auch das hier bekannte Märchen „Frau Holle“ arbeitet mit dem Thema der Bestrafung.

Dankbare Kreaturen:
Die Hauptfigur dieser Geschichten zeigte Güte gegenüber einer Kreatur (meist einem Tier) und erhält dafür eine Belohnung. Dieses Thema wird in „Hanasaka jisan“ und in „Shita-kiri suzume“ aufgegriffen. Ähnliches kennen wir aus „Die Treuen Tiere“.

Statue des "Momotaro" © Nao Iizuka from Tokyo, Japan via Wikimedia Commons
Statue des „Momotaro“
© Nao Iizuka from Tokyo, Japan via Wikimedia Commons

Allerdings gibt es auch noch andere Motive, welche in mehreren japanischen Märchen aufgegriffen werden. Zum Beispiel haben viele junge Mädchen mit einer bösen Stiefmutter zu tun, welche versucht sie loszuwerden oder gar umzubringen. Dies geschieht in „Hase-hime“ (Princess Hase) und „ Matsuyama Kagami“ (The mirror of Matsuyama). Die Töchter in diesen Geschichten gelten meist als gute, freundliche Kinder, welche ihren Eltern nie widersprechen und versuchen, ihren neuen Müttern gute Töchter zu sein.
Auch das Thema der Kinderlosigkeit findet oft Verwendung. Meist handelt es sich bei den Protagonisten dieser Märchen um ein gutes, altes Ehepaar, welches dann durch Zufall ein besonderes Kind bekommt. In „Kaguya-hime“ und „Momotaro“ kommt diese Szenerie vor.
Ein weiterer unliebsamer Gegner in japanischen Geschichten ist oft ein böser Nachbar. Dieser ist meist neidisch auf den gutherzigen, freundlichen Protagonisten und versucht ihm zu schaden oder sich sein Glück anzueignen. Ein solcher böser Nachbar erhält seinen Auftritt zum Beispiel im Märchen „Hanasaka jisan“.
Besonders auffällig ist auch das häufige Vorkommen von Tieren. Diese haben, genauso wie im deutschen, fest zugeordnete Eigenschaften. So ist die Schildkröte beispielsweise ein Symbol der Weisheit und des ewigen Lebens, während der Affe als intrigant und selbstverliebt dargestellt wird.

Obwohl es also einige Unterschiede zwischen deutschen und japanischen Märchen gibt, bleibt die Wirkung die gleiche: Sie erklären uns die Welt, warnen uns vor Gefahren und helfen uns, den Weg des Lebens zu beschreiten.

Quellen: Wikipedia, Durendal, Britannica

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