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Elf Jahre nach Zerstörung

JR Tadami-Linie – Malerische Zugstrecke wieder vollständig in Betrieb

Aus Japan gibt es gute Nachrichten für Zugfans: Die bekannte Tadami-Linie zwischen den Präfekturen Fukushima und Niigata hat nach elf Jahren wieder ihren regulären Betrieb aufgenommen. Die Fertigstellung der Strecke kommt gerade rechtzeitig zur Öffnung des Landes für den Tourismus.

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Die Tadami-Linie des Betreibers Japan Rail East gilt als eine der romantischsten Banhstrecken des Landes. Auf 130 Kilometern durchqueren die Züge auf der Strecke von Aizu-Wakamatsu nach Koide eine Reihe malerischer Landschaften. Seit den 1970er Jahren begeistert die Strecke ihre Fahrgäste.

Mit der Tadami-Linie zu heißen Quellen und imposanten Burgen

Entlang des namensgebenden Flusses Tadami führen die Fahrten vorbei an historischen Tempeln, über hohe Brücken, dichte Wälder und offene Ebenen, die zu jeder Jahreszeit einen eigenen Reiz entwickeln. Im Winter sind die nordjapanischen Landschaften oft mit Schnee bedeckt, im Frühjahr zieren Kirschblüten die Strecke und im Herbst leuchten die Wälder in satten Herbstfarben.

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Doch elf Jahre lang waren Fahrten entlang der Strecke nur mit Ersatzbussen möglich. Denn im Sommer 2011 ließen starke Regenfälle den Tadami anschwellen und über die Ufer treten. Mehrere Brücken der Tadami-Linie wurden zerstört, weite Teile der Strecke stark beschädigt. Der Zugverkehr im stark betroffenen Mittelteil der Strecke musste komplett eingestellt werden.

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Von da an bestand die Tadami-Linie aus zwei Hälften. Innerhalb eines Jahres nach der Zerstörung konnte ein Teilstück zwischen Tadami und Oshirakawa wieder in Betrieb genommen werden. In der Region befinden sich viele heiße Quellen, die Reisegästen zur Erholung dienen.

Schwierigkeiten bereitete jedoch der Wiederaufbau der verbleibenden Strecke zwischen Aizu-Wakamatsu und Tadami. Rund zwanzig Kilometer Schienen waren hier besonders stark beschädigt und Brücken mussten neu errichtet werden. Ein Aufwand, den die Betreiber nicht allein stemmen konnten.

Hohe Kosten für den Wiederaufbau

Schließlich einigten sich Japan Rail und die Präfektur Fukushima auf eine Zusammenarbeit. Die Reparaturkosten von rund 9 Milliarden Yen, etwa 63 Millionen Euro, wurden zwischen Betreibern und den beteiligten Präfekturen aufgeteilt. Außerdem erhielt das Projekt Zuschüsse von der japanischen Regierung.

Aufgrund der Bedeutung der Strecke für den Tourismus hofft man in der Region, dass sich die Investitionen in den Wiederaufbau langfristig rentieren. Doch auch wenn wieder mehr Gäste die Region besuchen, besteht die Möglichkeit, dass sich die Tadami-Linie zu jenen Bahnstrecken gesellt, deren Betrieb für die JR East keine Gewinne abwirft.

Um Aufmerksamkeit für die Strecke zu wecken, griffen die Betreiber daher auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen. So fanden in den vergangenen Jahren mehrfach Pro-Wrestling Turniere an Bord der Tadami-Züge statt.

Begrüßung der Tadami-Linie
Am Bahnhof Aizu-Wakamatsu empfangen Bahnangestellte den ersten Zug aus Koide nach elf Jahren. Bild: MS

Am Morgen des 1. Oktobers war es nun endlich soweit. Um sieben Uhr früh verließ der seit 2011 erste Zug nach Aizu-Wakamatsu den Bahnhof von Koide. Nach der vierstündigen Fahrt wurden Zug und Passagiere an der Endstation von einem Empfangskomitee begrüßt.

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich entweder selbst in die Züge zu quetschen oder von außen zuzuschauen, wie die Wagen die neu gebauten Brücken überquerten. JR East verbuchte den Tag als vollen Erfolg, auch wenn nicht alles perfekt lief.

Für Anwohner bringt die Strecke wenig Vorteile

Denn der erste Zug von Aizu-Wakamatsu in Richtung Osten erreichte sein Ziel nicht. Ein Motorschaden zwang den Zug zum Halt, die Passagiere mussten in Busse umsteigen. Vier Stunden dauerte es, bis der Betrieb auf der Strecke wieder aufgenommen werden konnte. Danach kam es zu keinen weiteren Störungen.

Während die Wiedereröffnung der Strecke für den Tourismus ein wichtiger Schritt ist und auch Zugfans begeistert sind, ist man sich unter den Einwohnern der anliegenden Regionen uneinig über die Sinnhaftigkeit des teuren Projekts.

Denn die haben sich in den letzten elf Jahren an ein Leben ohne die Tadami-Linie gewöhnt, viele nutzen das Auto, um zur Arbeit zu kommen oder Ausflüge zu unternehmen. Sie werden auch nach der Reparatur der Strecke nicht in die Züge zurückkehren. Mit nur je drei vollständigen Verbindungen von Koide nach Aizu-Wakamatsu und zurück am Tag und dem langsamen Fahrttempo ist die Strecke für den Pendelverkehr wenig geeignet.

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