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Japantag 2016 – ein offener Brief an die Veranstalter

Liebe Veranstalter des Japantags 2016,
so Leid es mir tut, aber dieser Brief ist kein „Hach, es war so toll und ich will nächstes Jahr unbedingt wieder hin“ Brief.

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Bevor ich beginne, möchte ich Ihnen die Gelegenheit geben, sich ein Bild von mir zu machen. So fällt es vielleicht einfacher, mich und vor allem dieses Schreiben einzuordnen.

Ich bin Mutter von zwei Kindern, Ehefrau eines Japaners. Wir leben gemeinsam seit nun fast 5 Jahren in Düsseldorf und erwarten Anfang Herbst unser drittes Kind. Wir sind keine Manga- oder Anime-Fans, obwohl beide Bereiche in unserem täglichen Leben vorkommen – sie spielen aber keine übergeordnete Rolle. Wir sind aktiv in japanischen und auch in deutschen Vereinen und begrüßen es, dass die japanische Kultur für Düsseldorf einen so hohen Wert hat, dass eine Veranstaltung wie der Japantag entstehen konnte. Den Japantag besuche ich schon seit 10 Jahren und verfolge auch den Wandel, den diese Veranstaltung im Laufe der Zeit durchlaufen hat.

Die letzten Jahre schon ist der extreme Ruck in Richtung Manga & Anime aufgefallen. Das stieß nicht überall auf Begeisterung, vor allem als der Anteil der Cosplayer zwischen den normalen Besuchern immer mehr Oberhand gewann und die großen Cosplayplattformen zu offiziellen Forentreffen auf der Veranstaltung aufriefen. Gleichzeitig wuchs auch das Angebot für diese Fans gewaltig. Aus ein bis zwei Merchandise-Ständen wurden mehr und mehr, bis wir schließlich bei dem Gefühl angelangt waren, es gäbe fast nur noch solche Stände und die wirklichen Kulturstände wurden in den Hintergrund gedrängt.

Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Cosplayer und finde viele der Kostüme, in denen viel Liebe steckt, wirklich gut. Ich habe allerdings etwas gegen nicht vorhandene Regeln, die bei Veranstaltungen in diesem Größenumfang eigentlich notwendig wären.

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Wo wir dann auch schon beim Thema „Organisation“ angelangt wären. Sicherheit liegt mir als Mutter und Schwangere sehr am Herzen – und ganz ehrlich, von Sicherheit war nicht viel zu spüren.

Das fing schon auf der Bahnfahrt an. Hoffnungslos überfüllte Bahnen und vor allem Bahnsteige, und meilenweit keiner, der sich um Ordnung und Sicherheit gekümmert hat (außer ein paar arme Bahnangestellte, die am Bahnhof und der Heinrich Heine Allee ihr Möglichstes versucht haben).

Angekommen stand man sogleich in einem Meer aus Scherben. Bierflaschen, Gläser, Müll.

Einige Cosplayer meinten es zu gut und liefen sogar mit Metallwaffen und ähnlichem durch die Gegend. In Kombination mit Alkohol ergab das eine interessante Mischung, auf die ich (und viele andere) lieber verzichtet hätte.

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An den Essens- und Getränkeständen bildeten sich im Eiltempo lange Schlangen. Beim Essen OK, aber bei dem Wetter wären Getränke eigentlich extrem wichtig gewesen und mit ein wenig Umorganisation hätte das auch anders aussehen können.

Wo ich grade vom Wetter schreibe – Wo viel gehobelt wird, fallen viele Späne. Ja, und wo viele Menschen sind, fallen … Hilfe, Sanitäter?
Vier Sanitätsstände auf 750.000 Besucher. Meilenweit auseinander und keine sichtbaren Ansprechpartner in der Menschenmasse.

Engpässe, wie die kleine Brücke, waren vollkommen unbeaufsichtigt. Teilweise brauchte man über 15 Minuten, um die Brücke passieren zu können. In der Hitze und eingeklemmt auf engstem Raum in dem Wissen, das selbst wenn Hilfe benötigt würde, diese einen nie im Leben rechtzeitig erreichen könnte.

Gibt es bei Ihnen eigentlich Organisatoren und Helfer, die sich zwischen den Besuchern bewegen, um im Notfall eingreifen zu können?

Dies sind nur einige der größten Punkte, die uns, und vielen Gruppen in sozialen Netzwerken, sauer aufgestoßen sind.

Natürlich gab es auch vieles, wo wir eher an die Besucher als an die Veranstalter appellieren möchten – zum Beispiel wäre es schön, wenn im engsten Gedränge nicht geraucht würde. Auch Zigaretten auf Kinderhöhe gehalten müssen nicht sein. Schubsen und Drängeln bringt ebenfalls niemanden schneller weiter, und vielleicht sollte man dem ein oder anderen noch mal erklären, das man andere Menschen nicht angrapscht. Vor allem nicht in Intimbereichen.

Dieses Jahr waren es übrigens überraschenderweise weniger die Cosplayer, die negativ auffielen, sondern viel mehr eine große Menge der „normalen“ Besucher.

Wünsche und Vorschläge haben wir natürlich auch quer durch alle Netzwerke für Sie zusammengetragen:

  • Mehr Organisatoren und Helfer vor Ort und in der Masse.
    So kann schnell bei Problemen eingegriffen werden und die Ballungspunkte können entspannt werden.
  • Glasverbot.
    Es gibt Plastikbecher und Plastikflaschen – Gläser zerbrechen schnell und stellen eine Gefahr für andere Besucher da. Vor allem an warmen Tagen, an denen viele offene Schuhe tragen. Glasverbot schließt Glas-Mitbringverbot mit ein (das durch Helfer kontrolliert und durchgesetzt werden könnte)
  • Alkoholverbot bzw. eine deutliche Einschränkung
    – kein Ausschank an deutlich angetrunkene und bessere Kontrollen der Minderjährigen, auch bei selbst mitgebrachtem Alkohol
  • Waffenkontrolle.
    Cosplayer sollten dazu angehalten werden, keine überdimensionalen Waffen und keine harten Waffen mit sich zu führen. Schön wäre, wenn es Regeln, wie bei Conventions gäbe und z.B. einen Stand, um die Waffen zu lagern, damit sie für Fotos genutzt werden können und danach sicher verwahrt werden, ohne eine Gefahr für andere darzustellen.
  • Mehr Helfer an den Bahnsteigen.
    Die Hauptbahnsteige sollten besser bewacht und gesichert werden, damit es dort in Zukunft (mit noch mehr erwarteten Besuchern) nicht zu Unfällen kommt.
  • Enge Durchgangspässe (wie an der kleinen Brücke) könnten durch klare Richtungstrennungen und Helfer an den jeweiligen Enden entschärft werden.
  • Mehr Getränkestände.
    Grade bei solch heißem Wetter sollten alle paar Meter Getränkestände vorhanden sein. Es müssen keine voll ausgestatteten Trinkbuden sein, aber zumindest Wasser sollte irgendwie erhältlich sein.
  • Gut sichtbare Rettungskräfte auch außerhalb der erste Hilfe Zonen und vor allem an den Stellen, wo es zu Stau kommen kann, damit die Sicherheit der Besucher jederzeit gewährleistet ist und man im Notfall schnell einen Ansprechpartner hat.

Vielleicht wäre es auch eine Idee, den Cosplayern einen eigenen Eventtag zu ermöglichen, an dem sie sich nach Herzenslust austoben können und dafür den Anime & Manga Teil des Japantags wieder etwas zu reduzieren (damit meine ich nicht, es ganz herauszunehmen, denn diese Themen sind schließlich auch Teil der japanischen Kultur). Der Wunsch nach mehr Traditionellem und auch die Nachfrage danach (z.B. Kimono Stand, Kalligrafie etc.) ist groß.

Wir hoffen, dass sich der Japantag in Zukunft wieder zu einem Tag des Kulturaustauschs und zu einem angenehmen Fest für alle entwickelt.

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