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Japanologie? Und was macht man dann damit?

Ihr habt euch eine Fortsetzung zu meinem Artikel über Japanologie gewünscht, in der auf die vielfach gestellte Frage „Was macht man denn nun eigentlich mit einem Japanologie-Studium?“ eingegangen wird. Hier werdet ihr nun einige Antworten darauf finden, die ihr gerne so auch Zweiflern um die Ohren hauen könnt, die eure Studienpläne nicht ganz nachvollziehen können.

Qualifikationen

Als erstes sollte man einmal über die Qualifikationen sprechen, die ihr nach einem erfolgreichen Studium erlangen werdet. An erster Stelle steht hierbei natürlich die japanische Sprache – dies ist immerhin das Wichtigste am ganzen Studium der Japanologie (und auch der Teil des Studiums, in den ihr am meisten Zeit investieren werdet). Die Schlüsselqualifikation, auf die ihr deshalb auf jeden Fall hinarbeitet solltet, ist der Japanese Language Profiency Test auf N2 Niveau. Dieser befähigt euch nicht nur zu einem weiteren Studium an japanischen Universitäten, sondern ist gleichzeitig auch die Tür in sehr viele japanische Firmen in Deutschland und vor allem in Japan selbst. Diese verlangen oftmals einen schriftlichen Beleg eurer Japanisch-Kenntnisse. Und was eignet sich dafür besser als ein offizielles Zertifikat, dass in ganz Japan anerkannt ist?

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Spätestens bei der Arbeitssuche geht es nicht nur bei Japanern um die Wurst. Auch Japanologen sollten versuchen, sich von der Konkurrenz abzuheben; Bild: すしぱく

Die zweite Qualifikation, die ihr euch im Laufe des Studiums erarbeiten werden, ist kultureller Natur: Allgemeinwissen über Japan, Kenntnisse über die Gepflogenheiten und Etikette des Landes, und – am wichtigsten – der Kontakt zu Japanern, den ihr über das Studium und vor allem euer Auslandssemester vertiefen werdet. Durch diesen Kontakt hebt ihr euch unter anderen Bewerbern hervor, die schlicht und ergreifend nur Japanisch als Sprache beherrschen. Ihr wisst, wie ihr mit Japanern umzugehen und wie ihr euch zu verhalten habt. Dies spielt vor allem bei Berufen im Bereich der Korrespondenz und dem Außenhandel eine Rolle, ist aber auch in vielen anderen Branchen von großem Vorteil, sofern ihr in eurem Wunschberuf Kontakt mit Japanern haben werdet.

Neben dem allgemeinen akademischen Handwerk, das euch ein Studium mitbringen wird, ist natürlich auch euer Nebenfach wichtig. Generell empfehlenswert sind natürlich immer Fächer wie Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre oder Politik – diese sind aber nicht zwingend notwendig. Trotzdem solltet ihr euch bei der Wahl eures Nebenfachs gut überlegen, was es euch in Zukunft bringen wird. Und ob ihr nicht vielleicht zusätzlich noch ein paar einfache Vorlesungen in Ökonomie, das eine oder andere Praktikum oder sonstige Fortbildungen neben dem Studium einwerfen solltet, die euch gegenüber anderen Bewerbern abheben könnten. Allgemein lässt sich sagen: Jede Erfahrung, jede zusätzliche Qualifikation, die ihr mehr habt als andere, kann euch in Zukunft weiter bringen.

Aber nun genug mit den Qualifikationen – kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Artikels!

Branchen und Möglichkeiten

Natürlich gibt es einige Möglichkeiten, nach einem Studium der Japanologie irgendwo in den Anime-, Manga- oder auch Games-Branchen unterzukommen; dies heißt jedoch nicht, dass ihr auch automatisch dort landen werdet. Genau genommen ist es sogar ziemlich schwer, dort rein zu kommen.

Vielmehr seid ihr als Japanologen oftmals Spielball des Zufalls, so albern das auch klingen mag. Viele Absolventen führt es einmal quer durch viele verschiedene Branchen und Arbeitsfelder. Als gutes Beispiel hierfür könnte ich einen ehemaligen Dozenten von mir nennen: Nach seinem Abschluss landete er im Goethe-Institut in Korea, einige Jahre später als Privatdozent an der Uni und schließlich bei einem deutschen mittelständischen Unternehmen, das Herzschrittmacher nach Japan verkaufen wollte. Dafür brauchten sie jemanden, der sich mit den Zulassungen und dem Papierkram beschäftigt und bei Problemen verhandlungssicher mit den japanischen Behörden kommunizieren kann.

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Wo will ich einmal hin? Eine Frage, die man auf jeden Fall beantworten können sollte. Ob man aber auch wirklich dort landen wird, ist eine andere Frage; Bild: すしぱく

Generell gibt es in Deutschland sehr viele Firmen, die Kontakte nach Japan pflegen. Darunter befinden sich Großkonzerne, die Außenposten in Japan und der ganzen Welt haben, mittlere und kleine Unternehmen, die auf dem japanischen Markt einsteigen möchten, wie auch viele japanische Unternehmen, die den deutschen Markt mit ihren Produkten beglücken wollen. Unter diesen Unternehmen gibt es nicht viel, das mit Popkultur zu tun hat: Schwerindustrie, Export- und Import, Handelshäuser, Banken, … Prinzipiell lässt sich deshalb sagen, dass man als Japanologe nur selten auch wirklich dort landet, wo man eigentlich hin möchte. Dafür stehen einem jedoch viele Möglichkeiten in den verschiedensten Branchen offen – man muss nur dazu bereit sein, auch mal über seinen Schatten zu springen und vielleicht einen Job zu machen, den man sich zu Beginn so nicht vorgestellt hat.

Neben der Industrie gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten, die man in Betracht ziehen kann – und die teilweise auch in die Branche der Popkultur fallen könnten. Als erstes wären hier natürlich die Berufe Übersetzer und Dolmetscher zu nennen.

Als Übersetzer hat man den Vorteil (oder den Nachteil, Auslegungssache), oftmals freiberuflich zu arbeiten. Man kann sich dadurch zwar von überall aus arbeiten und seine Arbeitszeit und auch das Arbeitspensum frei einteilen, ist jedoch auf Aufträge angewiesen. Weiterhin ist diese Berufssparte leider oftmals unterbezahlt – man muss also Glück haben, ordentliche Aufträge an Land zu ziehen. Festangestellte Übersetzer werden heutzutage nur noch weniger Arbeitnehmer; überhaupt ist es sehr schwierig, in dieser Sparte einzusteigen, da viele Verlage und Produzenten, die von Japanisch auf Deutsch übersetzen lassen, schon längst die „Übersetzer ihres Vertrauens“ gefunden haben und nur bei krankheitsbedingtem Ausfall oder Personalknappheit Neulingen eine Chance geben. Außerdem werden für Übersetzungsaufträge meist erste Erfahrungen vorausgesetzt. Die sind allerdings ohne Aufträge schwer zu sammeln. Deshalb wäre zu empfehlen, privat schon mal den einen oder anderen kleinen Text, Manga oder ähnliches übersetzt zu haben, um potentiellen Auftraggebern Beispiele vorlegen zu können.

Dolmetschen ist im Gegensatz dazu fast immer ein Garant für eine gute Arbeitsposition, vor allem mit solch einer exotischen Sprache wie Japanisch. Dies liegt jedoch wirklich nur den Allerwenigsten und setzt neben lebenslangem Lernen auch ein ungemeines Sprachtalent voraus. Oftmals wird dies sogar als eigener Master-Studiengang angeboten.

Auch Fremdsprachenkorrespondenz ist eine der Sparten, in die man sich nach einem Studium der Japanologie bewegen könnte. Auch hier gilt jedoch die Devise, dass Praktika und Auslandserfahrungen von großem Vorteil bei einer Bewerbung sind.

Generell kann es nicht schaden, nach dem Uni-Abschluss erst einmal noch Praktika und/oder ein weiteres Auslandsjahr zu absolvieren. Vor allem Auslandspraktika sind gern gesehen, weil sie zeigen, dass ihr Arbeitserfahrungen in einem anderen Land machen konntet. Idealerweise natürlich auch in Japan und in der Branche, in der ihr euch in Zukunft bewegen möchtet.

Ansonsten habt ihr immer noch die Möglichkeit, einfach an der Uni zu bleiben und euch der Forschung zu widmen. Auch das streben viele Japanologie-Studenten an; hierfür ist allerdings ein Master unabdingbar.

Stellenausschreibungen

Stellenausschreibungen, bei denen gezielt nach Japanologen gesucht wird, gibt es durchaus. Das Problem an der Sache ist jedoch, dass auf die wenigen Ausschreibungen meist viele Bewerber kommen werden. Die Konkurrenz ist hart, wie man so schön zu sagen pflegt. Hierbei helfen natürlich zuvor abgeschlossene Praktika in der jeweiligen Branche oder generelle Berufserfahrung sehr, sich von anderen Bewerbern positiv abzuheben.

Initiativbewerbungen

Im Gegensatz zu Stellenauschreibungen, bei denen ihr euch auf eine garantiert offene Stelle bewerbt, sind Initiativbewerbungen ohne Ausschreibung gewagter, haben jedoch einige Vor-, aber auch Nachteile gegenüber normalen Bwerbungen.

In Japan sitzt man bei Bewerbungsgesprächen übrigens oftmals mit mehreren Leuten gemeinsam in einem Raum und antwortet nacheinander;© toyokeizai.net

Durch eine Initiativbewerbung zeigt ihr z.B. direkt, dass ihr bei genau diesem Arbeitgeber arbeiten möchtet. Immerhin habt ihr euch dazu entschlossen, aus tausenden Möglichkeiten ausgerechnet ihm eine Bewerbung zu schreiben. Hierbei ist es natürlich besonders wichtig, sich und seine Fähigkeiten gut zu verkaufen. Wer hier jedoch zu dick aufträgt, fällt normal spätestens bei einem potentiellen Bewerbungsgespräch gehörig auf die Nase.

Der Nachteil von Initiativbewerbungen ist, dass vor allem kleinere Firmen oftmals keine finanziellen Möglichkeiten dazu haben, einem interessanten Bewerber eine Chance zu geben, wenn sie keinen leeren Platz für diesen haben. Allerdings hat man immer noch die Chance, dass sich eine Firma nachträglich doch noch bei einem meldet, sobald sie eine Stelle frei haben. Bei größeren Konzernen jedoch sind Initiativbewerbungen eine gute Methode, vielleicht doch bei seinem Wunscharbeitgeber einen Job zu erhalten – oder zumindest in derselben Branche, um es mit mehr Arbeitserfahrung später noch einmal zu probieren.

Personalvermittler

Die dritte Möglichkeit, einen Arbeitplatz zu finden, ist über Personalvermittlungsagenturen. Bei diesen hinterlegt ihr eure Daten und arbeitstechnischen Vorlieben und werdet benachrichtigt, sobald die Agentur eine Firma von euch überzeugen konnte. Dies ist zumeist kostenlos, da die Agentur von eurem potentiellen Arbeitgeber eine Provision erhält – deshalb WOLLEN euch dieser Agenturen vermitteln. Immerhin seid ihr ihre Einnahmequelle.

Der Vorteil daran ist, dass ihr gänzlich ohne Bewerbungsstress einfach andere Leute für euch machen lassen könnt und euch einfach nur noch in ein Bewerbungsgespräch setzen müsst. Der große Nachteil daran ist aber, dass ihr selbst nur wenig Einfluss darauf habt, wo ihr landen werdet . Oftmals kommt ihr hierbei bei kleinen Repräsentanzbüros von japanischen Firmen unter, die in Deutschland gerade dabei sind, Fuß zu fassen. Manchmal als einziger Deutscher in einem Büro.

Vitamin B

Natürlich gibt es noch Vitamin B. Beziehungen ermöglichen einem immer, Karriere zu machen – scheut euch daher nicht, diese auch auszuschöpfen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein Praktikum in der Firma eines Verwandten zu absolvieren oder sogar direkt einzusteigen, nutzt sie!

Habt ihr ein Studium der Japanologie absolviert? Habt ihr dies vor? Wisst ihr noch weitere Wege, die man damit einschlagen kann? Wir freuen uns über jeden Kommentar!

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